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Sachsens Ministerpräsident Tillich zu Gesprächen in Österreich

Sachsens Ministerpräsident Tillich zu Gesprächen in Österreich

Pölten (DNN). Wer bei einem Landhaus an ein repräsentatives und ehrwürdiges Gebäude denkt, wird in St. Pölten eines Besseren belehrt. Kalt und spröde wirkt der hochmoderne Komplex.

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Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich auf dem Festakt zum Sachsen-Abend in der Wiener Hofburg mit der Sächsischen Weinkoenigin, Franziska Spiegelberg (links), der Spitzenprinzessin Maria Nenner (Mitte) und dem Dresdner Stollenmädchen Lisa Strassberger.

Quelle: Ronald Bonss

Wien/S. Doch das Landhaus von St. Pölten, der Hauptstadt von Niederösterreich, ist der Sitz des Landtags - und der von Landeshauptmann Erwin Pröll. Er ist Zielpunkt der zweiten Etappe der Stippvisite von Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) in der Alpenrepublik.

Von Jürgen Kochinke

Hier, in der österreichischen Provinz, will Tillich nach den zwei Tagen in Wien die Kontakte zwischen Sachsen und Österreich weiter ausbauen, diesmal vor allem im Bereich Wissenschaft und Forschung. Entsprechend stehen Besuche von zwei Universitäten in dem 1,6 Millionen Einwohner zählenden Bundesland auf dem Programm. Doch erst mal trifft sich der Sachse mit dem ÖVP-Mann Pröll, und der liebt das offene Wort, wie man schnell erkennt. "Na, da hast du wohl heute den Rasierapparat vergessen", spricht Pröll zur Begrüßung einen österreichischen Kollegen mit üppigem Vollbart an. Doch ehe der zum Antworten kommt, legt der Landeshauptmann nach: "Fritz", so lautet der Name des Gemeinten, "dafür hast du aber immerhin den Kamm gefunden." Zur Erläuterung: Der Mann hat nahezu eine Vollglatze, übel scheint er Pröll die kleine Spitze aber nicht zu nehmen.

So geht es zu beim Landeshauptmann: direkt, auch schon mal etwas derb, aber nicht bösartig. Da ist es auch kein Wunder, dass sich der Österreicher mit Tillich duzt. Doch Pröll, da sollte man sich nicht täuschen lassen, gilt in der Alpenrepublik nicht nur als volksnah, er firmiert ebenso als graue Eminenz. Er sei allemal in der Lage, heißt es in St. Pölten, politische Karrieren zu befördern - oder zu beenden. Mit ihm will Tillich Kooperationsmöglichkeiten ausloten und erweitern. Denn beide Bundesländer, da sind sich der Sachse und der Niederösterreicher einig, verbindet vieles - die Herausforderungen durch die demografische Entwicklung zum Beispiel.

Während der Ton in St. Pölten etwas handfest wirkt, war die Stimmung zuvor in Wien eher gepflegt bis locker. Beim Lichtspezialisten Zumtobel zum Beispiel: Im edel beleuchteten sogenannten Lichtforum demonstrierte Christian Warum, Vertriebschef für Europa, den Gästen aus dem Sächsischen die Technik von morgen - LEDs vor allem. Diese Leuchten gehen äußerst sparsam um mit Energie und gelten deshalb als Wachstumsmarkt schlechthin. Und nicht nur das: Die Technik ist noch lang nicht ausgereizt; in Zukunft strahlen LED nicht mehr nur punktförmig wie schon heute, sondern in der Fläche - wie eine Kachel. OLED heißen sie dann, was Tillich schnell überzeugte. "Wir in Sachsen haben Interesse an einer Kooperation", sagte er. Schließlich sei nicht-aggressives Licht auf OLED-Basis auch in Schulen oder Universitäten an der Zeit.

Was das heißt, hat Zumtobel längst in Sachsen bewiesen - bei der Beleuchtung von Museen, der Königsdisziplin aller Lichtspezialisten. Das Grüne Gewölbe zum Beispiel hat die Firma ausgeleuchtet, das Residenzschloss ebenfalls und auch das Militärhistorische Museum. "Wärme ist der Tod für jedes historische Objekt", sagte der Zumtobel-Experte. "Wenn Sie Museumsbeleuchtung beherrschen, können Sie fast alles." Damit war der Termin abgehakt und der Tross zog weiter.

Das ist der Sinn der viertägigen Visite des Regierungschefs in Wien sowie den beiden nördlichen Bundesländern Nieder- und Oberösterreich: Tillich hat die parallel in Wien laufende Kontaktbörse von über 40 sächsischen Unternehmen zum Anlass genommen, selbst in die Alpenrepublik zu reisen. "Sachsen genießt einen hervorragenden Ruf in Österreich", sagt er am Rande, das gelte vor allem in den Bereichen Automobilindustrie und Maschinenbau. Und eben dies wolle er vertiefen. Dazu passt die Tatsache, dass in Österreichs Wirtshäusern und Pensionen bereits heute Arbeitskräfte aus Sachsen gern gesehen sind. Und überhaupt gehört die Alpenrepublik zu den wichtigsten Handelspartnern des Freistaats. Satte zwei Milliarden Euro betrug das Gesamtvolumen des Warenaustauschs im vergangenen Jahr.

Das war nicht nur Thema beim Autozulieferer Magna am Rande Wiens, es war auch Tenor beim Festakt samt Sachsen-Abend in der Wiener Hofburg. "In ganz Europa gibt es keine bilaterale Wirtschaftsverflechtung, die vergleichbar wäre mit der zwischen Sachsen und Österreich", sagte Dieter Hund, der Präsident der Deutschen Handelskammer in Österreich, am Dienstagabend. Und auch Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner betonte, die Partnerschaft mit Deutschland sei der Alpenrepublik äußerst wichtig. Und da der Festakt musikalisch umrahmt wurde, ließ es Tillich sich nicht nehmen, am Rande seiner Rede eine kleine Pointe zu platzieren: Auch die hohe Qualität sächsischer Orchester habe sich herumgesprochen - im Vatikan zum Beispiel. So habe sich kein Geringerer als der Heilige Vater persönlich zu seinem 85. Geburtstag im April ein Ständchen vom Gewandhaus-Orchester gewünscht. Und er, Tillich, werde die Musiker dorthin begleiten - selbstverständlich.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.11.2011

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