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Linke sehen Wohnungsnot in Dresden aufziehen und fordern städtisches Wohungsunternehmen

Linke sehen Wohnungsnot in Dresden aufziehen und fordern städtisches Wohungsunternehmen

Eine „sehr problematische Entwicklung aus Sicht der Mieter“ hat André Schollbach, Linke-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, in Dresden erkannt. Einem deutlich gesunkenen Leerstand stehen steigende Einwohnerzahlen gegenüber; anziehende Mietpreise und „lange Schlangen beim Maklertermin“ für Wohnungssuchende seien die Folge.

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Stadtteile wie Gorbitz sollen nicht allein von sozial Schwachen bewohnt werden. Ein städtisches Wohnungsunternehmen könnte das verhindern, meint die Linke-Stadtratsfraktion. (Archivbild)

Quelle: Archiv

Deshalb will die Linksfraktion in den nächsten Wochen wohnungspolitisch in die Offensive gehen, wie Schollbach ankündigt. Auftakt ist eine aktuelle Stunde zur Situation des Dresdner Wohnungsmarkts im Stadtrat am Donnerstag.

Zentrale Forderung der Fraktion ist dabei der Aufbau eines kommunalen Wohnungsunternehmens, wie Schollbach sagt. Für die eigentlich nicht neue Idee, die etwa schon zum Wahlkampfprogramm der Linken bei der letzten Stadtratswahl gehörte, habe jetzt die richtige Stunde geschlagen. „Die Entwicklung der Märkte spielt uns in die Hände, so schlimm wie die Lage ist“, sagt Kris Kaufmann, wohnungspolitische Sprecherin der Fraktion.

Damit meint sie vor allem die sinkende Leerstandsquote. Hatte diese 2001 noch bei 19,7 Prozent gelegen, gibt sie die kommunale Statistikstelle für das Jahr 2011 mit 8,4 Prozent an, was etwa 24.000 Wohnungen entspricht. Da davon noch die sogenannte Fluktuationsreserve (etwa 9000 Wohnungen) und die ruinösen Wohnungen abgezogen werden müssen (5000 Wohnungen), wird der Leerstand auf 10.000 Wohnungen geschätzt. „Das ergibt 3,62 Prozent – ein minimaler Wohnungsleerstand“, urteilt Schollbach.

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Neue Wohnungen entstehen meist nur in Einfamilienhäusern und richten sich an gutverdienende Dresdner. (Archivbild/Symbolfoto)

Quelle: dpa

Das Ergebnis einer anderen Rechnung fällt noch dramatischer aus. So ist der Wohnungsbestand in den letzten Jahren mit etwa 293.000 Wohnungen relativ stabil geblieben. Seit 2000 seien allerdings 44.000 Dresdner Haushalte hinzugekommen, ein Plus von 18,1 Prozent. Nach Kris Kaufmanns Angabe gibt es mit rund 287.000 inzwischen fast so viele Haushalte wie Wohnungen, liegt der Leerstand nach dieser Rechnung nur noch bei zwei Prozent.

Die Folgen würden wohnungssuchende Dresdner schon jetzt spüren. „Familien mit ein oder zwei Kindern haben deutliche Probleme, eine vernünftige Wohnung zu finden“, sagt Schollbach. Auch Mieterhöhungen, die meist bei Mieterwechsel anstehen, seien eine Folge der Entwicklung. Von 2006 bis 2010 sind die Kaltmieten laut aktuellem Mietspiegel um 11,2 Prozent gestiegen. Im Durchschnitt liegen sie bei 5,28 Euro je Quadratmeter. Langfristig könnten in Dresden Verhältnisse herrschen, wie man sie aus München und Hamburg kennt, meint der Linke-Fraktionschef.

Als Gegenmittel empfehlen die Linken ein Ende der Abrissprogramme und den Bau von Mietwohnungen. Bis 2025 könnten mehr als 20.000 Wohnungen auf schon jetzt als Baugrund ausgewiesenen Flächen entstehen. „Es wird gebaut werden, aber nur für die einkommensstarke Bevölkerung“, ist sich Kaufmann sicher. Bedeutet: „Es mangelt an Wohnraum für einkommensschwache Schichten“, wie sie schließt.

Für diese soll die Stadt mit einem kommunalen Wohnungsunternehmen in die Bresche springen. Mit ihm könne Dresden auch gleich mehrere Probleme anpacken: Die soziale Segregation etwa. Damit ist die Konzentration von Sozialwohnungen in einigen wenigen Stadtteilen wie Gorbitz, Prohlis, Johannstadt oder Reick gemeint. Diesem Phänomen könnte die Stadt entgegenwirken, indem sie auch anderswo kostengünstige Wohnungen entstehen lässt. Bei der Verwaltung gab es zu diesen Vorschlägen bis Redaktionsschluss keine Auskunft, im August zeigte sie sich bei einer ähnlichen Anfrage wenig von der Idee überzeugt.

Deshalb hat die Linke noch weitere Forderungen aufgestellt. So soll sich die Verwaltung mit den größten im Stadtgebiet tätigen Wohnungsunternehmen abstimmen, wie etwa Wohnungen für Einkommensschwache entstehen können. Außerdem ist die Vorlage und Umsetzung eines integrativen Wohnungskonzepts und die Unterstützung von Bauherrengemeinschaften gefordert.

Offen ist, ob die Initiative Früchte tragen wird. Man wolle die eigenen Vorschläge unabhängig von Erfolgsaussichten im Stadtrat zur Diskussion stellen, kündigt Schollbach an.

Uwe Hofmann

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