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SPD kritisiert Süderweiterung des TU-Dresden-Campus auf Kosten von Frischluftschneisen

SPD kritisiert Süderweiterung des TU-Dresden-Campus auf Kosten von Frischluftschneisen

Die Pläne der Stadt, den Campus der TU Dresden (TUD) südlich der Nöthnitzer Straße auch auf Kosten von Kaltluftentstehungsflächen zu erweitern, stoßen auf Kritik.

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Das Hinterland der Nöthnitzer Straße in Dresden-Räcknitz soll bebaut werden.

Quelle: Stefan Schramm

Der SPD-Ortsverein Dresden-Plauen sieht Änderungsbedarf bei den von der Verwaltung vorgeschlagenen Grenzen des Bebauungsplans. Dieser soll für den unteren Teil der Hangfläche zwischen Berg- und Passauer Straße aufgestellt werden und ist an diesem Dienstagabend Thema im Ortsbeirat Plauen.

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Auch Rehe leben dort.

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Die Sozialdemokraten schlagen vor, dass das Gebiet in östlicher Richtung hinter dem derzeit im Bau befindlichen Technikum endet und sich nicht, wie in der Planung vorgesehen, bis zur Bergstraße ausdehnt. Dort zieht sich ein bis auf ein Umspannwerk unbebauter Acker von der Kohlenstraße den gesamten Hang hinab. "Gerade die Bebauung der Kaltluftschneisen bzw. der Kaltluftentstehungsflächen kann unabsehbare Folgen für das Stadtklima haben. Eine Bebauung der Bergstraße kommt deshalb für uns überhaupt nicht in Frage", bekräftigt Albrecht Pallas, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Dresdner Stadtrat. Die Stadt entgegnet, die Kaltluftentstehungsfläche habe nur lokale Bedeutungen für die Wohnhäuser nördlich der Nöthnitzer Straße.

Plauener SPD: Kaltluftentstehungsfläche bedroht

Zwar verringere die Bebauung die Kaltluftbildung. Doch durch eine Höhenbegrenzung der geplanten Bauten und das Offenhalten ausreichend großer Durchflussräume zwischen ihnen will die Verwaltung erreichen, dass die Kaltluft weiterströmen kann. Sobald klar sei, wo die Gebäude stehen und wie groß sie sein sollen, werden die durch sie verursachten Beeinträchtigungen der Natur untersucht. Diese seien laut Baugesetzbuch auszugleichen, so die Stadt weiter. Wie und wo die Ausgleichsmaßnahmen in Angriff genommen werden, stehe derzeit allerdings noch nicht fest.

Statt der Bebauung der Nöthnitzer/Ecke Bergstraße schlagen die Sozialdemokraten eine Erweiterung des Plangebiets nach Süden oder die Nutzung anderer campusnaher Flächen vor, etwa am Nürnberger Platz oder an der Strehlener Straße. "Auch der Nürnberger Platz bietet interessante Erweiterungsmöglichkeiten, ist jedoch für einige Forschungseinrichtungen aufgrund der dort vorzufindenden Standortbedingungen nicht geeignet", heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Die südliche Grenze des jetzigen Plangebiets habe man in Höhe der Sportstätten an der Nöthnitzer Straße 60a ganz bewusst an der dort verlaufenden Waldgrenze orientiert und in Richtung Westen auf dieser Linie weitergeführt, um die Bebauungstiefe von der Nöthnitzer Straße zu beschränken und so den Erschließungsaufwand zu minimieren.

Stadt: Kleingartenanlage ist kein potenzielles Bauland

Zudem fordert die Plauener SPD, dass das östlich der Passauer Straße gelegene Gelände der Kleingartenanlage Grabeland e. V. außerhalb des Plangebiets liegen sollte. Auf diese Weise solle der Erhalt der Anlage gesichert werden. Frank Schmöhl vom Vorstand der Gartensparte ist besorgt. "Wir wollen natürlich gern bestehen bleiben. Deshalb sind wir bei der Sitzung des Ortsbeirats mit dabei und tragen unsere Sicht auf die Dinge vor", kündigt Schmöhl an. Die Kleingartenanlage hat 74 Pächter. "Die wollen natürlich wissen, wie es weitergeht und ob es sich lohnt, dass sie ihre Gartenlaube noch mal renovieren", so Schmöhl weiter. Oder ob künftig Bagger den Grabeland e. V. zu ihrem Grabeland umfunktionieren. "Unsere Mitglieder befürchten, dass die Investoren ohnehin machen, was sie wollen", berichtet Schmöhl.

