Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 14 ° Gewitter

Navigation:
Google+
Synode der Evangelischen Kirche in Dresden debattiert über Homo-Pfarrer

Synode der Evangelischen Kirche in Dresden debattiert über Homo-Pfarrer

Wie soll die evangelische Kirche in Sachsen auf Veränderungen in der Gesellschaft reagieren? Darüber will deren Landessynode auf ihrer Frühjahrstagung in der Dresdner Dreikönigskirche diskutieren, die bis kommenden Montag dauert.

Thema sollen dort neben dem Wandel der Alterszusammensetzung, Gegensätzen von Stadt und Land sowie dem Feiertagsgebot auch gleichgeschlechtliche "eingetragene Partnerschaften" von Pfarrern sein - eine heftig und kontrovers diskutierte Frage. Dazu eine Analyse.

m

Was galt bisher für homosexuelle evangelische Pfarrer und Pfarrerinnen in Sachsen?

Die Kirchenleitung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche hatte 2001 in einer Erklärung festgelegt, ein schwuler Theologe oder eine lesbische Theologin dürfe Pfarrer bleiben, wenn er oder sie "a) Homosexualität nicht propagiert, b) eine homosexuelle Beziehung nicht im Pfarrhaus gelebt und nicht zum Inhalt der Verkündigung gemacht wird, c) den Kirchenvorstand informiert und dieser die Zusammenarbeit für möglich hält". Die Landeskirche sah sich damals durch ein neues Gesetz zu einer Position gedrängt, das erstmals auch gleichgeschlechtliche "eingetragene Lebenspartnerschaften" in der Bundesrepublik zuließ.

m Was wird jetzt neu geregelt?

Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat 2010 ein neues Pfarrdienstgesetz beschlossen. In Paragraph 39, Absatz 1 heißt es: "Pfarrerinnen und Pfarrer sind auch in ihrer Lebensführung im familiären Zusammenleben und in ihrer Ehe an die Verpflichtungen aus der Ordination (...) gebunden. Hierfür sind Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und gegenseitige Verantwortung maßgebend." Neu ist der weiter gefasste Begriff "familiäres Zusammenleben", der nun auch gleichgeschlechtliche, allerdings "rechtsverbindlich geordnete", Partnerschaften einschließt. Die Landeskirchen dürfen bei der Anwendung ihr "eigenes Profil" entwickeln. Die Kirchenleitung der sächsischen Landeskirche hat das am 21. Januar in einer Ausnahmeregelung getan. Danach dürfen Pfarrer und Pfarrerinnen als gleichgeschlechtliche Paare im Pfarrhaus nur unter zwei Bedingungen zusammenleben: 1. sie müssen in eingetragener Lebenspartnerschaft verbunden sein, 2. der Kirchenvorstand muss einmütig zustimmen.

m

Wie argumentieren die Gegner dieser Regelung?

Sie halten den Passus im neuen EKD-Pfarrdienstgesetz für "schrift- und bekenntniswidrig", das heißt mit Bibel und evangelisch-lutherischen Bekenntnisschriften unvereinbar. Der sächsischen Kirchenleitung werfen sie vor, ihre Kompromissregelung vom Januar stehe im Widerspruch zu ihrem Beschluss von 2001. In ihrer "Markersbacher Erklärung" - so benannt nach dem Sitz der Initiativgruppe - haben sie die Kirchenleitung aufgefordert, bei ihrem Beschluss von 2001 zu bleiben, also offen gelebte Homosexualität im Pfarrhaus zu verbieten. Unterschrieben haben diese Erklärung 101 Gemeinden, 249 Gemeinschaften und über 7500 Einzelpersonen.

m

Was steht in der Bibel zu Homosexualität?

Zwei Stellen im Alten Testament, im 3. Buch Mose (18,22 und 20,13) verurteilen es als "Gräuel", wenn ein Mann bei einem Mann wie bei einer Frau liegt. Allerdings, wendet der Bochumer Theologieprofessor Jürgen Ebach ein, sei damit ein bestimmter Sexualakt gemeint, der als für Männer entwürdigend gilt, keine verbindliche Beziehung. Im Neuen Testament verurteilt der Apostel Paulus (Römerbrief 1,26 f.) den Geschlechtsverkehr von Frauen und Frauen, Männern und Männern als "widernatürlich". Er zählt "Lustknaben" (1. Korinther 6,9). und "Knabenschänder" (1. Timotheus 1,10) zu den "Ungerechten". Von Jesus Christus selbst ist zu Homosexualität kein einziges Wort überliefert.

m

Was meinen die Befürworter einer Neuregelung?

Sie meinen, Homosexualität sei keine Krankheit und von einer homosexuell gelebten Partnerschaft gehe für niemanden eine Gefahr aus, auch nicht für Ehe und Familie. "Homosexuelle Menschen haben ihre Orientierung nicht selbst gewählt, sondern sind von Gott als schwul oder lesbisch geschaffen worden. Wie andere Menschen auch, sehnen sie sich nach Liebe, Treue und Verlässlichkeit." Dafür gebe es die neue Möglichkeit einer "eingetragenen Partnerschaft". So heißt es in einer im Kirchenbezirk Leipzig verfassten Erklärung, die 367 Unterschriften trägt, darunter die von mehr als 120 Pfarrern.

m

Um wie viele Betroffene geht es?

Die Landeskirche rechnet mit zehn bis 15 Pfarrern. Öffentlich bekannt sind zwei lesbische Pfarrerinnen, eine in Leipzig und eine in Hohnstein.

m

Wie ist das in den benachbarten Landeskirchen geregelt?

In der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) dürfen Pfarrer seit 2006 in eingetragener gleichgeschlechtlicher Partnerschaft im Pfarrhaus leben, wenn der Gemeindekirchenrat zustimmt. Einen Streit darüber habe es nicht gegeben, so Sprecher Volker Jastrzembski. In der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) entscheidet gemäß einer Richtlinie vom Januar 2011 der Gemeindekirchenrat, ob er einen homosexuellen Gemeindepfarrer möchte oder ob der sich eine andere Stelle suchen muss, wie Sprecher Ralf-Uwe Beck sagt. In der Kirchenprovinz Sachsen, heute Teil der EKM, hatte Bischof Werner Krusche bereits 1968 den ersten schwulen Pfarrer ordiniert.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.04.2012

Tomas Gärtner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Stadtpolitik
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.