Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Google+
Sportbürgermeister Peter Lames: „Die Nutzungsentgelte werden steigen“

Interview Sportbürgermeister Peter Lames: „Die Nutzungsentgelte werden steigen“

Sportbürgermeister Peter Lames (SPD) erklärt im DNN-Interview, warum die Verwaltung die Mittel für den Sport im Haushaltsplanentwurf nicht aufgestockt hat und warum die Stadt das Trainingszentrum für Dynamo Dresden mit einem Zuschuss von vier Millionen Euro fördern will.

„Müssen das gesamte Regelwerk überarbeiten“: Sportbürgermeister Peter Lames.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Peter Lames (SPD) ist seit 2015 Sportbürgermeister und erklärt im DNN-Interview, warum der Haushaltsentwurf der Verwaltung für den Sport so mager ausgefallen ist und wie das geändert werden soll.

Frage: Ist Dresden eine Sportstadt?

Peter Lames: Nicht mehr und nicht weniger als andere vergleichbare Städte. Es gibt ein großes Interesse der Bevölkerung am aktiven Sporttreiben und die Dresdner nehmen auch gerne als Zuschauer an Sportveranstaltungen teil. Das muss maßgeblich sein für die kommunale Sportpolitik. Von Etiketten wie dem Begriff Sportstadt halte ich nicht viel.

Der Stadtsportbund verzeichnet einen enormen Zuwachs an Mitgliedern. Warum wächst die Förderung nicht mit?

Im Haushaltsentwurf wird in der Tat das Niveau der vergangenen Jahre fortgeschrieben. Den Hauptgrund sehe ich darin, dass man die Förderung nur dann entscheidend verbessern kann, wenn man eine verlässliche sachliche Grundlage dafür hat. Daran fehlt es aber. Allein die bereits 2013 erfolgte Ausgliederung der städtischen Bäder aus dem Eigenbetrieb Sportstätten sorgt für Überarbeitungsbedarf. Viele vorhandene Regelungen sind intransparent und auch rechtlich nicht mehr auf der Höhe der Zeit. In so einer Situation fällt es der Verwaltung schwer, die Förderung zu erhöhen.

Wie wollen Sie die Situation ändern?

Wir sind dabei, das gesamte Regelwerk zu überarbeiten. Die Zugangsvoraussetzungen, die Gebührensatzung, die Entgeltordnung und die Sportförderrichtlinie werden angepasst. Wir arbeiten daran sehr intensiv, sind aber noch nicht soweit. Die Grundlagen sollen im ersten Halbjahr 2017 zu Papier gebracht werden.

Gehen die Sportler bis dahin leer aus?

Wir arbeiten mit den Haushaltsansätzen, die festgeschrieben sind und mit dem, was der Stadtrat vielleicht noch drauflegt. Außerdem wurde auch schon in der Vergangenheit immer wieder mit anderen Finanzquellen während des laufenden Jahres nachgesteuert. Ein befriedigender Zustand ist das nicht. Da müssen wir beim nächsten Doppelhaushalt weiter sein.

Sport braucht Übungsleiter und qualifizierte Trainer. Halten Sie den Ansatz dafür im Haushalt für ausreichend?

Wir können das Niveau der vergangenen Jahre fortschreiben. Das sind 2,4 Millionen Euro pro Jahr. Es fehlen 250 000 Euro für die Kinder- und Jugendförderung, die die rot-grün-rote Kooperation vor zwei Jahren zusätzlich eingestellt hatte. Das mahnt der Stadtsportbund völlig zurecht an. Auf der anderen Seite hätte ich mir mehr Rückenwind erwartet, als diese Beschlüsse damals als Klientelpolitik beschimpft worden sind.

Die Kultur hat zwei Großprojekte erhalten. Wäre jetzt nicht mal der Sport an der Reihe?

Vielleicht ist der Gegensatz in einzelnen Vorhaben gar nicht so groß, wie man meint. Es gibt Überlegungen für eine größere Halle mit 7500 bis 10 000 Zuschauern, die eine kulturelle und sportliche Mehrzwecknutzung hätte. Wir müssen auch sehen, dass wir mit dem Heinz-Steyer-Stadion die Chance haben, nicht nur eine der schönsten Sportanlagen mit den Schwerpunkten Leichtathletik, Fußball und American Football zu gestalten, sondern auch für nichtsportliche Nutzungen. Der Sportpark Ostra ist noch nicht fertig und birgt ein großes Potenzial. Das Sportzentrum in der Ginsterstraße ist konzipiert und im Haushalt angelegt, wenn auch nicht ausfinanziert. Die Margon-Arena benötigt kurzfristig ein dichtes Dach und mittelfristig attraktivere Bedingungen für die Zuschauer. Wir müssen uns über Prioritäten verständigen und nach Partnern und Finanzierungsmodellen suchen. Vorgelegt haben wir, was lange fehlte, nämlich eine Bestandsaufnahme des Investitionsstaus bei allen Sportanlagen. Jetzt müssen wir einen Weg in die Zukunft formulieren. Sport ist sehr nachgefragt, er führt Menschen zusammen, egal welcher sozialen und/oder ethnischen Herkunft sie sind.

