Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Dresdner OB-Kandidatin Eva-Maria Stange will "Dresden eine Perspektive geben"

Dresdner OB-Kandidatin Eva-Maria Stange will "Dresden eine Perspektive geben"

Irgendjemand wird sich etwas dabei gedacht haben. Auf einer Baustelle stellt die unabhängige Wählerinitiative "Gemeinsam für Dresden" ihre Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahlen im Juni vor - Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange.

Voriger Artikel
Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping: Es ist ein ganz breites Sammelsurium
Nächster Artikel
Dresdner Stadtrat vertagt Hafencity

Eva-Maria Stange ist nun offiziell Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl im Juni: "Ich fühle mich stark."

Quelle: Dietrich Flechtner

Die 57-Jährige will die Gemeinschaft in der Stadt bewahren und der Metropole eine neue Perspektive geben.

"Ich habe lange gezögert, ob ich es kann und will und die nötige Unterstützung habe", erklärte Stange vor den Journalisten im Kinosaal des Schlosses. Sie habe enormen Respekt vor diesem Amt. "Ich will es, weil ich diese Stadt ungeheuer liebe", erklärte die SPD-Politikerin. Als damalige Bundesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW habe sie acht Jahre in Frankfurt/M. gearbeitet und sei gependelt. In der hessischen Metropole habe sie in einem Stadtteil mit 70 Prozent Ausländern gelebt, war umgeben von vielen Nationalitäten, deren Sprachen sie leider nicht beherrsche. Russisch und Englisch sei da am wenigsten zu hören gewesen. "Hier in Dresden habe ich mich gefragt, wie arm die Stadt ist an kultureller Vielfalt, an Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen." Für sie sei nicht erst in den letzten Tagen klar geworden, hier muss sich etwas ändern.

Für ihre Kandidatur sei ihr wichtig, nicht nur von einer Partei gefragt zu werden. "Es sind die Bürger selbst, das entspricht dem Amt." Als Oberbürgermeisterin will sie der Spaltung der Bürgerschaft entgegentreten, der Stadt eine moderne Perspektive geben. Bei ihrer Kandidatur setze sie auf die zugesagte Unterstützung von Grünen, Linken und SPD. Ihre Schnittmenge mit dem Kooperationsvertrag dieser Parteien im Stadtrat sei sehr hoch und sie kenne auch deren Erwartungshaltung an sie als Oberbürgermeisterin. Wenig überraschend begrüßten gestern der Stadtvorstand der Grünen und die SPD-Stadtratsfraktion Stanges Kandidatur, die nach langen Spekulationen bereits am Vortag erstmals aus den Reihen der Grünen bestätigt worden war (DNN berichteten). Stadtrat und Stadtverwaltung sollten an einem Strang und vor allem in die gleiche Richtung ziehen, hieß es bei der Linkspartei. "Dazu braucht es den Wechsel an der Stadtspitze", erklärte der Chef der Linken-Stadtratsfraktion, André Schollbach, ohne Stange zu erwähnen. Ohne dieses Bündnis im Kreis der Unterstützer hätte Stange nicht kandidiert.

Es gebe aber in der Stadt auch viele parteilose Bürger, erklärte die verheiratete Mutter von drei Kindern, deshalb gehe ihr Programm, das in Kürze gemeinsam mit der Wählerinitiative vorgelegt werden soll, über die Positionen der Parteien hinaus. Ihre Wahlplakate würden ohne Parteilogo auskommen, kündigte sie an.

Zuvor hatte Soziologie-Professor Karl-Siegbert Rehberg als Initiator der Wählerinitiative erklärt, die Stadt brauche eine Person, die Kommunikations-, Integrations- und Vermittlungsfähigkeit in gleichem Maße mitbringe. "Frau Stange ist genau die richtige Frau", sagte der TU-Wissenschaftler, der an der Spitze von 45 Erstunterzeichnern der Wählervereinigung steht. Unter anderen zählen dazu auch der frühere Umweltbürgermeister der Stadt, Klaus Gaber, der Dresdner Student Eric Hattke, Professor Ralf Evers von der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit (ehs) sowie die Tänzerin und Choreographin Johanna Roggan, die gestern Rehberg begleiteten. Ferner gehört neben Nora Goldenbogen (Jüdische Gemeinde) auch Diplom-Pädagogin Katharina Saalfrank dazu, die mit der RTL-Sendung "Super-Nanny" bundesweit bekannt wurde. Das bestätigte Rehberg den DNN. Saalfranks Bezug zu Dresden blieb zunächst unklar. Da die Wählervereinigung nicht im Stadtrat vertreten ist, muss sie 240 Unterstützer-Unterschriften für ihren Wahlvorschlag vorlegen.

"Dresden ist nicht der Nabel der Welt, aber die Stadt wird in der Welt wahrgenommen", erklärte Stange. Deshalb müsse die Landeshauptstadt bald ein anderes Gesicht zeigen als derzeit mit Pegida. Dresden müsse beweisen, dass es weltoffen ist, nicht nur gegenüber Fußballern oder hochqualifizierten Wissenschaftlern, sondern auch gegenüber Flüchtlingen, die einfach nur ihre Ruhe brauchen. Einen Beitrag dazu leiste beispielsweise das Netzwerk Weltoffenes Dresden, für das sie und Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) die Schirmherrschaft übernommen haben und das auch die Veranstaltung des Vereins "Place to be" am 26. Januar auf dem Dresdner Neumarkt unterstütze.

Die Ministerin erklärte sich grundsätzlich gesprächsbereit mit den Demonstranten in Dresden. Schon als Landtagsabgeordnete aus dem Gorbitzer Wahlkreis habe sie seit Jahren das Gespräch mit den Bürgern gesucht. "Mit der Pediga-Führung gibt es angesichts der gegenwärtigen Äußerungen aber keine Grundlage für einen Dialog", erklärte sie Stunden vor dem Rücktritt von Pegida-Organisator Lutz Bachmann. Deren Programmpunkte hätten nichts mit dem zu tun, was sie auf den Demos sagten und das wiederum nicht viel mit den Interessen vieler Demonstranten. Es gebe kein allgemeines Rezept zum Umgang mit Pegida, weil dies auch keine einheitliche Gruppierung sei.

Stange sagte, sie komme mit ihren beiden bislang bekannten Gegenkandidaten, Innenminister Markus Ulbig (CDU) und Dresdens Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), gut klar. "Ich hoffe auf einen fairen Wahlkampf." Sollte sie nicht gewählt werden, bliebe sie Ministerin. Als Oberbürgermeisterin würde sie dieses Amt natürlich abgeben, alle Parteiämter niederlegen, aber SPD-Mitglied bleiben. Trotz eines schweren Bandscheibenvorfalls vor zwei Jahren sei sie fit dafür. "Ich fühle mich stark." Mit ihren Ansagen schafft sie sich eine Menge Baustellen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.01.2015

Ingolf Pleil

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Stadtpolitik
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.