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Jugendamt: Vorbeuge-Ansatz wirkt schon - trotzdem Millionenloch im Haushalt

Jugendamt: Vorbeuge-Ansatz wirkt schon - trotzdem Millionenloch im Haushalt

Nach Kurtaxe, Kulturkraftwerk und Rathaus-Sanierung tut sich erneut eine Millionen-Lücke im städtischen Haushalt auf: Statt knapp 44 Millionen Euro, wie im Etat eingeplant, werden die Erziehungshilfen für Problemjugendliche und -familien bis zum Jahresende rund 48,65 Millionen Euro kosten - macht eine Deckungslücke von zirka 4,7 Millionen Euro.

Das geht aus einer Analyse hervor, die das Jugendamtsleiter Claus Lippmann gestern dem Jugendhilfeausschuss vorgestellt hat.

Für die wachsenden Kosten sind einerseits Tarifsteigerungen für die Erziehungshelfer und das Bevölkerungswachstum verantwortlich, Prinzip: Mehr Jugendliche, mehr Probleme.

Erziehungshelfer: Problemeder Familien immer komplexer

Andererseits werden die Probleme, mit denen viele Familien kämpfen, auch immer komplexer und sind nur aufwendig lösbar, wie Jugendamts-Sprecherin Evelin Hipke-Schulz erklärt. "Zum Beispiel gibt es immer mehr Familien mit psychisch kranken Eltern, auch die Suchtprobleme von Jugendlichen und jungen Eltern - insbesondere durch neue Modedrogen wie Crystal - nehmen zu. Und es verfestigt sich eine Gruppe von Jugendlichen mit Multiproblemlagen, die keinen Schulabschluss schaffen, keine Lehre bekommen - mit all den daraus folgenden Alltagsproblemen."

Dresden kämpft bereits seit Jahren mit steigenden Kosten für Erziehungshilfen, aus deren Topf zum Beispiel Heime, Familienberater, Jugendwohngruppen und ähnliche Angebote bezahlt werden. Im vergangenen Jahr stiegen diese Ausgaben von 40,7 auf 45,9 Millionen Euro. Für 2013 hatte das Jugendamt bereits einen noch höhere Prognose in der Kämmerei angemeldet - aber nur die besagten knapp 44 Millionen Euro bewilligt bekommen.

Das finanzielle Desaster wäre noch drastischer ausgefallen, wäre Dresden nicht bereits auf mehr Prophylaxe umgeschwenkt, so Lippmann: Während viele Weststädte ihre Erziehungshilfen immer ansetzen, wenn das Kind in den Brunnen gefallen sei, setze Dresden seit geraumer Zeit auf "Frühe Hilfen", argumentiert der Amtsleiter. Dazu gehören Beratungsbesuche bei Schwangeren und jungen Müttern, der Aufbau eines Familien-Hebammennetzes, aber auch das vergleichsweise engmaschige Kita-Netz in der Stadt. Dadurch würden viele Probleme von Kindern und Familien bereits früh erkannt und gelöst, so Lippmann.

Amt: Falldichte in Dresden am niedrigsten

Erfolge solcher Vorbeuge-Konzepte sind naturgemäß schwer messbar, da keiner sagen kann, wie sich eine Familie oder ein Kind ohne diese Hilfen entwickeln würde. Eine Begleitstudie der Uni Leipzig habe ergeben, dass die Intensivbetreuung junger Familie zunächst nur kleine Fortschritte im Vergleich zu "normal" betreuten Familien erzielt, räumt Hipke ein. "Aber die Wissenschaftler haben auch eingeschätzt, dass sich diese kleinen Veränderungen mit jedem Folgejahr potenzieren."

Schaut man nur darauf, was "hinten rauskommt", steht Dresden - trotz steigender Erziehungshilfekosten - in der Tat im Deutschlandvergleich gut da: Laut den Analysen einer Arbeitsgruppe des Deutschen Städtetages hat die sächsische Landeshauptstadt die niedrigste Falldichte unter allen deutschen Großstädten. Demnach kommen in Dresden statistisch 25,87 Erziehungshilfen pro 1000 Einwohner im Alter bis 21 Jahren. In Leipzig liegt diese Falldichte bei 32,59, in Berlin bei 52,6, in Bremen gar bei 67,86. Über die weitere Fallzahlen- und Kostenentwicklung werde er dem Jugendhilfeausschuss künftig monatlich schriftlich Bericht erstatten, versprach Lippmann.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.05.2013

Heiko Weckbrodt

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