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Drogen-Viertel Dresden-Neustadt? AfD-Äußerung sorgt größtenteils für Unmut unter Anwohnern

Drogen-Viertel Dresden-Neustadt? AfD-Äußerung sorgt größtenteils für Unmut unter Anwohnern

Drogenküchen in nahezu jedem Haushalt, Dealer an fast allen Ecken: Nach Meinung von Jörg Urban, Kreisvorsitzender der Alternative für Deutschland (AfD) in Dresden, herrschen in der Neustadt genau diese Zustände.

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Die Dresdner Alaunstraße.

Quelle: Dietrich Flechtner

Da „in fast jedem zweiten Haus ein Drogendealer wohnt“, wie er sagt, möchte seine Partei den Kampf gegen die Drogenkriminalität aufnehmen. Ob das nach Ansicht der Neustadt-Bewohner überhaupt notwendig ist und ob das Szeneviertel tatsächlich ein Drogenproblem hat, haben wir in einer Umfrage zu ergründen versucht.

 „Ich glaube schon, dass es in der Neustadt mehr Drogen gibt als in anderen Stadtteilen“, meint zum Beispiel die 21 Jahre alte Anwohnerin Theresa L. Sie habe auch in der Altstadt gewohnt, wo es deutlich weniger Konsum gab. „Hier wird besonders viel gekifft. Es zieht öfter eine Wolke durchs Fenster in mein Zimmer.“ Dennoch gebe es dringendere Sachen, um die sich die Politik kümmern müsste, Kita-Plätze und Bildungsangebote zum Beispiel. „Die Äußerung von Herrn Urban ist schon weit her hergeholt.“

„Das Drogen-Thema wird in den Medien dramatisiert. In jedem subkulturellen Viertel sind Drogen im Umlauf, so auch in der Neustadt“, sagt die 25-jährige Julia Runov. Dennoch zweifelt sie sehr daran, dass es in jedem zweiten Haus einen Dealer gibt. Vor allem konsumierten die Neustädter Haschisch, das man nach Ansicht der 25-Jährigen legalisieren sollte, um den Reiz des Verbotenen zu verringern. Härtere Drogen seien in der Neustadt aber nicht weiter verbreitet als anderswo. „Das ist Panikmache. Das Problem ist nicht erwähnenswert.“

Kritischer sieht das die 24 Jahre alte Lydia, die ebenfalls in der Neustadt wohnt: „Ich habe auch das Gefühl, dass das Drogen-Problem größer geworden ist, vor allem am Albertplatz. Im Grunde hat Herr Urban Recht.“ Er spreche das Problem wenigstens an und wahre nicht, wie andere Parteien, den Schein. „Ich spreche nicht von harmlosen Gras-Dealern, sondern von den harten Drogen wie Crystal. Man sieht hier auch immer mehr Kinder, die mit riesigen Augen durch die Straßen laufen. Wenn die den Absprung in zwei Jahren nicht geschafft haben, werden die keine schöne Zukunft haben.“

„Ich bin hier noch nie mit Drogen in Kontakt gekommen, mir hat auch nie jemand etwas angeboten“, beschreibt hingegen der 39 Jahre alte Michael Hauswald. „Natürlich gibt es in der Neustadt bestimmte Ecken, in denen die Leute etwas skurriler drauf sind, aber woher die Drogen bekommen, weiß ich wirklich nicht.“ Er vermutet hinter der Aussage des AfD-Kreisvorsitzenden den Versuch, ein seltsames Licht auf das Multikulti-Viertel werfen zu wollen.

Dieser Meinung ist auch die 17-jährige Nadja Fiebig. „Herr Urban und seine konservative Partei wissen schon, wie sie ihre Wählerschaft animieren können. Dass das linke Viertel Neustadt nicht sehr beliebt ist bei den AfDlern, ist ja klar. Insofern betreibt er schlicht Öffentlichkeitsarbeit.“ Ihre Nachbarn seien auf gar keinen Fall Dealer, die Aussage schlicht lächerlich.

Auch Dresdner Kommunalpolitiker meldeten sich am Dienstag zu Wort. So äußerte Christoph Meyer, SPD-Ortsbeirat: „Das ist keine Feststellung, sondern eine Unterstellung. Und die ist, solange die AfD keine Belege vorzeigt, bodenlos. So wie auch die AfD in der Neustadt kein Bein auf den Boden kriegt.“ Valentin Lippmann, Ortsbeirat der Grünen, sieht das ähnlich: „Was hat Herr Urban eigentlich genommen, dass er zu solchen Feststellungen kommt? Ich glaube, mit solchen Äußerungen will er die Inhaltsleere seiner Partei überdecken.“

Klare Worte findet zudem die SPD-Ortsbeirätin Johanna Thoelke: „Die pauschale Kriminalisierung eines ganzen Stadtteils ohne Nennung irgendeiner Quelle ist hochgradig unprofessionell. Aber was will man von einer Partei erwarten, die Polemik mit Politik verwechselt. Ich bin gespannt, womit die AfD Dresden in den nächsten fünf Jahren auffallen wird - politisch relevant wird es nicht sein.“

"Aktuelle Erkenntnisse belegen das absolute Gegenteil", sagt Jan Frintert, Betreiber des Stadtteil-Blogs "Neustadt-Geflüster". "Bei mehr als 100.000 Besuchern zum Republikgeburtstag (BRN, Anmerk. der Red.) stellte die Polizei insgesamt fünf Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz fest. Aber möglicherweise begreift Herr Urban ja auch Kaffee und Bier als Drogen, davon gibt es in der Neustadt allerdings reichlich.“

Christin Grödel

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