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Südkoreas Präsidentin in Dresden: Über mögliche Fabrikansiedlung wird spekuliert

Südkoreas Präsidentin in Dresden: Über mögliche Fabrikansiedlung wird spekuliert

Dass die südkoreanische Präsidentin im Rahmen ihres Deutschland-Besuches erstmals auch nach Dresden kommt, bezeichnet Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) als "protokollarischen Ritterschlag" für die Stadt.

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Park Geun-hye steht an der Spitze einer führenden Wirtschaftsnation.

Quelle: dpa

Noch spannender ist jedoch die Frage, ob der Abstecher gen Sachsen im Zusammenhang mit einer milliardenschweren Fabrikansiedlung durch Samsung steht.

m Was erhofft sich die Stadt Dresden von dem Staatsbesuch?

Dirk Hilbert, der übrigens selbst seit 2008 mit einer Südkoreanerin verheiratet ist, sieht zunächst eine mediale Kampagne "for free", da die nationalen koreanischen Medien in den nächsten Tagen über Dresden berichten werden. "Wir erwarten damit, dass die Landeshauptstadt in der südkoreanischen Wirtschaftswelt bekannter wird und bei Überlegungen zu internationalen Aktivitäten stärker eine Rolle spielt. Umgekehrt kann Südkorea auch für hiesige kleine und mittlere Unternehmen ein interessanter Markt werden", erklärt Hilbert.

m Wie konkret sind die Pläne des Elektronikriesen Samsung?

Offizielle Aussagen liegen dazu bislang nicht vor. Jedoch ist bekannt, dass das Amt für Wirtschaftsförderung um Ansiedlungen von Batterie-Herstellern kämpft und Forscher des hiesigen Fraunhofer-Instituts für Keramische Technologien und Systeme bereits über eine Akku-Fabrik der Firma Samsung spekulieren (DNN berichteten), zumal der Konzern kürzlich die Dresdner Technologiefirma "Novaled" übernommen hat. Dadurch würden Hunderte Arbeitsplätze entstehen. Südkoreas Präsidentin besucht am Freitag eben jenes Fraunhofer-Institut an der Winterbergstraße - sicher kein Zufall.

m Wie viele Südkoreaner leben momentan in Dresden?

Nach Angaben der Kommunalen Statistikstelle ist ihre Zahl seit 1993 von acht auf 407 gestiegen. Ihr Anteil an den Migranten beträgt 1,7 Prozent. 27 südkoreanische Jungen und Mädchen lernen derzeit an der Internationalen Schule. Und an der Hochschule für Musik "Carl Maria von Weber" sind sogar gleich 96 Studierende aus dem fernöstlichen Land eingeschrieben.

m Warum dieses starke Interesse an der Dresdner Musikhochschule?

"Besonders groß ist der Andrang in den Fächern Gesang, Klavier und Orchesterinstrumente", sagt Rektor Prof. Ekkehard Klemm auf DNN-Anfrage. "Auch aus anderen westeuropäischen Ländern sind uns diese Entwicklungen bekannt. Sie korrespondieren mit dem generell in Asien zu beobachtenden Interesse an europäischer klassischer Musik. Konzertsäle, Orchester und Theater sind in Südkorea, Japan und China momentan ein Wachstumsmarkt und Künstler wie Lang Lang fachen diese Entwicklung sicherlich zusätzlich an."

m Welche Verbindungen bestehen zwischen Dresden und Südkorea?

Eine offizielle Städtepartnerschaft wie mit dem chinesischen Hangzhou existiert zwar bislang nicht, dafür aber ein Honorarkonsulat der Republik Korea an der Königstraße. Darüber hinaus wurde zum Ausbau der wechselseitigen Beziehungen im Februar 2012 das Netzwerk Dresden-Korea gegründet, dem nicht nur Unternehmen und Institute sondern auch öffentliche Einrichtungen und Privatpersonen angehören. Es tagt regelmäßig unter der Leitung von Dirk Hilbert.

m Wie bedeutend ist solch ein Staatsbesuch für Dresden?

Wie die Sächsische Staatskanzlei für die DNN recherchiert hat, ist die Visite von Park Geun-hye seit 2000 der 24. Staatsbesuch in der Landeshauptstadt. Das erfordert jedes Mal sehr viel Organisation - nicht nur wegen des strengen Protokolls, sondern auch wegen der starken Sicherheitsvorkehrungen. "Ein Staatsbesuch ist immer ein Besuch eines Staatsoberhauptes. Im Rahmen eines offiziellen Besuches in Deutschland kommt es dann gegebenenfalls neben dem Aufenthalt in der Bundeshauptstadt auch zu Besuchen in den einzelnen Ländern wie zum Beispiel Sachsen. Dieser ist immer daran gebunden, dass er vom Auswärtigen Amt geplant, durchgeführt und begleitet wird", sagt Andrea Valendiek, Presse-Referatsleiterin der Staatskanzlei. Im Rahmen früherer Staatsbesuche weilten schon Frankreichs damaliger Präsident Jacques Chirac (Oktober 2000), Spaniens Kronprinz Felipe (März 2003 und Juni 2006), US-Präsident Barack Obama (Juni 2009) und Königin Beatrix der Niederlande (April 2011) in Dresden.

m Warum zählt Park Geun-hye zu den mächtigsten Frauen der Welt?

Wegen seines extrem starken Wirtschaftswachstums hat sich Südkorea in den 1980er Jahren vom Status eines Entwicklungslandes lösen können und Anschluss an die Industrienationen gefunden. Mittlerweile gilt der asiatische Tigerstaat als eine der weltweit führenden Wirtschaftsnationen - Produkte von LG, Samsung und Hyundai werden rund um den Globus verkauft.

Insofern hat die Stimme von Park Geun-hye im Chor der Mächtigen einige Kraft. Geboren wurde sie 1952 in der viertgrößten Stadt Südkoreas, in Daegu, als Tochter des Generals und langjährigen Präsidenten Park Chung-hee, der das Land nach einem Putsch des Militärs im Jahr 1961 diktatorisch regierte. 1974 wurde ihre Mutter bei einem Anschlag von einem Nordkoreaner erschossen, das Attentat galt eigentlich dem Vater. Park Geun-hye wuchs so bereits im Alter von 22 Jahren in die Rolle der First Lady hinein, bis auch Park Chung-hee 1979 vom damaligen Geheimdienstchef getötet wurde. Die Tochter zögerte nach diesem Schicksal, in die Politik zu gehen, entschied sich dann aber doch für eine entsprechende Karriere. Im Dezember 2012 gewann sie als erste Frau überhaupt die südkoreanischen Präsidentschaftswahlen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.03.2014

Stephan, Christoph

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