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Langer Weg zum Dialog: Landesregierung bringt in Dresden Befürworter und Skeptiker von Pegida ins Gespräch

Langer Weg zum Dialog: Landesregierung bringt in Dresden Befürworter und Skeptiker von Pegida ins Gespräch

Mit 300 Menschen hat die sächsische Landesregierung am Mittwochabend im Kongreßzentrum Dresden den Versuch unternommen, miteinander ins Gespräch zu kommen.

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Quelle: Stephan Lohse

Rund zwei Stunden lang hatten die Bürger dabei Zeit, gegenseitig Argumente auszutauschen und sich miteinander zu unterhalten. Vertreter der Politik versuchten vor allem zuzuhören.

50 Tische standen bereit, an denen jeweils sechs zufällig ausgewählte Bürger miteinander zu den Themen Asyl, Zuwanderung und Integration ins Gespräch kommen sollten. Überwiegend waren Männer gekommen, das Durchschnittsalter lag gefühlt bei über 50 Jahren. Jüngere Dresdner oder Migranten waren nur selten bei den Gesprächen dabei. Nach Aussage mehrerer Teilnehmer kamen auf einen Pegida-Skeptiker im Schnitt zwei Befürworter. Die 300 Teilnehmer waren ausgelost worden, insgesamt hatten sich 477 Menschen um die Teilnahme beworben.

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Menschen miteinander ins Gespräch bringen: Das war das Ziel des Abends im Dresdner ICC.

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Dazu saß jeweils ein Vertreter von Politik, Kirche oder Verwaltung mit dabei, der aber nur beratend zur Seite stehen sollte. An den Tischen nahmen dabei unter anderem Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) und Dresdens Erster Bürgermeister Dirk Hilbert (FDP) Platz. Bei Brezeln und Getränken entwickelten sich schnell teils ruhige, teils aber auch kontroverse Gespräche an den Tischen.

Das Ziel, unterschiedliche Meinungen zusammen zu bringen, gelang zwar nicht immer, viele Teilnehmer zeigten sich aber zufrieden. „Wir hatten sehr kontroverse Meinungen an unserem Tisch“, meinte einer der Teilnehmer. „Wir hätten die drei- oder vierfache Zeit diskutieren können“. „Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, ich gehe positiv hier raus“, meinte ein anderer.

Es wurden ebenso Vorbehalte gegen „Multikulti“ geäußert wie die Frage nach der Perspektiven der „eigenen Bevölkerung und Jugend“ gestellt. Dazu kamen Forderungen nach Strafen für islamische Hassprediger. Andere Teilnehmer wiederum plädierten für mehr Hilfen bei der Integration von Ausländern, etwa durch mehr Sprachkurse sowie mehr Informationen der Bürger vor der Unterbringung von Flüchtlingen. Zum Teil wurde auch der Vertauensverlust in die Politik für die Pegida-Demonstrationen verantwortlich gemacht.

„Ich fand, dass es eine sehr sachliche Diskussion war“, bewertete Ministerpräsident Tillich den Abend. Er plädierte dafür, weiter mit Pegida-Teilnehmern zu reden. Er appellierte an beide Seiten zuzuhören, Argumente auszutauschen und auch Gegenargumenten Gehör zu schenken. „Demokratie ist natürlich anstrengend“, gab er zu. Dass es vom ersten Gespräch über das Zuhören bis zum Verstehen noch ein weiter Weg ist, zeigte sich am Abend mehrfach. Als ein Teilnehmer in der Schlussrunde das Thema Islamisierung ansprach, folgte der Zwischenruf „Pegida-Propaganda“ – die rufende Frau wurde von Pegida-Sympathisanten niedergebuht. Auch als eine weitere junge Frau ihre Ansicht äußerte, Pegida habe einen rechten Kern, erntete sie wütende Zwischenrufe und Beleidigungen. Der Dialog ist hier erst am Anfang, bis zum Akzeptieren anderer Meinungen ist es teils noch weit, bis aus dem „Anfeinder“ der wird, der schlicht anders denkt, braucht es noch viel Zeit.

Einig waren sich die meisten Teilnehmer, dass der Dialog verstärkt werden müsse. Man habe mit dem Format einen Nerv getroffen, befand Ministerpräsident Tillich. Daher soll das Format fortgesetzt werden, auch andere Politikfelder sollen dann zur Sprache kommen. Auch Integrationsministerin Petra Köpping kündigte an, noch mehr den Dialog zu suchen. Die bisherigen Anstrengungen hätten nicht ausgereicht. Auch Dresdens Erster Bürgermeister Dirk Hilbert kündigte weitere Anstrengungen an. Die Kommunen seien hier noch in einem „Lernprozess“, mit dem Bürgertelefon, verstärkten Infos über die Ortsbeiräte und Veranstaltungen in den Stadtteilen sei Dresden aber auf einem guten Weg.

sl (mit dpa)

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