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Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann zur aktuellen Asyl-Situation

Im Interview: Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann zur aktuellen Asyl-Situation

Die Zahl der Asylbewerber nimmt rasant zu. Wie die Stadt die Menschen unterbringen und betreuen will, fragte die DNN Sozialbürgermeisterin Kris Kaufmann (Die Linke).

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Dresden. Die Zahl der Asylbewerber nimmt rasant zu. Wie die Stadt die Menschen unterbringen und betreuen will, fragte die DNN Sozialbürgermeisterin Kris Kaufmann (Die Linke).

Frage: Bis Jahresende kommen noch fast 2000 Flüchtlinge. Schaffen wir das?

Kris Kaufmann: Leicht wird es keinesfalls. Man wächst bekanntlich mit seinen Aufgaben. So wächst auch das Engagement der Bürgerschaft mit der Anzahl derer, die bei uns Zuflucht suchen. Das macht Mut und zeigt, dass wir es schaffen können.

Wie schafft es die Verwaltung, den Ansturm zu bewältigen?

Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter muss mit der wachsenden Zahl der Flüchtlinge Schritt halten. Momentan ist der Arbeitsdruck noch enorm. Auf die letzte Stellenausschreibung haben sich jedoch über 400 Interessenten gemeldet. Es gilt nunmehr, Bewerbungen zu sichten und rasch geeignetes Personal zuzuführen.

Wie viele Mitarbeiter brauchen Sie für die Betreuung von Asylbewerbern?

Eine Mitarbeiterin bzw. Mitarbeiter soll rund 150 Personen betreuen. Hier haben wir derzeit Nachholbedarf. Dazu kommen aktuell weiterhin 400 Asylbewerber pro Monat. Auch bei Beachtung der Rückführungen müssen wir dem mit durchschnittlich drei Neueinstellungen pro Monat begegnen.

Reichen die Räume für so viele Mitarbeiter überhaupt?

Im Sozialamt in der Junghansstraße haben wir die räumlichen Grenzen erreicht. Ursprünglich ausreichend dimensioniert, hält das Haus dieser Dynamik nicht stand. An Lösungen wird gearbeitet. Auch im Jugendamt und in der Ausländerbehörde auf der Theaterstraße reicht der Platz nicht mehr. Die Zuführung von Personal macht die Einrichtung weiterer Arbeitsplätze erforderlich.

Wie wollen Sie Tausende Asylbewerber menschenwürdig unterbringen?

Der Mangel an angemessenen Unterkünften bewegt mich sehr. Wir haben Bedarf an Standorten für Interimsunterkünfte sowie zur dauerhaften Unterbringung und ebenso an Wohnungen. Die ämterübergreifende Arbeitsgruppe Unterbringung arbeitet fieberhaft, um kommunale und die von privaten Eigentümern angebotenen Liegenschaften und Gebäude sowie Wohnungen auf ihre Eignung zu prüfen. Das Angebot an Wohnungen und Zimmern ist jedoch endlich. Kurzfristig führt an Containerstandorten damit kein Weg vorbei. Wir sollten zugleich stolz auf das bisher Erreichte sein: Zwei Drittel der Plätze stehen dezentral in Wohnungen bereit. Städtische Zelte waren bislang nicht erforderlich. Dass dies so bleibt, ist unser Anspruch. Gleichwohl ist dies eine Vorhersage über Dinge, deren Rahmenbedingungen andere auf Bundes- und Landesebene bestimmen.

Wie kommt Dresden schnell zu Wohnungen für Asylbewerber?

Das Wohnungsangebot muss für alle Dresdnerinnen und Dresdner nicht nur allein wegen der steigenden Zahlen schutzsuchender Menschen schnellstmöglich erweitert werden. In der Stadt gibt es Flächen für mehr als 30 000 Wohnungen und damit ausreichend Potenzial. Wohnungen, die wir heute planen, sind erst innerhalb von zwei Jahren am Markt. Bezüglich neuen kommunalen Wohnungseigentums stehen wir im Kontakt mit dem Freistaat und hoffen endlich auf schnelle Lösungen.

Ist angesichts der Vielzahl an Asylbewerbern überhaupt noch an soziale Betreuung oder Integration zu denken?

Ja. Wir müssen die soziale Betreuung sichern und bereits die Integration mitdenken. Der Freistaat finanziert einen Sozialarbeiter für 150 Flüchtlinge. Dresden hat den Schlüssel bereits auf 1:100 verbessert und vertraut auf die Expertise freier Träger. Mittlerweile gibt es 43 Sozialpädagogen, die Asylbewerber betreuen. Pro Woche wird aktuell ein neuer Mitarbeiter eingestellt. Das funktioniert schneller als in der Verwaltung.

Wie sollen die Asylbewerber in den Arbeitsmarkt integriert werden?

Arbeitsgelegenheiten werden weiterhin die Möglichkeit der Erprobung bieten. Der Umfang soll im nächsten Jahr auf 500 ausgebaut werden. Schon heute setzen wir auf eine verzahnte Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit  und dem Jobcenter. Das Jobcenter bietet in diesem Jahr 40 Deutschkurse an. Für 2016 sind 200 geplant. Dazu kommen Kurse, die von Unternehmen oder privaten Initiativen auf den Weg gebracht werden. So entstehen erste Kontakte.

Welche Rolle spielt bürgerschaftliches Engagement bei der Integration?

Die Vielzahl der Initiativen zeigt, dass Dresden ein anderes Gesicht hat, als es Montag für Montag suggeriert wird. Das ehrenamtliche Engagement kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Wie wollen Sie unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betreuen?

Faktisch über Nacht wurde die für den 1. Januar 2016 geplante Gesetzesänderung vorgezogen. Verlässliche Prognosen, wie viele Kinder und Jugendliche zu betreuen sind, blieb man uns schuldig. Ohne belastbare Zahlen musste ein Konzept zur Unterbringung und sozialpädagogischen Betreuung der zumeist 15- bis 17-Jährigen erarbeitet werden. Wir rechnen zunächst mit 400 Personen. Die Unterbringung ist aktuell gewährleistet. Viele junge Flüchtlinge sollen in kleinen Wohngruppen betreut werden. Daneben prüfen wir beispielsweise die ehemalige Kita in der Oskar-Seyffert-Straße auf ihre Eignung.

tbh

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