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Runder Tisch gegen das Ohrenbluten - Grüne fordern Gesprächstermin mit Straßenmusikern

Runder Tisch gegen das Ohrenbluten - Grüne fordern Gesprächstermin mit Straßenmusikern

Straßenmusik kann schön sein. So, dass Menschen lächelnd, mal staunend stehen bleiben, andächtig zuhören, sich im Takt wiegen, mitklatschen oder sogar anfangen zu tanzen.

Straßenkunst sorgt für das, was allgemein als "Flair" bezeichnet wird. Doch sie kann auch unendlich nerven, ja zur Verzweiflung treiben.

"Ich habe gestern bei einer Stadtrundfahrt teilgenommen. Leider konnte ich von Beginn an nichts von den Erläuterungen des Gästeführers verstehen, da wir von allen Seiten bespielt wurden. Schlimm war das Bläsertrio direkt am Fürstenzug. Trotz mehrmaligen Bittens und mehrerer Gästegruppen wurde weiter gespielt", beschwerte sich ein Dresden-Besucher bei der Stadt.

"Unsere Mitarbeiter fühlen sich durch die Straßenmusiker belästigt. Die Arbeitsräume liegen komplett zur Straße, dass jeder Beitrag der Straßenmusiker gehört wird. Wir bitten dringend um eine Regelung, die dann auch Kontrollen zulassen wird", heißt es in einem anderen Schreiben an die Verwaltung.

"Leider ist der größte Teil nur aufs Geld aus. Die üben wenige Lieder ein und spielen das dann stundenlang ab. Manchmal überlagert sich das auf der Schloßstraße oder auf der Prager Straße als besonders aufdringlicher Klangmüll", formuliert ein Dritter. "Ich krieg gleich Ohrenbluten", kommentierte kürzlich ein Mittzwanziger auf der Prager Straße das Gitarrenspiel eines etwa Gleichaltrigen, der mit zwei Akkorden und vier immer wiederkehrenden Drei-Wort-Sätzen im Sprechgesang ein "Konzert" gab.

"Seit Jahresbeginn sind mehr als 100 Beschwerden beim Straßen- und Tiefbauamt oder Ordnungsamt eingegangen. Fast täglich erreichen uns weitere Beschwerden von Anliegern und Gewerbetreibenden, die sich durch eine teilweise stundenlange lautstarke Bespielung durch Straßenmusiker nachhaltig gestört fühlen. Wir haben sie von Anwohnern und Gewerbetreibenden, bis hin zu den Staatlichen Kunstsammlungen und dem Oberlandesgericht erhalten", so Stadtsprecher Kai Schulz auf DNN-Anfrage.

"Anwohner fühlen sich gestört, wenn sie trotz geschlossener Fenster eine über Zimmerlautstärke hinausgehende Beschallung über mehrere Stunden hinnehmen müssen. Hotel- und Ladeninhaber sehen ihren Geschäftsbetrieb gefährdet, wenn sich Gäste beschweren oder sie die Türen zu ihren Läden nicht offenhalten können, da wegen der anhaltenden Beschallung Verkaufshandlungen nicht mehr möglich sind. In den Büros ist - auch unter Berücksichtigung der Besonderheiten eines Stadtzentrums - ein vernünftiges Arbeiten wegen stundenlangen, wiederholenden 'Musizierens' der selben, längstens ein bis zwei Minuten andauernden 'Tonfolge' nicht möglich", nennt Schulz die Probleme. Denn in den vergangenen Jahren sei die Zahl der Straßenkünstler stetig gestiegen. Dazu gebe es zwar keine statistischen Erhebungen, aber das sei auch die Beobachtung vieler Akteure. "Ein Grund ist die gestiegene Attraktivität der Innenstadt, die steigende Zahl der Touristen und die damit verbundene Chance für Straßenkünstler, höhere Einnahmen zu erzielen."

Das sei erfreulich. "Allerdings muss die Stadtverwaltung auch die negative Seite im Blick haben. Aufgabe der Verwaltung ist es jetzt, einen Weg zu finden, dass zwischen beiden Seiten ein Ausgleich geschaffen wird. Im Moment sind die 'Betroffenen' eindeutig in einer schlechteren Position, da sie sich gegen die 'Beschallung' in keiner Weise wehren können", so Schulz.

Deshalb habe die Stadt eine Übergangsregelung erlassen, die ab 1. August in Kraft tritt und Auftritte von Straßenmusikern u.a. Künstlern stark reglementiert. Denn "die vorherigen Regelungen waren zu schwach und seit etwa einem Jahr gab es keine Regelungen mehr". Das sorgt nun bei den Straßenkünstlern für Zündstoff (DNN berichteten), obwohl die Stadtverwaltung beteuert, dass die Regelung "nicht in Stein gemeißelt" sei, sondern "angepasst werde - auch in Rücksprache mit den Künstlern selbst".

Für Christiane Filius-Jehne, Fraktionsvorsitzende bei den Grünen und Sprecherin für Kulturpolitik, ist die Aktion trotzdem kritikwürdig. Denn die Stadtverwaltung habe, "entgegen der Vereinbarung im Kulturausschuss, sozusagen über Nacht," gehandelt. "Vereinbart war im Kulturausschuss, dass die Satzung unter Einbeziehung der Musiker und der Regelungen anderer Städte bis Ende Oktober überarbeitet würde. Vorher würde sie es nicht schaffen, war die Aussage der Verwaltung. Warum man jetzt als Zwischenlösung nicht die alten Bestimmungen hergenommen und dann auch kontrolliert hat, muss die Stadtverwaltung beantworten."

In einer Anfrage an die Stadtverwaltung möchte Filius-Jehne auch wissen, ob denn mittlerweile Vertreter der Straßenmusiker, wie im Kulturausschuss Anfang Juni verabredet, an den Tisch des Straßen- und Tiefbauamtes eingeladen wurden. Und wenn nicht, wann zu welchem Termin eingeladen wird.

Die Straßenkünstler konnten unterdessen schon 1707 Unterschriften (Stand gestern) unter ihrer Petition verzeichnen, in der sie Mitwirkung bei einer Straßenmusik-Regelung fordern. Und "da die Stadtverwaltung den Dialog im Moment offensichtlich nicht für notwendig hält", wie es in einer offiziellen Mitteilung heißt, wollen sie nun ihrerseits handeln, die eigene Gilde nach ihrer Meinung befragen und auch den Kontakt zu den Geschäftstreibenden suchen, um "eine ausgewogene Regelung zu erarbeiten."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.07.2014

Steinbach, Catrin

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