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Dresdner Pläne zur Suchtprävention sorgen für viel Wirbel

Dresdner Pläne zur Suchtprävention sorgen für viel Wirbel

Breite Debatte um die Pläne zur Suchtprävention in der Stadt: Unter dnn-online erntete die Suchtbeauftragte Kristin Ferse vielfach Zustimmung für ihren Kampf um nikotin- und alkoholfreie Bereiche in der Stadt.

In Behörden und öffentlichen Betrieben herrscht meist noch vornehme Zurückhaltung, wenn es um klare Regeln gehen soll.

Mit einer erstmals aufgestellten Strategie zur Suchtprävention hat der Stadtrat kürzlich der Suchtbeauftragten eine Mammutaufgabe erteilt. In Bussen, Bahnen, Bädern und dem Zoo soll weder geraucht noch Alkohol getrunken werden. Obwohl derzeit meist nur vom zunehmenden Crystal-Konsum die Rede ist, stellt Alkohol noch immer das Suchtproblem Nummer 1 der Dresdner dar. Er gilt neben Tabak als Einstiegsdroge. Neben dem Verhalten will Ferse daher auch die Verhältnisse ändern. Alkohol und Zigaretten sollen Schritt für Schritt aus dem öffentlichen Raum verdrängt werden, vor allem da, wo Familien mit Kindern unterwegs sind. Für das ambitionierte Programm hat Ferse nun zehn Jahre Zeit und eine Mitarbeiterin.

Vor allem die Einschränkungen im Bereich der Verkehrsbetriebe stoßen bei den DNN-Lesern im Internet auf viel Zustimmung. Viele stört das Rauchen in Wartehäuschen, vor allem bei Regen. Was in Bussen und Straßenbahnen so abgeht, findet einer, sei schon übel. Ob das ein Alkoholverbot ändert, wagt er jedoch zu bezweifeln! Doch es gibt auch kritische Stimmen. Wenn er mal am Wochenende ins Arnhold-Bad gehe, wolle er seine zwei, drei Bier trinken, meint einer. Das habe nichts mit Sucht zu tun, sondern mit Lebensqualität und ein anderer sieht die Hexenjagd auf Raucher jetzt auch im Freien eröffnet.

Plötzliche Abstinenz wird Rauchern und Biertrinkern wohl auch nicht drohen. Die Suchtbeauftragte hatte gegenüber DNN schon erklärt, dass sie nichts von Aktionismus hält. "Es nützt nichts, einfach Verbotsschilder aufzustellen, wenn sie dann nicht beachtet werden." Sie strebt eine gute Balance zwischen Änderungen am Verhalten und an den Verhältnissen an. Rauchen und Alkohol sollten aus der Öffentlichkeit verdrängt werden, weil damit der "Normalität" des Konsums von Suchtmitteln begegnet werden könne. Daher nimmt sie auch öffentliche Werbung für Zigaretten und Bier aufs Korn.

Das Strategiepapier sei erst im Juli vom Stadtrat beschlossen worden, heißt es in der Stadtverwaltung. Es setze den fachlichen Rahmen für die städtische Präventionsarbeit der nächsten zehn Jahre. Nunmehr könne der sich "logisch anschließende Planungs- und Umsetzungsprozess auf Arbeitsebene beginnen". Das gehe nur im Miteinander mit Partnern in und außerhalb der Stadtverwaltung. Die notwendigen Absprachen würden sukzessive in den nächsten Wochen anlaufen. So blieb zunächst offen, ob die Stadtverwaltung etwa für die städtischen Bäder eine ähnliche Satzung plant, wie es sie für Spielplätze bereits gibt. Darin ist das Rauchen und Alkoholtrinken auf diesen Flächen untersagt.

Vornehme Zurückhaltung bei Behörden und Betrieben der Stadt

Explizite Verbote sind sonst seltener. "Ein konkretes und generelles Rauch- und Alkoholverbot gibt es im Zoo nicht", erklärt Zoo-Geschäftsführer Karl-Heinz Ukena auf DNN-Anfrage. Da überwiegend Familien mit Kindern den Zoo besuchten, sei das Thema Alkohol im öffentlichen Bereich dort eher von untergeordneter Bedeutung. "Das Einrichten von Raucherzonen im Zoo haben wir intern mehrfach diskutiert", erläutert er. Ein Rauchverbot existiere selbstverständlich in allen Tierhäusern. "Allerdings nicht im gesamten Zoo, da wir hier eher auf die Einsicht unserer Gäste setzen, was nach meiner Wahrnehmung auch überwiegend gut klappt."

Auch die Verkehrsbetriebe setzen bislang auf die Vernunft der Menschen, erklärt DVB-Sprecher Falk Lösch. Ein Rauchverbot bestehe natürlich bereits in allen Bussen und Bahnen. An den Haltestellen gibt es jedoch nur den dezenten Hinweis: "Schön, dass Sie hier nicht rauchen." Viel mehr als dieser Appell sei im öffentlichen Verkehrsraum bei der derzeitigen Gesetzeslage nicht möglich. In den Bahnen ist es schon jetzt untersagt, wird "die Mitnahme von zum sofortigen Verbrauch bestimmter Nahrungsmittel und Getränke grundsätzlich nicht gestattet", wie es in den Beförderungsbedingungen heißt. Ausnahmen könnte das Fahrpersonal zulassen. Das wissen viele wahrscheinlich gar nicht und es zielt auch mehr auf die Vermeidung von beschmutzten Sitzen oder Kleidungsstücken anderer Passagiere. Um Suchtprävention im Sinne von Frau Ferse geht es da weniger.

Die Fahrer und Kontrolleure würden die jeweilige Situation mit Fingerspitzengefühl bewerten, meint Lösch. Schließlich will die DVB ja auch, dass Leute, die Alkohol getrunken haben, mit der Bahn fahren.

Mit situationsbedingtem Feingefühl wird es bei der Werbung für Alkohol an den Straßenbahnen beispielsweise nicht getan sein. Die Verkehrsbetriebe erhalten von ihrem zentralen Werbeflächenvermarkter einen siebenstelligen Betrag pro Jahr. Der Vermarkter refinanziert das nicht zuletzt mit der Reklame für den Gerstensaft regionaler Brauereien. "Wenn die Stadt als Unternehmensmutter sagen würde, ihr müsst darauf verzichten, dann würden wir dem natürlich folgen", betont Lösch. Das würde aber finanzielle Fragen aufwerfen. "Wir können von uns aus nicht einfach auf die Einnahmen verzichten, dann müsste schon gesehen werden, wie das kompensiert werden kann."

Sobald es um Geld geht, wird es schwierig, war Kristin Ferse von vornherein klar.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.08.2015

Ingolf Pleil

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