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Frust bei Neonazis nach Mini-Marsch am 13. Februar in Dresden

Frust bei Neonazis nach Mini-Marsch am 13. Februar in Dresden

Maik Müller, der Cheforganisator des „Trauermarsches“ Rechtsextremer am Jahrestag der Zerstörung Dresdens, war verzweifelt. „Die hören nicht auf mich. Ich habe sie doch schon zweimal aufgefordert, weiterzugehen“, beklagte er sich am Montagabend beim zuständigen Polizeiführer.

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Rund 2000 Nazis zogen am 13. Februar durch Dresden - allerdings nur auf einer 1,3 Kilometer langen Route.

Quelle: Dirk Knofe

Der hatte zuvor von Müller verlangt, sich auch seinerseits an Spielregeln zu halten und den Marsch fortzusetzen.

Doch etwa 400 Neonazis verspürten keinen Antrieb mehr, dem Aufruf des Kameraden Folge zu leisten. Als sie nach wenigen hundert Metern und begleitet von einem Großaufgebot der Polizei wieder zurück zum Ausgangspunkt dirigiert wurden, war ihnen plötzlich die Kürze ihrer Marschstrecke klar - sie konnten an der nächsten Querstraße noch das Ende des eigenen Aufzuges sehen.

Was war geschehen? Erneut hatten sich Tausende auf den Straßen von Dresden den Neonazis in den Weg gestellt und mehr als einen Mini-Marsch nicht zugelassen. Der Erkenntnis folgte Frust. Ein paar versuchten ihm in rechten Parolen Luft zu machen. Ordner bemühten sich um Mäßigung - schließlich war ein stiller Trauermarsch angekündigt. Dann folgte eine Verweigerung der Zurückgebliebenen im Schneckentempo. Nur noch zentimeterweise ging es weiter, immer wieder blieben sie stehen. Der Großteil des auf etwa 1600 Teilnehmer geschätzten Zuges war da schon lange mit der Abschlusskundgebung beschäftigt. Als die renitente Nachhut eintraf, hatte sich die Versammlung bereits aufgelöst. Beim Finale sinnierte der Organisator öffentlich darüber, „neue Wege“ gehen zu müssen.

Der Zwist in den eigenen Reihen kommt nicht überraschend. In den vergangenen Jahren hatte die Junge Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO) als Veranstalter des „Trauermarsches“ gewirkt. 2010 waren die Rechtsextremen von Tausenden Gegendemonstranten am Neustädter Bahnhof blockiert worden. Angesichts der Massen sah sich die Polizei außerstande, die vorgesehene Route zu räumen. Frostige Temperaturen zermürbten schon damals viele Neonazis, die aus ganz Deutschland und dem Ausland angereist waren. Ein Jahr später lief es für die Rechten nicht besser. Nach neuerlichen Blockaden mussten sie auch diesmal ohne Marsch die Heimreise antreten. Das steigerte den Frust auf die örtlichen Organisatoren. Wohl auch deshalb zog die JLO in diesem Jahr alle für Februar geplanten Aufzüge zurück.

Der sächsische Verfassungsschutz sieht als Grund einen Konflikt zwischen JLO und dem von „Freien Kräften“ dominierten „Aktionsbündnis gegen das Vergessen“, zu dem auch Müller gehört. Das Bündnis hatte die JLO nach den Erfahrungen vom Vorjahr als „innerlich tote Scheinorganisation“ bezeichnet, die „das Gedenken an die Toten (...) als letzte Existenzberechtigung missbrauche“, heißt es in einer Einschätzung der Verfassungsschützer. Mit Müller an der Spitze sollte es nun besser laufen. Am Tag danach fiel das Fazit unterschiedlich aus. Die rechtsextreme NPD verkaufte die Aktion „trotz versuchter linker Blockaden und einer verkürzten Wegstrecke“ als Erfolg. Die rechtsextreme Basis blieb kritischer: „Wir machen uns zum Gespött, wenn wir das als Erfolg werten“, hieß es im Internet. „Abgestellt auf einem Parkplatz und wie Hunde ’ne Runde um den Block geführt“, empfand ein anderer Schreiber.

Doch für viele Dresdner stellt sich schon am Tag danach die Frage:

Wie geht es weiter mit dem Gedenken an die Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg? Für kommenden Samstag ist eine große Demonstration gegen Rechts angekündigt. Ursprünglich wollten auch an diesem Tag Neonazis nach Dresden kommen. Ihren Aufzug sagten sie kurzfristig ab. Nach dem Ergebnis vom Montag sind die Chancen auf eine spontane Neuauflage eher gering. Die Gewerkschaft der Polizei befürchtet, dass trotzdem Linksextreme die Elbestadt als Bühne nutzen könnten. Dresdens Polizeipräsident Dieter Kroll glaubt vielmehr an ein friedliches „Fest der Demokratie und Lebensfreude“. Das „Bündnis nazifrei - Dresden stellt sich quer“ freute sich am Dienstag vor allem über eines: Dass sich Neonazis nun untereinander streiten.

Jörg Schurig, dpa / sl

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