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Politik im Hörsaal: Studenten der TU Dresden spielen Stadtrat

Politik im Hörsaal: Studenten der TU Dresden spielen Stadtrat

Sonnabendmorgen, 9 Uhr. Eine Zeit, zu der gewöhnliche Studenten noch komatös in ihren Bettern lungern. Nicht aber die Politik- und Kommunikationswissenschaftsstudenten der TU.

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Studenten der TU Dresden spielten Stadtrat und gewannen einen Einblick in die politische Praxis.

Quelle: Dietrich Flechtner

In Hemd, Rock oder gar Anzug sitzen sie zusammen und machen Kommunalpolitik. Dabei geht es heiß her: Ein FDPler vergreift sich im Ton, von Linker Seite dröhnen lautstarke Proteste, die SPD-Fraktion setzt leise Spitzen, die CDU bringt die meisten Anträge durch und die Grünen äußern ihre Empörung in Buhrufen.

Klingt wie eine ganz normale Sitzung des Dresdner Stadtrats? Das soll es auch sein. Möglichst realitätsgetreu spielten die 83 Fünftsemestler der TU das allmonatliche Szenario am vergangenen Sonnabend in der Landeszentrale für Politische Bildung nach. "Planspiel Politik Praktisch" nennt sich das Seminar, das seit sieben Jahren auf dem Stundenplan des Lehrstuhls für Politische Systeme steht. "Hier bekommen die Studenten erstmalig Einblick in die politische Praxis, lernen, wie wichtig auch gerade die soziale Interaktion in den Ausschüssen ist und welche Themen die Kommunalpolitiker beschäftigen", sagt Cathleen Bochmann (33), verantwortliche Dozentin. Entsprechend der realen Mehrheitsverhältnisse wurden die Studenten also in die fünf Fraktionen geteilt, dort jeweils ein Vorsitzender gewählt und schließlich auch - ganz dem originalen Vorbild getreu - eine weibliche Oberbürgermeisterin (CDU) gekürt.

Allerdings spielte die persönliche politische Einstellung dabei keine Rolle, das Los entschied über die Parteizugehörigkeit. In die NPD konnte man freiwillig, wollte aber niemand. Neben politischem Hintergrundwissen war daher auch Schauspieltalent gefragt. "Ich weiß schon, dass ich gleich als Rassist beschimpft werde", sagt Marian Dünkler (22), der als FDPler einen Antrag der Grünen auf dezentrale Unterbringung von Asylbewerbern angreifen muss. Den meisten Studenten gefällt es, sich gemäß ihrer zugeordneten Parteistruktur zu verhalten und das ein oder andere Klischee zu bedienen. "Es macht Spaß, um Stimmen zu verhandeln, zusammen etwas zu erkämpfen. Da ist es erst einmal egal, für welche Partei", sagt Robin Hartmann (23), der jedoch gut reden hat, denn er ist bei der Linken, seiner Wahlpartei, gelandet. Aus den ausgelost konservativen Reihen hört man dagegen auch Sätze wie "Wer will schon zu CDU oder FPD?" oder "Noch eine Runde CDU überlebe ich nicht!".

Je nach Fraktionsstärke werden ein bis vier Anträge eingereicht, die sich natürlich auf Dresden beziehen und mit dem Haushaltsplan abgeglichen sein müssen. "In diesem Jahr sind schon ein paar Knaller dabei", meint Cathleen Bochmann. So beantragen beispielsweise die Grünen die Einführung des Elbtalers als alternatives Zahlungsmittel in der Dresdner Verwaltung, CDU und SPD stellen einen interfraktionellen Antrag zur Förderung von regionalem und gesundem Kita-Essen und die Linke fordert die Gründung einer neuen Dresdner Wohnungsgenossenschaft. Außerdem beschäftigen sich die Studenten mit verkehrspolitischen Themen wie Straßenschäden oder behindertengerechten Bushaltestellen und bürgerfreundlichen Veränderungen im sozialen Bereich.

Aktuelle Dresdner Belange also, die bei den "echten" Stadtratsmitgliedern auf Interesse stoßen. So ist Axel Bergmann, Fraktionsgeschäftsführer der SPD, begeistert von der Idee, Sperr- müll künftig kostenfrei und halbjährlich von der Stadt abholen zu lassen. "Damit können wilde Müllkippen vermieden und Altmöbel wiederverwertet werden", meint Bergmann. Der Kostenaufwand sowie organisatorische Schwierigkeiten werden bereits geprüft, frühestens im Januar kann der Antrag im richtigen Stadtrat eingereicht werden. Im Studentenstadtrat wurde der Antrag bereits angenommen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.12.2012

Anne Ortlepp

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