So ähnlich jedenfalls sei es zuletzt 2012 beim Neubau eines Gästehauses des an der Nöthnitzer Straße ansässigen Max-Planck-Institutes gelaufen. Es entstand hinter den drei bereits bestehenden Gästehäusern an der Passauer Straße. "Vorher befand sich dort ein Garagenhof, der dem Neubau komplett weichen musste. Dabei hätte mindestens die Hälfte der Garagen stehen bleiben können, aber das war offenbar nicht gewollt", ärgert sich Frank Schmöhl. Nördlich an die Gärten grenzt die Kindertagesstätte "Zwergenland" an, die 2009 durch mobile Raumeinheiten um 70 Plätze erweitert worden war. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass man das jetzt wieder abreißt", sagt Schmöhl.

Die Stadtverwaltung bemüht sich, Schmöhl die Sorgen zu nehmen. Der Geltungsbereich eines Bebauungsplans sei nicht gleichzusetzen mit potenziellen Bauflächen, sondern es gehören unter anderem auch Verkehrs-, Versorgungs- und Grünflächen dazu. Nach Angaben der Stadt hätten die Planer für sinnvoll befunden, "einen größeren Bereich in das zu überplanende Gebiet einzubeziehen, um neben Bauflächen auch eine entsprechende Einbindung des Standortes in die umgebenden Freiflächen planen zu können." Dies solle eine hohe Aufenthaltsqualität beispielsweise für Anwohner, Kleingärtner und Studenten sichern helfen. Weitere Schwerpunkte seien auch die Ausweisung eines Standorts für die Kita und das Einrichten sinnvoller Wegeverbindungen.

Intransparentes Verfahren in der Kritik

"Die SPD kritisiert außerdem die Stadtverwaltung für das intransparente Verfahren bei dem geplanten Bebauungsplan", heißt es in einer Mitteilung der Genossen. Erst vier Tage vor der letzten Ortsbeiratssitzung Ende Februar habe die Stadt unter Missachtung von Einladungsfristen die Vorlage den Beiräten übermittelt. Eine gründliche Prüfung des Papiers sei ihnen dadurch nicht möglich gewesen, so dass sie die Vorlage um sechs Wochen vertagten. "Ich habe den Eindruck, dass die Verwaltung das Ganze am liebsten im stollen Kämmerlein ohne Öffentlichkeit durchziehen will", so Pallas. Über die Motive könne er jedoch nur spekulieren.

Gartenvorstand Frank Schmöhl mutmaßt, dass voneinander abweichende Interessen zwischen den städtischen Planern und dem Freistaat mit seiner Exzellenzuni ein Grund für die Undurchsichtigkeit des Verfahrens sind. "Das Traurige ist, dass wir Ende März aus der Tageszeitung von den Planungen erfahren haben und nicht von Anfang an eingebunden waren", bemängelt Schmöhl. Die Plauener SPD hält eine räumliche Ausdehnung der TU Dresden nicht zuletzt wegen des Exzellenzstatus für nachvollziehbar. "Diese Entwicklung muss aber in gesamtstädtischen Interessen stehen", fordert Albrecht Pallas. "Dazu zählen u. a. stadtplanerische Erfordernisse, ökologische und verkehrliche Auswirkungen sowie Folgen für Anwohner", so Pallas weiter.

Die Stadt möchte das 23 Hektar große Hangareal zwischen Berg- und Passauer Straße zu einem Technologie-Campus für die TUD und außeruniversitäre Forschungs- und Bildungseinrichtungen entwickeln. Auf einigen Grundstücken wird bereits gebaut. So entsteht derzeit hinter dem Gebäude der Informatik-Fakultät das Medizinische Rechenzentrum, ein Hochleistungsrechner für die Uniklinik. Zudem ist seit 2011 östlich des Mierdel-Baus an der Nöthnitzer Straße 48 ein Technikum im Bau. Allerdings sind diese Campuserweiterungen bislang nur auf kleinen Teilflächen möglich, deren Bebauung der gültige Flächennutzungsplan zulässt. Der Rest ist noch nicht als Sonderbaufläche ausgewiesen, sondern als Parkanlagen sowie Kleingärten, auch zwei ungenutzte Sportplätze liegen dort. Deshalb soll ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Der Ortsbeirat Plauen wird am Dienstagabend darüber diskutieren und ein beratendes Votum für den Stadtrat abgeben, bevor das Thema dann in den Ausschüssen behandelt und beschlossen wird.

Stefan Schramm

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