Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 3 ° wolkig

Navigation:
Google+
Jungspund Schollbach treibt Sachsens Linke schon an

Jungspund Schollbach treibt Sachsens Linke schon an

Ein knappes Jahr nach der Landtagswahl ist die Linke im sächsischen Parlament noch immer auf der Suche nach sich selbst. Zwar gibt es auch weiterhin ein paar Leistungsträger, von einem gekonnten, ausgeklügelten Zusammenspiel der 27 Abgeordneten kann bei der größten Oppositionsfraktion aber keine Rede sein.

Voriger Artikel
Neuer Job für Dresdens Sozialbürgermeister Seidel
Nächster Artikel
Irritationen im Wald: Stadt will keine Lockerungen beim Reitwegenetz

André Schollbach (36) - Durchstarter des Jahres.

Quelle: Dietrich Flechtner

Das betrifft nicht zuletzt jene Jung-Parlamentarier, die nach der Wahl Ende August erstmals in den Landtag eingezogen sind - mit einigen wenigen Ausnahmen allerdings. Bestes Beispiel dafür ist André Schollbach, ein Dresdner Jurist. Dem ist doch tatsächlich in kürzester Zeit gelungen, was selbst altgedienten Linken zumeist abgeht: Durch geschicktes Handling und ausgiebige Medienpräsenz hat sich der 36-Jährige zum Durchstarter des Jahres entwickelt.

Die Folgen sind im Polit-Alltag an vielen Stellen zu beobachten, innerhalb der Links-Fraktion, wo Schollbach mangels Masse längst als Leistungsträger gilt, aber auch auf der Neustadt-Seite der Elbe. Dort sitzen die Ministerien der schwarz-roten Staatsregierung, und denen geht der Linke schon nach wenigen Monaten gehörig auf die Nerven. Über 200 kleine Anfragen hat der Dresdner bereits gestellt - von der Mitgliederentwicklung der katholischen Kirche bis zum Polizeieinsatz bei Pegida & Co. Und immer wieder landet der ausgefuchste Jurist dabei einen Treffer, so wie zuletzt mit seiner Nachfrage zu den Kosten der Diäten-Erhöhung. Doch nicht nur das: Gern und oft profiliert sich Schollbach auch öffentlichkeitswirksam als Anwalt. Das geschieht immer dann, wenn er im Namen von Abgeordneten vors Verfassungsgericht zieht - für die von der Linken natürlich. Beste Beispiele dafür sind Falk Neubert, Kerstin Köditz und zuletzt die Leipziger Jung-Parlamentarierin Juliane Nagel.

Das hat durchaus Auswirkungen auf das innere Gefüge der Linken. Mit seiner Neigung, sich politisch in Szene zu setzen, sticht Schollbach schon heute die meisten seiner Fraktionskollegen aus. Und ganz nebenbei könnte mit dem 36-Jährigen eine ernsthafte Konkurrenz für jene heranwachsen, die als die Führungskräfte der Zukunft gelten. Derjenige, dessen Namen dann immer als erster fällt, ist Sebastian Scheel. Der fungiert derzeit als Fraktionsmanager, parlamentarischer Geschäftsführer heißt das formal. Schon seit Langem wird er als möglicher Nachfolger von Fraktionschef Rico Gebhardt und auch als Spitzenkandidat gehandelt. Zwar ist Scheel mit seinem noblen Auftreten und finanzpolitischem Know-how selbst in CDU-Kreisen geachtet, bei den Linken selbst aber ist er nicht unumstritten. Folge: Scheel droht das, was man in der Politik ewiger Kronprinz nennt: ewig gehandelt, nie was geworden.

Schollbach hat es hier einfacher. Im Grund setzt er nur das fort, was er auf der Dresdner Lokalbühne seit Langem tut. Seit 20 Jahren ist er Mitglied der PDS beziehungsweise Linken, sitzt seit 1999 im Stadtrat. Seit 2007 fungiert er als Fraktionschef im Rathaus und gilt somit als einer der Architekten des neuen rot-grün-roten Bündnisses, das in Dresden zusammen mit ein paar Piraten die Mehrheit in der Landeshauptstadt stellt. Das allerdings hat durchaus Strahlkraft über die Lokalpolitik hinaus. So gilt Dresden in links-grünen Kreisen längst als ein Projekt mit Modellcharakter für andere Städte und das gesamte Land. Für Schollbach ist das der Punkt. "Ich will mit meinen Erfahrungen dazu beitragen, auch im Freistaat eine Perspektive für eine fortschrittliche Gestaltungsmehrheit jenseits der verbrauchten und verfilzten Staatspartei CDU zu entwickeln", sagt er, um umgehend ins westliche Nachbarland zu schauen. "Dass die Union auch auf Landesebene zu schlagen ist, wurde im vergangenen Jahr in Thüringen eindrucksvoll belegt."

Allerdings hat auch Schollbach bereits den einen oder anderen Dämpfer kassiert. So knirscht es gerade heftig im linken Gebälk, weil das Parteivolk beim internen Rennen um die Dezernenten-Posten nicht immer dem Wunsch seiner Chefs folgt. Und auch die Niederlage von Eva-Maria Stange (SPD), der rot-grün-roten Bündniskandidatin bei der OB-Wahl, dürfte dem linken Durchstarter nicht ins Konzept gepasst haben. Hinzu kommt ein kleines Problem. Wie auch sein Parteifreund Scheel ist Schollbach stets in Gefahr, vor lauter Selbstsicherheit übers Ziel hinauszuschießen - und eitel zu wirken. Das aber kommt bei vielen Fraktionären keineswegs gut an.

Wie auch immer das Rennen um die linke Meinungsführerschaft der Zukunft ausgehen wird, ob Schollbach an Scheel vorbeizieht oder Gebhardt weiter ganz vorn bleibt - zweierlei steht bereits heute fest: Der Dresdner Anwalt wird weiter für die eine oder andere Schlagzeile gut sein; und den Juristen Klaus Bartl aus Chemnitz beerbt er so oder so. Denn dieser wird als Abgeordneter der ersten Stunde dem nächsten Landtag ab 2019 nicht mehr angehören.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.08.2015

Jürgen Kochinke

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Stadtpolitik
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.