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Sozialbürgermeister will nach Bannewitz wechseln: Seidel kandidiert dort für den Bürgermeisterjob

Sozialbürgermeister will nach Bannewitz wechseln: Seidel kandidiert dort für den Bürgermeisterjob

Martin Seidel will nicht mehr Sozialbürgermeister in Dresden sein, sondern Bürgermeister von Bannewitz werden. Sollte er im Februar gewählt werden, würde er sein neues Amt im April antreten.

Die Vakanz im Geschäftsbereich Soziales müsste Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) bis zur Neuwahl der Dresdner Beigeordneten im September 2015 dann anderweitig überbrücken.

Der 38-jährige parteilose Seidel hat dem Vernehmen nach die Nase voll vom Parteien-Gezänk in Dresden, sieht angesichts der neuen linken Mehrheit im Stadtrat auch wenig Chancen für eine Wiederwahl in der Landeshauptstadt. Er will daher nach Bannewitz zurück, wo er 20 Jahre lang gelebt hatte und anderthalb Jahre lang auch Amtsverweser (eine Art Übergangs-Bürgermeister) war, bevor er 2008 nach Dresden wechselte. Im Gemeinderat Bannewitz dominiere die Sachpolitik statt politischer Grabenkämpfe, meint er, dort könne man noch etwas basisnah und rasch bewegen. "Eine spannende Herausforderung", sagte er gestern mit Blick auf seinen bevorstehenden Wahlkampf. "Ich freue mich schon darauf."

Unterstützer hat er bereits: Am Freitag hat sich die Wählervereinigung "Wir für Bannewitz" gegründet, um Seidel ins Amt zu bringen. Die Initiative besteht zwar derzeit nur aus vier Leuten, hat aber laut Sprecher Günter Hausmann 40 feste Zusagen von Bürgern, die Seidels Wahlkampf-Helfer sein möchten. "Außerdem haben wir eine Unterschriftensammlung mit der Frage gestartet, wer dafür ist, dass Herr Seidel in Bannewitz Bürgermeister wird", berichtet Hausmann. Die Sammlung hat zwar keine rechtliche Relevanz für die Wahl, soll die Kandidatur aber bekannt machen. Seidel muss rund hundert Unterstützer-Signaturen vorlegen, um als Kandidat zugelassen zu werden.

"Wir brauchen hier jemanden wie Seidel, der sich mit Verwaltungsdingen wirklich auskennt", meint Hausmann, der für die CDU im Bannewitzer Gemeinderat sitzt und mit dem parteilosen Amtsinhaber Christoph Fröse unzufrieden ist. In dessen Bürgermeisterzeit sei die Gemeinde finanziell in arge Schwierigkeiten geraten - Seidel könnte da mit seinen Erfahrungen der Retter sein.

"Als ich Bannewitz verlassen habe, waren die Kassen opulent gefüllt", sagt Seidel. "Jetzt hat die Gemeinde Probleme, Kredite zurückzuzahlen." Das liege zum Beispiel an zu hohen Personalkosten in der Verwaltung, vor allem aber an strategischer Konzeptionslosigkeit. Sollte er gewählt werden, wolle er zusammen mit den Bürgern ein langfristiges Konzept für die Zukunft der Gemeinde entwerfen. "Im Speckgürtel von Dresden hat Bannewitz gute Chancen, sich gut zu entwickeln."

Bannewitz hat rund 10 500 Einwohner, wächst durch Zuzug und Baby-Boom, gilt als beliebter Wohnbaustandort, steht allerdings dem Vernehmen nach am Rande einer Haushaltskrise. Der heutige Bürgermeister Fröse war zwar bereits im Februar 2006 gewählt worden, konnte aber wegen seiner Stasi-Vergangenheit sein Amt erst anderthalb rechtsstreitvolle Jahre später antreten - in dieser Zeit war Seidel Amtsverweser.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.09.2014

Heiko Weckbrodt

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