Sollten Großprojekte wie das Dach in der Margon-Arena, das Trainingszentrum für Dynamo Dresden oder die Ginsterstraße zu Lasten des Sportetats gehen oder isoliert betrachtet werden?

Diese großen Vorhaben müssen oben drauf kommen. Wir haben im Haushalt eine verlässliche Förderung für die vielen Vereine vorgesehen. Wir sorgen da für eine Kontinuität. Die Großprojekte sind eine gesamtstädtische Aufgabe. Nicht umsonst ist die Ginsterstraße im Stadtentwicklungsetat verortet.

Warum will die Stadt dem Profiverein Dynamo Dresden vier Millionen Euro für das Trainingszentrum geben?

Dynamo gehört zu Dresden. Wir schaffen Infrastruktur für einen erfolgreichen Fußballverein. Das ist im ureigensten Interesse der Stadt. Was wir fördern, ist die Nachwuchsarbeit des Vereins und nicht der Profisport. Das Projekt ist längst überfällig. Die Verhältnisse im Großen Garten sind nicht akzeptabel. Wir haben eine sehr vernünftige Lösung gefunden, die jetzt Unterstützung verdient.

Wird für das Trainingszentrum ein vorhabenbezogener Bebauungsplan benötigt?

Das ist nicht erforderlich. Das Gelände war Jahrzehnte bebaut. Aber eine Genehmigung für das Vorhaben im Außenbereich zu erhalten, ist wahrlich kein Pappenstiel. Wir sind aber zuversichtlich, dass die Probleme gelöst werden können.

Was sagen Sie dem Ur-Dynamo Hans-Jürgen Dörner, wenn er sich über die katastrophalen Zustände auf dem Sportplatz Eibenstocker Straße beschwert?

Die Beschwerden sind verständlich. Aber zur Zeit beschäftigen wir uns damit, die längst überfällige Frage des Trainingszentrums zu lösen und das Dach der Margon-Arena dicht zu bekommen. Wir wollen auch mindestens einen Hartplatz pro Jahr in einen Kunstrasenplatz umwandeln. Leider wird dieser Weg konsequent erst seit meiner Amtszeit beschritten. Wir schaffen jetzt die planerischen Grundlagen, aber in diesem Doppelhaushalt kommt die Eibenstocker Straße nicht an die Reihe. Es sei denn, wir bekommen mehr Geld im Haushaltsbeschluss.

Wieviele Sporthallen sind in den vergangenen Jahren neu entstanden?

Vom Schulbauprogramm profitiert der Sport. Seit 2011 wurden 17 Sporthallen neu gebaut, bis 2019 kommen noch einmal sieben dazu. Darunter befinden sich große Vierfeld- und Dreifeldhallen. Die rege Nachfrage zeigt, dass das Angebot angenommen wird.

Müssen sich die Vereine auf höhere Nutzungsentgelte einstellen?

Wir werden eine maßvolle Entgelterhöhung in der Zukunft haben. Das wird keinen Verein in Existenznöte bringen, da die Kosten bis zu 92 Prozent gefördert werden. Wir müssen mit den Kostensteigerungen für Energie und Personal Schritt halten. Es handelt sich hier um tarifgebundenes Personal und dabei soll es auch bleiben!

Wäre es nicht sinnvoll, den Vereinen die Hallen kostenlos zur Verfügung zu stellen und im Gegenzug die Sportförderung zu kürzen?

Das geht schon deshalb nicht, weil die Förderung transparent sein muss. Wir müssen wissen, was für Kosten anfallen und was gefördert wird. Alles unterliegt gewissen Regelungen, wir sind zu Steuerehrlichkeit verpflichtet.

Wie entwickelt sich der Spitzensport in Dresden?

Es zeigt sich, dass wir vorangekommen sind. Der Spitzensport steht vor gravierenden Veränderungen, die Förderung wird auf Bundesebene neu geordnet. Die drei sächsischen Großstädte suchen das Gespräch mit dem Freistaat, um gemeinsam einen sächsischen Weg zu beschreiten und sich nicht wechselseitig Konkurrenz zu bereiten. Wir wollen gute Perspektiven für alle drei Städte. Mit dem Dresdner Stipendienprojekt zeigen wir, dass wir die Spitzensportlerinnen und Spitzensportler hier in unserer Stadt halten wollen. Das ist nur ein kleiner Beitrag, aber manchmal zählt die symbolische Geste, dass die Sportler nicht allein sind in dieser Stadt. Spitzensport hängt mit der kommunalen Infrastruktur zusammen, das sieht man zum Beispiel im Eishockey, bei dem die Nachwuchsarbeit des EHC Dresden bundesweit hoch gelobt wird. Da hat sich vieles positiv entwickelt.

Von Thomas Baumann-Hartwig

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Stadtpolitik
  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.