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Personalentscheidung bei den kommunalen Krankenhäusern: Neuer Verwaltungsdirektor bis Januar 2013

Personalentscheidung bei den kommunalen Krankenhäusern: Neuer Verwaltungsdirektor bis Januar 2013

Gisela Speiser kam gestern Vormittag noch einmal kurz in das Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt. Dort verabschiedete sich die langjährige Verwaltungsdirektorin.

Von Katrin Tominski

Ein paar Handschläge, ein paar Worte. Im Auto fuhr sie vom Hof.

Dem Verwaltungsdirektor des Krankenhauses Dresden-Neustadt Andreas Gerhardt steht das Prozedere noch bevor. Er weilt derzeit im Urlaub. Am Montag will Bürgermeister Detlef Sittel (CDU) ihm persönlich seine Beurlaubung mitteilen. Da sich mit Gerhardt derzeit nicht die einzige Spitzenkraft der Städtischen Krankenhäuser außerhalb Dresdens aufhält, musste Sittel einer dezimierten Leitungsgruppe seine Zukunftspläne erläutern. Was er den beiden Pflegedirektorinnen und dem Ärztlichen Direktor des Krankenhauses Neustadt Tobias Lohmann mitteilte, blieb nach der Sitzung gestern Mittag im Rathaus unkommentiert.

Nach DNN-Informationen will Sittel mit den Personalentscheidungen den Krankenhäusern eine langfristige Perspektive geben. Die Stelle für einen neuen gemeinsamen Verwaltungsdirektor soll schnellstmöglich ausgeschrieben werden. Sein Dienstbeginn ist für Januar 2013 vorgesehen. Die Vertretung für Gisela Speiser übernimmt einstweilen im Krankenhaus Friedrichstadt Wolfgang Niederlag. Der 57-Jährige ist Abteilungsleiter des Zentralen Klinikservice. Im Krankenhaus Neustadt leitet die Chefin des Finanz- und Rechnungswesens Heidemarie von Neffen kommissarisch die Geschäfte. Die Mitarbeiter im Krankenhaus Friedrichstadt wurden gestern Nachmittag auf einer Versammlung informiert. Im Krankenhaus Neustadt ist eine Versammlung für die Mitarbeiter erst nächste Woche anberaumt, nach dem Gespräch mit Verwaltungsdirektor Gerhardt.

Indes spalten sich die Meinungen über das Vorgehen der Stadt. Die Linke kritisiert die Stadtspitze, sie würde die Verwaltungsdirektoren öffentlich vorführen. "Es ist eine üble und miese Tour, Menschen nach so einer langen Amtszeit abzuschießen", sagte Linke-Stadtrat Jens Matthis. Die Beurlaubung sei eine "völlig überstürzte Handlung". Nach Meinung von Matthis bedürfe die Änderung dieser Personalie eines Stadtratsbeschlusses. "Wenn es öffentlich so dargestellt wird, als ob die Verwaltungsdirektoren bewusst getäuscht haben, dann ist das Denunziation", sagte Matthis. Seine Kritik beziehe sich nicht auf den Akt an sich, sondern auf die Art und Weise, wie die Verwaltungsdirektoren abgewickelt wurden. Die Linke selbst habe sich zusammen mit der SPD in ihrem interfraktionellen Antrag längst für eine einheitliche Leitung der beiden kommunalen Krankenhäuser ausgesprochen.

Ulrike Hinz von der Grünen-Stadtratsfraktion begrüßte die Entscheidung. "Ich muss Herrn Sittel ausdrücklich loben, dass endlich mal etwas passiert", sagte Hinz. Er habe die richtige Entscheidung getroffen. "Nur mit einer einheitlichen Leitung könnten die Städtischen Krankenhäuser mit Erfolg saniert werden", konstatierte Hinz. Besonders Direktorin Speiser sei dem Krankenhausausschuss auf der Nase herumgetanzt. Die Personalie Speiser ist seit längerer Zeit umstritten. Die Verwaltungsdirektorin soll sich nach Aussage von Stadträten verschiedener Fraktionen bereits gegen Neuerungen gesperrt und die Herausgabe von Zahlenmaterial verweigert haben.

Lob bekommt Sittel auch von seinen Parteifreunden. "Die derzeit bestehenden Widersprüche müssen aufgeklärt und erste Schritte für eine einheitliche Leitung gegangen werden", sagte Andreas Lämmel, Kreisvorsitzender der Dresdner CDU. Ziel sei es, für beide Einrichtungen gesunde Strukturen zu schaffen. Registriert wurde das Vorgehen der Stadt auch bei der größten sächsischen Krankenkasse AOK Plus. "Unabhängig von der Rechtsform ist es wichtig, dass die Krankenhäuser besser und abgestimmter zusammenarbeiten", sagte Vorstandsvorsitzender Rolf Steinbronn. "Wenn jeder alles macht, kann dies nicht gut sein. Die Krankenhäuser müssen als Einheit wahrgenommen und betriebswirtschaftlich stringent geführt werden." Die Sanierung müsse ein Zukunftsprojekt werden.

Eine positive Zukunft attestiert den Krankenhäusern der Geschäftsführer des Interessenverbandes kommunaler Krankenhäuser Uwe Alschner. "Kommunale Krankenhäuser können am Markt bestehen", sagte Alschner. Wichtig sei jedoch, die Strukturen so zu schaffen, dass sie profitabel arbeiten. Auch die Arbeitnehmer hätten bei solchen Sanierungsprozessen ihre Verantwortung.

In den nächsten Wochen wird die Stadt entscheiden, ob sie den beurlaubten Verwaltungsdirektoren einen anderen Posten anbietet oder eine Abfindung zahlt. Dann wird sich auch herausstellen, ob diese die Entscheidung hinnehmen oder dagegen klagen werden.

Nach einem Bürgerentscheid, einer geplatzten Lenkungsgruppe und endlosen Diskussionen hat Bürgermeister Detlef Sittel (CDU) gestern die ersten Entscheidungen zur Sanierung der defizitären Städtischen Krankenhäuser getroffen. Gisela Speiser, Verwaltungsdirektorin am Krankenhaus Friedrichstadt, ist ab sofort beurlaubt. Andreas Gerhardt, Verwaltungsdirektor im Krankenhaus Neustadt, wird am Montag beurlaubt. Eine neue Besetzung soll so schnell wie möglich gefunden haben. Dabei sind sich derzeit ausnahmsweise alle einig: Bürgermeister Sittel, alle Fraktionen im Stadtrat sowie das Institut für Betriebswirtschaftliche und Arbeitsorientierte Beratung (BAB) plädieren für einen Verwaltungsdirektor, der beide Krankenhäuser leitet.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.05.2012

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