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SLpB-Debatte in Dresden: Pegida-Anhänger und Kritiker im Dialog

SLpB-Debatte in Dresden: Pegida-Anhänger und Kritiker im Dialog

Die Dresdner Gesellschaft kränkelt und ist gespalten – und Frank Richter ist ihr Therapeut. „Ich habe das Gefühl, dass sehr viele Emotionen im Raum sind", sagte der Leiter der sächsischen Landeszentrale für Politische Bildung und „Gruppe 20"-Mitbegründer zur Begrüßung der etwa 150 Gäste.

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Frank Richter, Leiter der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung (Archiv)

Quelle: Dominik Brüggemann

Pegida-Anhänger und -Gegner hatten sich am Dienstagabend unter seinem Dach in der Dresdner Schützenhofstraße versammelt.

Die Organisatoren der Montagsdemos waren nicht anwesend. Wie es sich für eine ordentliche Gruppentherapie gehört, zog der mittlerweile hauptberufliche Versöhner eine Technik aus der Sozialpädagogik heran, um die Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen – die „Fishbowl"-Methode. Dabei sitzen vier Personen in einem Innenkreis und dürfen ihre Positionen hervorbringen – ohne unterbrochen oder berichtigt zu werden. Redet einer zu lang, tritt ein anderer Teilnehmer aus der Menge heraus und nimmt seinen Platz ein. Diese Herangehensweise hat bereits in vielen sächsischen Gemeinden funktioniert. Nun sollen so die verhärteten Fronten in Dresden aufgeweicht werden.

Prof. Patzelt rät von pauschalen Verurteilungen ab

Doch zunächst schuf Politikwissenschaftler Werner Patzelt Waffengleichheit und teilte, teils polemisch, gegen alle Akteure und Gruppierungen aus – inklusive der anwesenden Pressevertreter. Die Kernthesen seiner Rede: Pauschale Verurteilungen brächten niemanden weiter. Rechts der Mitte gebe es ein Repräsentationsloch. Nun sei es eine Aufgabe aller, diesen Leuten zuzuhören – sie ernst zu nehmen –, oder alternativ, dem rechten Rand zu überlassen. Ernst nahm man sich. Hämisches Lachen, respektlose Unterbrechungen und Beleidigungen blieben aus.

„Sind wir denn Feinde? Ich fühle mich von der Politik verlassen", sagte ein älterer Herr aus der 170-Seelen-Gemeinde Perba bei Meißen. 50 alleinstehende Nordafrikaner würden dem Dorf durch das Landratsamt aufgedrückt. Alle sollen in einen Plattenbau. „Die Anwohner haben sich bereit erklärt, drei Flüchtlingsfamilien mit jeweils fünf Personen aufzunehmen. Trotzdem werden wir als Nazis diffamiert", erregte sich der Mann im breiten sächsischen Dialekt.

Sein Gegenüber, der angab, nicht auf die Pegida-Demos zu gehen, pflichtete ihm bei. „Wir können es uns nicht leisten, diese Leute auszuschließen. Ich fühle mich an die DDR erinnert. Da gab es auch Vordenker, die bestimmt haben, was gut und böse ist." Stimmen, die sich gegen die teils rassistischen Aussagen, die beim Pegida-Protest hervorgebracht werden, wandten, gab es nur vereinzelt. Es kritisierte niemand, dass jeden Montag auch viele, teils bekannte, Rechtsextreme, durch Dresden laufen. In Am Sayad Mahmood vom Ausländerrat fragte nach der tatsächlichen Relevanz des Islam in Sachsen. Eine Bürgerin kritisierte die chauvinistische Ausrichtung der Pegida-Bewegung. Um das Thema Islamismus und Asyl wurde aber ein großer Bogen gemacht – sonst wäre der Abend vielleicht anders verlaufen.

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Dialog-Veranstaltung am Straßburger Platz und Soli-Kundgebung vor der Centrum-Galerie

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Neujahrsputz-Demozug auf dem Weg zur Cockerwiese.

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Dafür zeigte sich einmal mehr, dass die Asylproblematik als Katalysator für den Vertrauensverlust der Menschen in die politische Klasse und die Medien herhalten muss. Die Menschen fühlen sich übergangen. Roland Dantz (parteilos), Oberbürgermeister von Kamenz, beklagte sich darüber, dass die Pegida-Demos zunächst in einigen Medien totgeschwiegen wurde.

"Lügenpresse" in der Kritik

Der Dresdner Kommunalpolitiker Lars Kluger (CDU) forderte von der Politik die Aussage „Wir haben Verstanden!" und von der Presse den Satz „Wir haben falsch geschrieben!" ein. Am Ende wurde Oliver Reinhard von der Sächsischen Zeitung, als Vertreter der „Lügenpresse", in die Mitte gebeten: „Es gibt unterschiedliche Journalisten mit unterschiedlichen Ansichten", stellte er klar und fügte hinzu: „Wir sitzen sicher nicht am Montag zusammen und überlegen uns, wie wir gegen Pegida hetzen." „Es sind noch viele Fragen im Raum", lautete das Fazit von Landeszentralen-Leiter Richter, der nun jeden ersten Dienstag im Monat einlädt zur Debatte. Zu Beginn ging es darum, sich erst einmal die Hände zu reichen. Aber auf Dauer wird es in der Diskussion nicht funktionieren, die Ressentiments der Bevölkerung gegen Ausländer zu umschiffen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 8. Januar 2014.

Hauke Heuer

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