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Nepomuk entzweit CDU-Stadträte in Dresden

Nepomuk entzweit CDU-Stadträte in Dresden

Nachdem die Kunstkommission der Stadt ihre ablehnende Haltung gegenüber einer Figur des Brückenheiligen Nepomuk begründet hat (DNN berichteten), fallen die Reaktionen in der Dresdner Politik auf die Ausführungen sehr unterschiedlich aus und führen in der CDU-Fraktion im Stadtrat sogar zu einer Meinungsspaltung.

Fraktions-Pressesprecher Stefan Zinkler hatte als Mitglied der Kunstkommission den Brückenheiligen abgelehnt. Für CDU-Fraktionsmitglied Sebastian Kieslich hingegen ist die Ablehnung "nicht nachvollziehbar". Die Figur hätte als starkes Zeichen die Verbindung und den jahrhundertealten gut nachbarlichen Austausch zwischen Böhmen und Sachsen symbolisieren können. Stefan Zinkler sagte, weitere Diskussionen dazu werde es in der CDU-Fraktion nicht geben.

Holger Zastrow, FDP-Fraktionsvorsitzender, kritisierte die Entscheidung der Kunstkommission. Statt sich auf die künstlerisch-ästhetische Bewertung der Figur zu beschränken, habe sie diese mit formalen und politischen Aspekten begründet. "Damit überschreitet die Kommission ihre Kompetenzen und übt politische Zensur", fügte er hinzu. Er empfahl Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU), die Entscheidung über die Brückenfigur dem Stadtrat zur Abstimmung vorzulegen.

Auch Dresdens Jungliberale Aktion (Julia) bedauert die Ablehnung. Der Schutzheilige hätte sowohl symbolisch als auch ästhetisch zur Brücke gepasst, wie Julia-Chef Philipp Junghähnel sagte.

Das Bistum Dresden-Meißen wolle nun zunächst die offizielle Ablehnung der Stadt Dresden abwarten, sagte Bistumssprecher Michael Baudisch. Überlegungen zu einem anderen Standort für die Heiligen-Figur gebe es zurzeit nicht.

Deutliche Zurückhaltung herrscht in der evangelisch-lutherischen Kirche. Die beiden Dresdner Superintendenten wollten sich dazu gegenüber DNN überhaupt nicht äußern. Im Landeskirchenamt wird die Kontroverse zwar aufmerksam wahrgenommen, wie Sprecher Matthias Oelke den DNN dennoch sagte. "Aber diese Sache tangiert uns nicht, da wir in Sachsen mit seiner lutherischen Tradition keine Brückenheiligen kennen."

Der aus Südböhmen stammende Johannes von Nepomuk (um 1345-1393) gilt im katholischen Europa als Patron der Priester und Beichtväter, Müller und Schiffer, als Schutzheiliger der Brücken und ist Landespatron Böhmens. 1729 war er heilig gesprochen worden. Besonders die Jesuiten förderten seinen Kult. Kirchenhistoriker bringen ihn daher in enge Verbindung zur Gegenreformation. Ihrer Ansicht nach sollte der neue Heilige Nepomuk die Erinnerung an den 1415 auf dem Scheiterhaufen verbrannten Reformator Jan Hus verdrängen.

Tomas Gärtner

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.09.2012

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