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Projekte für bildungsbenachteiligte Jugendliche in Dresden stehen vor dem Aus

Projekte für bildungsbenachteiligte Jugendliche in Dresden stehen vor dem Aus

Der Jugendhilfeausschuss steht heute vor einer schweren Entscheidung: Stimmt er für eine weitere Übergangsfinanzierung der Jugendwerkstätten oder kommt für sie zum Monatsende das Aus? Beides könnte teuer werden.

Derzeit gibt es in Dresden in fünf Jugendwerkstätten Angebote für Jugendliche mit problematischen familiären Verhältnissen und ohne Bildungsabschluss, die kaum eine Chance auf dem Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt haben. Im Projekt McMampf auf der Könneritzstraße beispielsweise betreuen die Jugendlichen eine Kantine vom Einkauf bis zur Essensversorgung. So werden sie unter anderem mit dem Arbeitsalltag vertraut gemacht. Träger ist das Sächsische Umschulungs- und Fortbildungswerk Dresden e.V. (SUFW). 30 Jugendliche werden dort aktuell betreut. Doch Ende des Monats droht das Aus - es gibt bislang kein Geld mehr. Auch die Werkstätten Profil (AWO) und Umkehrschwung (gGmbH) müssen nach bisherigem Stand dicht machen. Insgesamt sind davon 57 Plätze für Jugendliche betroffen. Bei 50 verbleibenden Plätzen in zwei anderen Einrichtungen wird das Angebot in der Landeshauptstadt damit auf weniger als die Hälfte reduziert.

Bis Ende 2014 kam das Geld aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF). Im Dezember erhielten die Träger von der Sächsischen Aufbaubank (SAB) jedoch die Absage. Eine weitere Förderung sei in der neuen EU-Förderperiode (2014-2020) nicht mehr möglich. "Dem Freistaat stehen wesentlich weniger Gelder zur Verfügung als in der vergangenen Förderperiode", teilte SAB-Sprecherin Beate Bartsch gestern den DNN mit. Im Bereich des sächsischen Sozialministeriums reduzierten sich die verfügbaren Mittel auf rund 50 Prozent. Bei einer Jurysitzung seien alle Projektvorschläge abschließend bewertet, verglichen und die besten im Rahmen des verfügbaren Budgets ausgewählt und zur Antragstellung aufgefordert worden.

Ralph Schreiber, Sprecher des Sozialministeriums, sprach von "fachlichen Gründen" für die Ablehnung von 11 der 28 Projekte der Jugendberufshilfe in Dresden. Die Projekte müssten die ESF-Ziele für Qualifizierung und Beschäftigung erreichen. "Das Prinzip der Nachhaltigkeit sollte nicht dahingehend verstanden werden, dass der ESF eine dauerhafte Unterstützung sicherstellt." Vielmehr seien "die guten Ansätze aus den ESF-Projekten in Konzepte für eine gefestigte Struktur der örtlichen Jugendsozialarbeit zu überführen".

Das stößt in Dresden auf Protest. Die Stadtteilrunde Johannstadt, ein Gremium von Jugendhilfeträgern, reagierte mit "großem Bedauern und Unverständnis". Die insgesamt 107 Plätze hätten schon nur etwa die Hälfte des Bedarfs für rund 200 entsprechende Schulabgänger in Dresden gedeckt. Die jungen Menschen würden ihre Perspektive verlieren, ohne die Werkstätten hätten sie keine Chance auf dem zweiten oder ersten Arbeitsmarkt. "Die Jugendlichen fallen ins Bodenlose", erklärte auch SUFW-Geschäftsführerin Annerose Beier. Dies werde dann an anderer Stelle wieder Geld kosten. Deshalb hofft sie darauf, dass der Jugendhilfeausschuss heute eine Lösung findet.

Laut Marco Fiedler, Referent von Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos), hält die Stadt die Projekte für "wertvoll und wichtig". Die insgesamt 800 000 Euro pro Jahr könne Dresden jedoch "unmöglich" selbst stemmen. Bisher sei die Stadt mit einer Kofinanzierung von zehn Prozent beteiligt gewesen. Mit Sozialministerium und SAB verhandle sie deshalb über eine Fortsetzung der Landesförderung ab April 2015. Für den Januar sei das Jugendamt auf Beschluss des Jugendhilfeausschusses bereits eingesprungen. Für Februar und März gibt es eine solche Entscheidung noch nicht. 200 000 Euro würden die drei Monate kosten. Mitarbeiter und Jugendliche aus den Werkstätten werden heute genau verfolgen, wie es im Ausschuss ausgeht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.01.2015

Ingolf Pleil

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