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Grünen-Kommunalpolitiker Raoul Schmidt-Lamontain aus Hannover will Baubürgermeister werden

Grünen-Kommunalpolitiker Raoul Schmidt-Lamontain aus Hannover will Baubürgermeister werden

"Ich weiß, dass man nichts geschenkt bekommt", sagt Raoul Schmidt-Lamontain. In der Tat: Das Amt des Baubürgermeisters der Landeshauptstadt Dresden wird ihm nicht in den Schoß fallen.

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Wahlkämpfer Raoul Schmidt-Lamontain: Der Architekt auf Stimmenfang in Hannover.

Quelle: Archiv HAZ / Insa Cathérine Hagemann

Er muss es sich hart erkämpfen. Der Dresdner Grünen-Kreisverband ist in der Selbstfindungskrise, Schmidt-Lamontain bekam die Folgen zu spüren und sprach nach einer mehrstündigen Redeschlacht von einer "verkommenen Streitkultur" (DNN berichteten).

Dabei ist der 38-jährige Hannoveraner eher ein Mann der leisen Töne. Befragt man politische Weggefährten nach den Eigenschaften von Schmidt-Lamontain, fallen Wort wie ruhig und sachlich. So wirkt er in der Regel auch am Rednerpult, wo er sich auf Argumente beschränkt und sich die große politische Dresche für den Gegner zumeist verkneift.

Schmidt-Lamontain wohnt mit Frau und Sohn noch in Hannovers Nordstadt und damit dem Universität-Quartier. Studenten prägen die Gegend, in der es eine hohe Kneipendichte gibt. Die Grünen sind in der Nordstadt eine echte Größe: Bei den vergangenen Kommunalwahlen im Jahr 2011 holten sie 25,7 Prozent der Stimmen.

Seine politische Karriere hat Schmidt-Lamontain im Bezirksrat der Nordstadt begonnen, ganze 20 Jahre zählte er damals. Er wurde später Fraktionsvorsitzender. Weil die Stadt und der frühere Landkreis in Hannover heute gemeinsam die Region bilden - sie ist für Dinge wie Nahverkehr, Sozial- und Jugendhilfe, Abfallwirtschaft, Krankenhäuser, Umweltschutz und einiges mehr zuständig -, gibt es in dem Gebiet mit 1,1 Millionen Einwohnern die Regionsversammlung als politisches Gremium.

Das Denken in Regionen ist einer von vielen Ansätzen, die Schmidt-Lamontain in Dresden in die Waagschale werfen will. "Die Landeshauptstadt darf sich nicht losgelöst von ihrem Umland sehen. Wir müssen uns als eine gemeinsame Region verstehen und bei der Wohnungs-, Wirtschafts- oder Verkehrspolitik zusammenarbeiten", fordert der Grüne. "Wir müssen die Diskussion anschieben, wie wir uns als gemeinsamen Wirtschaftsraum begreifen und vermarkten wollen", will er den Kommunen von Pirna bis Meißen, von Freital bis Radeberg die Hand reichen.

In die Regionsversammlung Hannover wurde Schmidt-Lamontain vor neun Jahren gewählt. Er beackerte zunächst die Politikfelder Jugend und Regionalplanung. 2009 stieg er dort zum Fraktionsvorsitzenden auf und trat in große Fußstapfen, die sein Vorgänger Serdar Saris hinterlassen hatte. Eigentlich hatte eine Frau das Amt übernehmen sollen, aber es gab bei den Grünen zu viele Aspirantinnen, die einander gegenseitig aus dem Rennen nahmen. Streit ist längst nicht nur ein Dresdner Charakteristikum der Ökopartei.

Das Amt, das Schmidt-Lamontain als 32-Jähriger übernahm, ist anspruchsvoll. SPD und Grüne bilden in der Region seit deren Bestehen das Mehrheitsbündnis. Die beiden Fraktionen haben sich dazu verpflichtet, nur gemeinsame Beschlüsse zu fassen. Problem dabei ist, dass die Partner auch mal über Kreuz lagen. Schmidt-Lamontain hat so etwas in der Regel ganz gut moderiert, aber mindestens eine heftige Niederlage hinnehmen müssen. Es gelang den Grünen nicht, für Hannover eine neue Niederflur-Straßenbahn durchzusetzen.

Die Erfahrungen aus einem schwierigen Regierungsbündnis wird er in Dresden gut einbringen können, in der hiesigen rot-grün-roten Stadtratsmehrheit herrscht nicht nur eitel Sonnenschein. Gerade bei Bebauungsplänen müssen viele Interessenlagen beachtet werden. "Ich bin jemand, der Prozesse organisiert. Ich glaube, das ist das, was die Stadt braucht", sagt er über sich.

Derzeit arbeitet der Diplom-Architekt im hannoverschen Rathaus im Baudezernat als Koordinator für die Sanierungsgebiete. Er weiß, wie Verwaltung funktioniert, arbeitet mit mehreren Ämtern zusammen, plant Finanzen, akquiriert Fördermittel, koordiniert das Engagement privater Bauherren. Parallel absolviert er ein Studium im Bereich kommunales Verwaltungsmanagement.

Eine Befürchtung sandsteinverliebter Dresdner kann Schmidt-Lamontain zerstreuen: "Ich bin zwar ein Verfechter moderner Architektur. Aber ich kann das Bedürfnis vieler Dresdner nach historischen Gebäuden gut nachvollziehen." In Fraktionen des Stadtrates und beim designierten Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hat sich Schmidt-Lamontain bereits vorgestellt. Einhellige Meinung: "Er macht einen netten Eindruck." Mehr lässt sich nach einer Stunde Kennenlernen nicht sagen. Alles weitere muss sich Schmidt-Lamontain hart erarbeiten. Er wird nichts geschenkt bekommen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.07.2015

Bernd Haase und Thomas Baumann-

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