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"Rückgrat ist der Mittelstand, dieser ist stark und wächst"

Dirk Hilbert im Interview "Rückgrat ist der Mittelstand, dieser ist stark und wächst"

In den letzten Wochen scheinen sich die schlechten Nachrichten aus Dresdens Wirtschaft zu häufen. Die DNN befragten Oberbürgermeister Dirk Hilbert per E-Mail nach seiner Einschätzung der Situation und was er unternimmt.

Lässt sich von schlechten Nachrichten nicht entmutigen: Dirk Hilbert glaubt an die Stärke der Dresdner Wirtschaft.

Quelle: dpa

Dresden. In den letzten Wochen scheinen sich die schlechten Nachrichten aus Dresdens Wirtschaft zu häufen. Die DNN befragten Oberbürgermeister Dirk Hilbert per E-Mail nach seiner Einschätzung der Situation und was er unternimmt.

Stellenabbau bei Globalfoundries, Pleite von Cooolcase - die aktuellen Meldungen aus der Dresdner Industrie klingen bedenklich wie lange nicht mehr. Wie bewerten Sie das?

Ich sehe trotzdem eine positive Dynamik. Es werden neue Arbeitsplätze entstehen. Klar ist, die Mikroelektronik-Branche steckt in einer nie dagewesene Umbruch- und Konsolidierungsphase. Global Player wie Globalfoundries werden natürlich stark von Entwicklungen auf dem Weltmarkt beeinflusst. Das Rückgrat der Dresdner Wirtschaft ist jedoch der Mittelstand, dieser ist stark und wächst. Unternehmen wie Xenon oder die IBH IT-Service GmbH, die aktuell erweitern, oder Saxoprint stehen hier nur exemplarisch für die gute Entwicklung. Ein Fall wie CooolCase, wenn plötzlich der größte Auftraggeber wegfällt, ist natürlich schwierig. Aber ich bin optimistisch, dass der Sanierungsplan aufgeht.

Dresdens Wirtschaft hat in den letzten Jahren immer mehr an Glanz verloren, 2014 ist Dresden bei der Steuerkraft hinter Leipzig und Chemnitz zurückgefallen. Wie hat sich das in diesem Jahr entwickelt?

Dresdens Wirtschaft hat an Glanz verloren? Das sehe ich anders. Nur ein Beispiel: Nirgendwo sonst konzentrieren sich alle sechs EU-Schlüsseltechnologien in einer einzigen Region. Wir gehören zu den innovativsten Hochtechnologie-Regionen weltweit. Die ansässigen Unternehmen und Forschungseinrichtungen arbeiten an den Produkten und Lösungen der Zukunft. Die Gründe, warum Leipzig und Chemnitz derart aufgeholt haben, sind sehr unterschiedlich. Aber gerade für Chemnitz freue ich mich sehr, denn das stärkt unsere Region insgesamt.

Welche Auswirkungen wird das auf den Arbeitsmarkt haben?

Ich sehe auch weiterhin eine positive Entwicklung am Arbeitsmarkt. Dresden hat mit seinen vielen attraktiven Unternehmen und Wissenschaftsinstitutionen eine große Anziehungskraft. Die Arbeitslosenquote ist mit 7,6 Prozent (September 2015) so niedrig wie nie.

Was unternehmen Sie, um dem Trend entgegenzuwirken?

Wir betreiben eine zielgerichtete technologie- und branchenorientierte Wirtschaftsförderung. Ein wichtiges Thema ist die Unterstützung der in- und ausländischen Unternehmen bei ihren Investitionsprojekten und Ansiedlungen. Der Fokus liegt hier stark auf der Entwicklung und Erschließung bedarfsgerechter Gewerbeflächen. Das forcieren wir weiter und entwickeln im Dresdner Norden aber auch in zentrumsnahe kommunale Flächen.

Wo sehen Sie die positiven Zeichen in der Dresdner Wirtschaft?

Die sächsischen Zukunftsbranchen legen insgesamt kräftig zu. Die Softwarebranche ist in den letzten beiden Jahren besonders dynamisch gewachsen. Hier spielt Dresden eine wichtige Rolle. Wir sind einer der größten Softwarestandorte: etwa die Hälfte der sächsischen IT-Arbeitsplätze befindet sich in Dresden. Aufgrund der geballten Konzentration von Unternehmen und Forschungsinstitutionen verfügen Dresdner IT-Firmen über exzellente Kompetenzen und eine gute Ausgangslage, den Weltmarkt mit Lösungen für Industrie 4.0, Cybersecurity und Internet of Things zu versorgen. Diese Chance müssen und wollen wir nutzen. Ein Beispiel ist u. a. die im letzten Monat erfolgte und von Stadt und Land begleitete Neugründung des IT-Unternehmens CommSolid GmbH. Hervorgegangen aus der Intel Mobile Communications Technology Dresden GmbH vereint das Unternehmen 20 Jahre Entwicklungs-Knowhow, wird ab Januar 2016 an den neuesten Technologien arbeiten und 45 bis 60 Arbeitsplätze schaffen.

Was können Sie jetzt anders machen als zu ihrer Zeit als Wirtschaftsbürgermeister?

Entscheidend für mich ist, dass wir mit Dr. Franke jetzt nach langer Zeit wieder einen Amtsleiter in der Wirtschaftsförderung haben, der die verschiedenen Themenfelder konsequent bearbeiten kann. Wir arbeiten eng zusammen und stehen in ständiger Kommunikation. Ich unterstütze dort, wo meine Hilfe gebraucht wird. Besonders positiv ist es, dass ich die Wirtschaftsförderung jetzt bei Themen einbeziehen kann, die an meinem Tisch als OB laufen, die vorher nicht so im Fokus waren. Das gilt zum Beispiel für das Thema Asyl.

Erwarten Sie in der nächsten Zeit größere Unternehmensentscheidungen zu Gunsten von Dresden, Ansiedlungen oder den Ausbau von Standorten beispielsweise?

Nach wie vor bekommen wir Anfragen von Unternehmen, die gezielt nach Dresden wollen, weil sie die Nähe zu den exzellenten Wissenschaftseinrichtungen in unserer Stadt suchen. Und es sind auch weitere Ausgründungen aus den anwendungsorientierten Instituten, bspw. bei Fraunhofer, in der Pipeline.

Ingolf Pleil

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