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Putin-Freund aus Dresdner Zeiten auf US-Sanktionsliste gegen Russland

Putin-Freund aus Dresdner Zeiten auf US-Sanktionsliste gegen Russland

Die Frau im Hauseingang der Radeberger Straße 101 in Dresden will gar nichts sagen. Sie ist wütend. "Ständig klingeln hier die Touristen, das ist eine Frechheit", blafft sie die Journalistin an.

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Russlands Präsident Wladimir Putin und Sergej Tschemesow (weinroter Schlips) im Sommer 2009 auf der Luft- und Raumfahrtmesse MAKS nahe Moskau. In den 1980er Jahren waren beide als KGB-Offiziere in Dresden Nachbarn.

Quelle: dpa

Deren Nachsatz "Ich bin gar nicht wegen Putin hier, sondern wegen eines anderen Russen", hilft auch nicht viel.

Seit bekannt wurde, wo der heutige russische Präsident während seiner Dresdner KGB-Zeit wohnte, ist der gewöhnliche gelb-graue Plattenbau am Rande des Jägerparks zu einem Teil von Touristenfolklore geworden. Wie die Kneipe in der Neustadt auch, wo Putin sein Bier getrunken hat. Aber von Putins Dresdner Jahren ist mehr als das geblieben. Denn eine alte KGB-Freundschaft, geschlossen in diesem Plattenbau auf der Radeberger Straße, hält noch immer. Nur treffen sich die beiden jetzt auf einer anderen Bühne, gelegentlich auch auf der politischen Weltbühne. Wie in den zwei Jahren bei der Diskussion um Waffenlieferungen an Syrien. Und jetzt treffen sie sich in der internationalen Presse wieder. Denn Sergej Tschemesow ist einer derer, die auf der aktuellen US-Sanktionsliste gegen russisches Führungspersonal stehen.

Tschemesow, Oberstleutnant des KGB a.D., lebte in den 1980er Jahren Tür an Tür mit Wladimir Putin. "Wir wohnten in einem Haus und sprachen beide über die Arbeit und andere Dinge, wie es eben Nachbarn tun", sagte Tschemesow einmal. Diese Dresdner Nachbarschaft hat ihm zu einem steilen Aufstieg verholfen. Als Waldimir Putin 2008 einen "Präsidentenstatthalter" brauchte, den er dann in Medwedew fand, war für den Posten auch Tschemesow im Gespräch. Heute ist der 61jährige Chef der staatlichen Superholding Rostechnologij, die 440 Betriebe kontrolliert, davon 340 in der Rüstungsindustrie, wie Panzer- und Raketenfabriken sowie Flugzeughersteller. Und als oberster russischer Waffenproduzent wird er mitunter auch deutlich. Es war Tschemesow, der 2012 erstmals zu-gab, dass Russland Syrien auch weiter mit Waffen beliefere. Das arabische Land sei ein wichtiger Markt für Kriegsgerät, sagte er. Und auch: "Das ist eben ein Geschäft".

In Dresden wurde Tschemesow der Freund Putins, in Moskau sein "Mann fürs Heikle", der "Mann im Schatten", mancher Kommentator hält ihn für den zweitwichtigsten Mann im Kreml. Auch in Dresden suchte der heutige Waffenproduzent den Schatten noch mehr als damals sein Nachbar. Denn offiziell firmierte er 1983 bis 1988 als Leiter des Lutsch-Büros an der Elbe. Was als Forschungseinrichtung getarnt wurde, war in Wahrheit nichts anderes als ein zweiter Arm des KGB.

Im Frühjahr 1992 informierte das Bundesamt für Verfassungsschutz über eine geheime KGB-Struktur in Deutschland, die neben der bekannten existierte. Die Gruppe Lutsch (russisch für Strahl) sei ein völlig abgeschotteter Bereich gewesen, der keinerlei Kontakte zum DDR-Ministerium für Staatssicherheit gehabt habe. Selbst innerhalb des KGB war die Gruppe einer besonderen Geheimhaltung unterworfen. "Seit Mitte der 1980er Jahre hatte Lutsch den Auftrag, Bürger der ehemaligen DDR in Leitungsfunktionen von Wissenschaft, Technik und Politik zur Zusammenarbeit mit dem KGB zu verpflichten, um auf diese Weise gesellschaftlich relevante Prozesse beeinflussen zu können", heißt es in der Einschätzung des Verfassungsschutzes.

Dass auch Putin involviert war in die Tätigkeit von "Lutsch" wird vermutet. Zumindest vergaß er seinen alten Freund Tschemesow nicht und nahm ihn mit auf dem Weg nach oben. Zunächst machte er ihn 1996 zu seinem Stellvertreter im Amt für ausländische Wirtschaftsbeziehung. Dann wurde Tschemesow Chef des staatlichen Rüstungsexporteurs Rosoboron. Bis er 2007 zum Chef der Staatsholding Rostec ernannt wurde.

Jüngst sah man die einstigen Nachbarn auf einem Foto Seit an Seit, als sie in einer Waffenfabrik in Ischewsk Kalaschnikows begutachteten. Eine gewisse Kontinuität kann man der Beziehung der beiden tatsächlich nicht absprechen.

Als im vergangenen Jahr das Forbes-Magazin eine Liste der 25 russischen Offiziellen mit dem höchsten Einkommen veröffentlichte, war auch Tschemesow dabei. Laut Steuererklärung hatte er in den drei Jahren 2009 bis 2011 insgesamt 30 Millionen Dollar verdient. Da sag noch einer, aus einem Plattenbau könne man es nicht weit bringen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.04.2014

Heidrun Hannusch

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