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Krankenhäuser ächzen unter Kassen-Prüfungen

Krankenhäuser ächzen unter Kassen-Prüfungen

Doch hinter den Kulissen tobt oft ein Kampf zwischen Kassen und Krankenhäusern. Weil die Kassen immer mehr Rechnungen durch Gutachter prüfen lassen, entsteht den Krankenhäusern ein großer personeller Mehraufwand.

"Die Prüfungen binden enorme Ressourcen", sagte Wilfried Winzer, kaufmännischer Vorstand des Uniklinikums. "Die nicht abgeschlossenen Abrechnungen verursachen immensen Aufwand", erklärte Jürgen Richter, Verwaltungsdirektor des Städtischen Klinikums. "Die Bearbeitungszeit muss sinken", erläuterte Peter Pfeiffer, kaufmännischer Direktor des St. Joseph Stift. Etwa die Hälfte aller Prüfungen führten zu keinerlei Änderungen.

Die Situation verschärfe sich nach Aussagen der Krankenhausvorstände durch eine neue Regelung, die seit Jahresanfang gilt. Demnach müssen alle Abrechnungen vier Wochen nach dem Ende der Behandlung lückenlos vorliegen. Eine Nachreichung fehlender Unterlagen sei fortan nicht mehr möglich. "Wenn nicht sauber dokumentiert ist, gibt es kein Geld", sagte Winzer. Die kurze Bearbeitungszeit gelange insbesondere bei komplexen Fällen wie Knochenmark-Transplantationen zum Problem. Um den dokumentarischen Aufwand zu bewältigen, habe das Uniklinikum extra Personal einstellen müssen. Insgesamt seien nun allein 37 Ärzte, zehn Controller, vier Mitarbeiter in der Patientenverwaltung und 51 Dokumentationsassistenten und Sekretärinnen - also über 100 Mitarbeiter - direkt und indirekt mit Abrechnungen beschäftigt.

"Die Dokumentation der Behandlungsfälle wird zu formalistisch gesehen", sagte Richter vom Städtischen Klinikum, das ebenfalls mit dem hohen personellen Aufwand kämpft. "Der Anspruch einer perfekten Dokumentation geht weiter als die Qualitätssicherung." Auch das St. Joseph Stift habe laut Pfeiffer zusätzliches Personal bereitstellen müssen. "Die Abrechnungen schlucken die Ressourcen derjenigen die Medizin machen sollen", sagte der Chef des katholischen Krankenhauses. "Es kann nicht sein, dass wir Ärzte und Schwestern an diesen Themen verschleißen. Pfeiffer sieht in dem immer komplizierter werdenden Abrechnungssystem der diagnosebezogenen Fallpauschalen (Diagnosis Related Groups - DRG) ein grundsätzliches Problem des System.

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) prüft die Rechnungen im Auftrag der Kassen. Ihm stehen für den stationären Bereich der Krankenhäuser sowie der Sozialmedizin nach eigenen Angaben lediglich 100 Ärzte für die Prüfungen der Rechnungen in ganz Sachsen zur Verfügung.

Etwa zehn Prozent der Rechnungen des St. Joseph Stift werden einer Prüfung unterzogen, im Städtischen Klinikum und am Diakonissenkrankenhaus sind es etwa 15 Prozent. Am Uniklinikum mit vielen komplizierten schweren Erkrankungen werden gar ein Viertel bis ein Drittel aller Abrechnungen geprüft. Zwar wird das Geld von den Kassen immer zuerst an die Krankenhäuser überwiesen. Bis die Prüfverfahren abgeschlossen sind, müssen diese jedoch mit Rückzahlungen rechnen. In Streitfällen übernimmt die Kasse nichts oder nur einen Teil der Rechnungen. Nicht selten werden solche Fälle vor den Sozialgerichten ausgetragen.

Trotz aller Umstände lobt das Uniklinikum die "gute und effektive Zusammenarbeit" mit dem MDK. "Dass 30 Prozent aller Behandlungen vor Ort geprüft werden, macht die Sache leichter." Danach sehnt sich das Diako: "Mit dem überwiegenden Anteil der MDK-Mitarbeiter ist die Zusammenarbeit sehr gut", sagte Verwaltungsdirektor Matthias Schröter. Wünschenswert wäre, dass mehr Entscheidungen im direkten Austausch durch eine Prüfung vor Ort stattfinden. Dadurch könnte oft der Gang zum Sozialgericht verhindert werden."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.02.2015

Katrin Tominski

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