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Pillnitzer sind wütend und enttäuscht über Park-Eintritt

Pillnitzer sind wütend und enttäuscht über Park-Eintritt

Vor sieben Jahren fanden sich schon einmal (Wut-)Bürger zusammen, um ihren Protest gegen den geplanten Eintritt für den Schlosspark Pillnitz kundzutun.

Von Genia Bleier

Nicht zuletzt diese Versammlung 2005 war es, die auch zum Aufschub der Gebühr führte, obwohl sie der Freistaat schon seit Ende der 90er Jahre in Erwägung zieht. Diesmal hatte der Staatsbetrieb Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen zur Informationsveranstaltung in den Kuppelsaal des Schlosses Pillnitz geladen zwecks Erläuterung der aus seiner Sicht unumgänglichen Eintrittserhebung ab 2. April. Tenor: gekürzte Landeszuschüsse, steigende Kosten, Pflegerückstau.

Das Prozedere steht längst fest und ist auf einer umfänglichen Preisliste auch im Internet nachzulesen. Eine ergebnisoffene Diskussion war also gar nicht angestrebt. Schlösserdirektor Christian Striefler warb mit Andrea Dietrich, Leiterin der Schlösser und Gärten Dresden, Roland Puppe vom Staatsbetrieb und dem Pillnitzer Gartenmeister Wolfgang Friebel um Verständnis für die unpopuläre Maßnahme zur Erhaltung "eines der bedeutendsten europäischen Gartendenkmale". Als Verstärkung hatten sie noch Professor Michael Rohde, Direktor der Preußischen Schlösser und Gärten, mitgebracht, der den Pflegeaufwand für seine Anlage erklärte. Sie ist eine Stiftung und hat trotzdem zu wenig Geld.

Auf Belehrungen waren die zahlreich erschienenen Dresdner gar nicht aus, zwangen Rohde schließlich zum Abbruch seines Vortrags. Obwohl mehr als die Hälfte im eiskalten Saal stehen musste, hielten sie durch, um ihre Argumente, Wut und Enttäuschung vorzubringen, auch wenn es nicht zur Rebellion wie 2005 kam. Den meisten Anwesenden ging es gar nicht vordergründig um die zwei Euro Eintritt, sondern um das jahrhundertelange Prinzip des offenen Parks. Was beim König und in der DDR möglich war, bringt nun die Demokratie zu Fall, so der Vorwurf. Der Park sei Bestandteil des Siedlungsraumes, betonte ein Bürger. Die Zugangssperrung sieht er im Widerspruch zur sächsischen Verfassung. Die Sängerin Annette Jahns kritisierte, dass die Politik ihre Verantwortung für das Allgemeinwohl immer mehr zurückschraubt. "Mit dem Eintritt wird man einige Bevölkerungsschichten ausschließen", warnte sie.

Rüdiger-Otto Wenzel vom Ortsbeirat Loschwitz benannte den miserablen Umgang mit den Bürgern, denen einfach etwas vorgesetzt werde. Viele Anwesende fanden ihr Engagement nicht gewürdigt. Sie wollten die Arbeitsgruppe wiederbeleben, die 2005 ins Leben gerufen worden war. Doch Dietrich sah darin keine Abhilfe für planbare Erhaltungsmaßnahmen. Widerspruch rief auch die Eingrenzung auf zwei oder drei von jetzt neun Zugängen hervor. Fragen nach Sponsoren blieben ohne zufriedenstellende Antwort. "Alles Augenwischerei", meinte Striefler, "kein Eintritt wäre unverantwortlich." Wieso es denn keinen Förderverein gebe, wollte eine Thüringerin wissen. Striefler: Er würde sich über einen solchen Impuls freuen. Dann hätte er längst von ihm kommen können, meinten die Bürger.

Für Striefler scheint im Einverständnis mit dem Finanzminister alles geklärt. Auch CDU (anwesend MdL Christian Piwarz) und FDP (MdL Carsten Biesok) argumentierten für den Eintritt, wobei die FDP eine 180-Grad-Wende vollzogen hat. Der Grüne Karl-Heinz Gerstenberg erinnerte daran, dass der Landtag nicht automatisch der Gebühr zustimmen dürfe. Den als "Dresdner Weg" vorgestellten moderaten Eintritt nannte er eine Täuschung. Eva-Maria Stange (SPD) sah darin das schlechte Gewissen den Dresdnern gegenüber. "Aber wir wissen auch, das ist nur eine Einstiegsdroge."

Nach Angaben des Staatsbetriebes fehlen ihm jährlich eine halbe Million Euro. Im ersten Jahr der Abkassierung rechnet Striefler auf Grund der Ausgaben für die Kassenhäuschen mit Einnahmen von 400 000 bis 500 000 Euro. Doch schon ein Jahr später könnten bei Besucherzahlen von bis zu 880 000 (zuletzt 2002/03 geschätzt) weit über eine Million Euro herauskommen.

Von April bis Ende Oktober:

Gartenticket (gültig für Park u. Pflanzenhäuser) 2 Euro, erm. 1 Euro

Museumsticket (gültig für Park, Pflanzenhäuser und Museen) 8 Euro, erm. 4 Euro

Jahreskarte 8 Euro, erm. 4 Euro

Kinder bis 17. Geburtstag frei

Von November bis Ende März:

Nur Wochenende und Feiertage Gartenticket 2 Euro, erm. 1 Euro (inklusive Kamelien- u. Palmenhaus)

Mo. bis Fr. Park frei, 2 Euro für Kamelien- u. Palmenhaus

Öffnungszeiten: Sommerhalbjahr ab 6 Uhr, Eintritt ab 9 Uhr bis 20 Uhr; Winterhalbjahr ab 6 Uhr, Eintritt ab 10 bis 17 Uhr

www.schloesserland-sachsen.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.01.2012

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