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Projektgruppen starten Reform der städtischen Krankenhäuser in Dresden

Projektgruppen starten Reform der städtischen Krankenhäuser in Dresden

Die millionenschweren Verluste der Städtischen Krankenhäuser hielten die Dresdner lange Zeit in Atem. In einem überregional beachteten Bürgerentscheid sprachen sie sich für die Beibehaltung der Krankenhäuser als Eigenbetriebe aus.

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Jürgen Richter

Neuer und kommissarischer Verwaltungsdirektor ist Jürgen Richter. Die DNN sprachen mit dem Bankkaufmann und Wirtschaftsmathematiker, wie er die Reform der Krankenhäuser voran bringen will.

Herr Richter, Sie sind jetzt fast zwei Monate im Amt und konnten sich ein erstes Bild machen: Wie marode sind die Städtischen Krankenhäuser wirklich?

Von einem maroden Zustand ist nie die Rede gewesen. Die Krankenhäuser sind kein harter Sanierungsfall. Zu diesem Ergebnis ist das damals angefertigte Gutachten gekommen, diese Einschätzung habe ich hier auch bestätigt gefunden. Die Häuser haben enormes Potenzial. Doch viele Dinge sind verkrustet, weil die Krankenhäuser teilweise nicht zusammengearbeitet haben. Jetzt gibt es mehr Freiheit im Denken. Es erscheint sehr machbar, die wirtschaftliche Situation der Häuser zu stabilisieren.

Droht ab 2015 - wie im Gutachten angekündigt - wirklich ein Verlust der Liquidität?

Das ist kein Szenario. Wenn wir gar nichts tun, würde die Insolvenz drohen. Doch es steht nicht zur Debatte, dass es so weit kommt. Wir werden die Vorschläge des Gutachtens aufgreifen und die notwendigen Reformen einleiten. Die Veränderungsgeschwindigkeit wird sich in den nächsten Monaten erhöhen.

Wie sieht Ihr Plan aus?

In vier Projektgruppen werden Ressourcen und Potenziale geprüft und die entsprechenden Konsequenzen gezogen. Ab heute beginnen die Projektleiter zusammen mit den jeweiligen Chef- und Oberärzten, den Pflegekräften sowie den Mitarbeitern aus dem nichtmedizinischen Bereich ihre Arbeit.

Mit vier Projektgruppen zu positiven Zahlen: Was untersuchen diese Gruppen denn genau?

Die erste Projektgruppe beschäftigt sich mit den nichtmedizinischen Strukturen, beispielsweise mit der Senkung von Energiekosten oder auch mit Optimierungen im Einkauf und der zentralen Sterilisation. Eine zweite Gruppe analysiert das Potenzial der medizinischen Dienstleistungen, zum Beispiel im Labor und in der Physiotherapie. Besonders bezüglich der Labore hat es heftige Meinungen gegeben, weil ihnen das Gutachten hohe Defizite bescheinigte. Diese Aussage werden wir auf eine gesunde Basis stellen. Es wird Veränderungen in den Laboren geben. Wie diese allerdings aussehen, ist in der Projektgruppe zu erarbeiten. Eine spezielle Beratungsfirma wird uns hier unterstützen und Aufschluss liefern.

Verändert sich das medizinische Angebot?

Das untersucht eine dritte Projektgruppe. Sie beschäftigt sich mit den medizinischen Prozessen und Strukturen. Dabei werden beide Gutachten - von dem Institut für betriebswirtschaftliche und arbeitsorientierte Beratung (BAB) und vom Deutschen Krankenhausinstitut - berücksichtigt. Sie zeigen jedoch, dass wir mit der Mitarbeiterzahl weniger Leistungen erbringen als der Bundesdurchschnitt. Wir wollen nicht pauschal durchgehen und kürzen. Deswegen erarbeiten wir Lösungen in jeder Abteilung und führen intensive Gespräche.

Wird es Kündigungen geben?

Nein, auf keinen Fall. Kündigungen sind das letzte Mittel vor einer Insolvenz, sie kommen für uns nicht in Frage. Auch wenn wir an manchen Stellen das Personal reduzieren müssen, kommen wir ohne Kündigungen aus.

Sie wollen Personal reduzieren aber nicht kündigen. Wie soll das gelingen?

Das Personal unterliegt einer stetigen Fluktuation. Wir werden freigewordene Stellen nicht mehr besetzen. Zudem greifen wir bei der Ausweitung der Leistungen auf vorhandenes Personal zurück.

Sie wollen also mit dem gleichen Personal mehr Leistungen erbringen?

Ja, das ist unser Ziel. Wir verhängen jedoch keinen Einstellungsstopp.

Wie binden Sie die Personalräte in Ihre Entscheidungsprozesse ein?

Wir spielen mit offenen Karten. Unsere ersten Kontakte waren sehr gut. In Zukunft beraten wir uns mit den Personalräten beider Häuser in gemeinsamen Quartalsgesprächen. Außerdem sitzen die Räte mit in den Projektgruppen. Sie sind ein wichtiger Garant dafür, dass die Mitarbeiterinteressen nicht übersehen werden.

Das Gutachten hat die Etablierung eines "Zweites Herzzentrum Sachsen" und der "Größten Stroke Unit Sachsen" für Schlaganfallpatienten empfohlen. Werden Sie das umsetzen?

Das untersucht die vierte Arbeitsgruppe. Sie beschäftigt sich mit dem medizinischen Zukunftskonzept. Wir haben wirklich gute medizinische Angebote. Ziel ist es jedoch, ein Gesamtbild entstehen zu lassen, also ein perfekt abgestimmtes Konzept für beide Häuser zu entwickeln.

Dafür bleibt Ihnen nach geltendem Übergangsvertrag jedoch nur bis Ende des Jahres Zeit. Über eine Ausschreibung wird in den nächsten Monaten ein neuer Verwaltungsdirektor gesucht. Werden Sie sich bewerben?

Ja, ich werde mich bewerben. Auch weil ich den Eindruck habe, dass ich mit den Menschen hier gut zusammenarbeiten kann. Die Krankenhäuser zu sanieren ist nicht einfach, aber machbar. Auch wenn es viel Kraft kostet, ich bin bereit sie zu geben.

Gespräch: Katrin Tominski

Jürgen Richter kommt aus Ditzingen bei Stuttgart. Die vergangenen zehn Jahre hat er in Hamburg gewohnt, dort sind auch seine Kinder geboren. Der Wirtschaftsmathematiker hat in Hamburg bereits den Landesbetrieb Krankenhäuser in die Asklepios-Kliniken umgewandelt. In Bremen hat er als kaufmännischer Geschäftsführer der Dachgesellschaft "Gesundheit Nord" die vier städtischen Kliniken in Bremen-Ost, Nord, Mitte und Links der Weser saniert. Bürgermeister Detlef Sittel (CDU) ist auf den Manager durch die BAB, die das Gutachten für die Dresdner Krankenhäuser erstellt hat, aufmerksam geworden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.07.2012

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