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Dresdner Piraten wollen mit Authentizität und Offenheit den Bundestag entern

Dresdner Piraten wollen mit Authentizität und Offenheit den Bundestag entern

Das Internet und seine Gefahren sind die großen Themen der Piratenpartei. Trotzdem müssen die Mitglieder in Wahlkampfzeiten auch in den analogen Modus umschalten.

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Quelle: Stephan Hönigschmid

Plakate anbringen und Flyer verteilen steht auch bei ihnen auf dem Programm. DNN-Online hat die Dresdner Direktkandidaten Sebastian Harmel und Anna Katharina Vogelgesang beim Straßenwahlkampf begleitet.

Dass Wahlkampf Spaß machen kann, merkt man den Dresdner Piraten sofort an. Gleich beim Betreten der Landesgeschäftsstelle in der Kamenzer Straße trifft man auf freundliche Menschen mit lachenden Gesichtern. Besonders die beiden Direktkandidaten Sebastian Harmel und Anna Katharina Vogelgesang sprühen nur so vor Enthusiasmus.

 

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Gerade für eine kleine Partei ist der Konakt zum Wähler sehr wichtig. Hier übergibt Sebastian Harmel einen Flyer an die 18-jährige Irina.

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Deutlich ist zu spüren: Hier sind zwei, die etwas bewegen, etwas verändern wollen. Hinzu kommt eine erstaunliche Erkenntnis: Dem typischen Klischeebild vom unsozialen Computernerd mit zerrissener Kleidung, das viele von Mitgliedern der Piratenpartei haben, entsprechen sie ganz und gar nicht. Da wundert es kaum, dass sowohl der Zeitsoldat Harmel als auch die examinierte Altenpflegerin Vogelgesang nicht durch Computerthemen zu den Piraten gekommen sind.

„Ich bin eigentlich voriges Jahr nur durch die Prager Straße gefahren, um den Kopf wieder frei zu kriegen, als mich der Stand der Piratenpartei neugierig gemacht hat“, erinnert sich Harmel. Vor Ort habe er gefragt, was die Partei denn zur deutschen Verteidigungspolitik sagt. „Bisher nichts, aber Du kannst gern mitmachen“, bekam er schließlich zur Antwort und nahm das Angebot wahr.

„In der Folgezeit habe ich jede Menge Anträge geschrieben, die dann auch auf Parteitagen besprochen wurden“, betont der 31-Jährige, der bereits zwei Mal in Afghanistan und im Kosovo im Einsatz war. Im Wahlkampf liegt es ihm am Herzen, die Menschen aktiv anzusprechen. „Ich verteile zwar Flyer, sage aber auch: Informiere Dich selbst.“ Ihm sei das wichtig, damit jeder an Entscheidungen mitwirken kann, so Harmel.

Dass dies keine Lippenbekenntnisse sind, beweist die Internetseite www.openantrag.de. Hier können Bürger bereits heutigen Piratenabgeordneten ihre Wünsche und Ideen in Form eines Antrages mitteilen. Genau diese Offenheit schätzt Sebastian Harmel an der Piratenpartei. „Bei uns wird niemand entmündigt. Den Versuch, grundsätzlich Dinge anders anzugehen und sich der direkten Demokratie anzunähern, finde ich inspirierend“, sagt der 31-Jährige.

Eine ähnliche Einstellung prägt das Handeln seiner Kollegin Anna Katharina Vogelgesang. „Wir möchten die Leute da abholen, wo sie sind. Jeder muss die Möglichkeit haben, mitzumachen“, denkt die 28-Jährige. Sie selbst habe im Altenheim an der Königsbrücker Straße erlebt, wie die Bewohner mit Problemen an sie herangetreten seien.

„Einer Bewohnerin war aufgrund ihres Alters zum Beispiel der Weg von der Tannenstraße zum Alaunpark zu steil. Wir haben daher erst einmal bei der Stadt angefragt, wie der Bebauungsplan für das Gelände aussieht und im Ortsbeirat vorgeschlagen, ihn zu einem serpentinenartigen Weg umzugestalten“, so Vogelgesang. Diesen direkten Kontakt mit den Menschen mag die Kandidatin besonders.

„Ich schreibe deshalb auf mein Wahlkampf-Fahrrad hinten auch drauf: Sprich mich an“, sagt die Piratin. Obwohl sie kein Technik-Freak sei, gefalle ihr am Internet, dass sich die Menschen unkompliziert an politischen Prozessen beteiligen könnten. Anders als die etablierten Parteien würden die Piraten diese Impulse auch von Nicht-Parteimitgliedern gern aufnehmen, sagt die 28-Jährige.

Trotz ihrer unkomplizierten Art erreichen die beiden Kandidaten mit ihrer Botschaft allerdings nicht jeden. „Neulich hatten wir in Gorbitz einen Stand, an dem wir die Internetspionage durch den amerikanischen Geheimdienst NSA thematisiert haben. Dort kamen leider nur zehn Leute vorbei. Wahrscheinlich ist die Gefahr für viele noch zu abstrakt“, so Harmel. Auch eine Aktion in Chemnitz, bei der Parteimitglieder als verkleidete NSA-Agenten herumliefen, verschreckte die älteren Leute.

Wer nun allerdings denkt, dass sich nur junge Leuten für die Piraten interessieren, der irrt. An ihren Wahlständen kommen sie fast mit allen Altersgruppen ins Gespräch. „Bis auf die Gruppe der 45- bis 65-jährigen Männer erreichen wir eigentlich fast jeden“, sagt Harmel.

Auch auf ihrer Plakatiertour durch die Stadt gehen die Piraten immer wieder spontan auf Passanten zu und unterhalten sich mit ihnen. „In ersten Linie verteilen wir zwar unsere Flyer, aber ab und zu ergibt sich auch ein gutes Gespräch“, betont der Zeitsoldat.

Stephan Hönigschmid

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