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Dresdner Linke moniert geplanten Straßenname "Berta Dißmann"

Dresdner Linke moniert geplanten Straßenname "Berta Dißmann"

Was wie eine Formalie anmutet, birgt historischen Zündstoff. Morgen wird der Stadtrat über eine scheinbar profane Straßenbenennung in Langebrück entscheiden.

Die Planstraße B im Wohngebiet "An der Heide" soll zukünftig Bertha-Dißmann-Straße heißen.

Die Sache hat jedoch einen Haken: Die 1874 geborene Kochbuch-Autorin aus Langebrück ist nach Meinung der Linken eine völlige Fehlbesetzung. In einem historischen Aktenauszug wird die Hauswirtschaftlerin als politisch unbedenklich eingestuft. Sie "bejaht Staat und Bewegung" und "politische Zuverlässigkeit ist gegeben", heißt es in der Beurteilung der NSDAP-Kreisleitung aus dem Jahr 1939. Mitglied der NSDAP war sie jedoch nicht. "Die Benennung einer Straße nach Berta Dißmann ist nicht tragbar", sagte Stadtrat Tilo Wirtz (Linke). "Wir fordern, diesen Antrag zurückzuziehen." Dißmann soll sich zudem mit den Pamphleten "Frauen, helft siegen" und "Wer spart, hilft siegen" im 1. Weltkrieg kriegsbejahend geäußert haben.

Die Krux: Der Vorschlag wurde von den Linken selbst gemacht. Ortschaftsrat Hans-Werner Gebauer (Linke) hatte Berta Dißmann als Namensgeberin in die Diskussion eingebracht. Gebauer weist die Vorwürfe von sich, er habe mehr als acht Wochen umfangreich recherchiert. "Sowohl im Staatsarchiv als auch im Stadtarchiv erhielt ich stets die Auskunft, dass zu Bertha Dißmann nichts da sei", sagte Gebauer. Wirtz bleibt bei der Kritik: "Eine Straßenbenennung ist eine der nachhaltigsten Ehrungen, die es gibt. Man sollte ganz genau überlegen, wem man diese zuteil werden lässt." Der Stadtrat sieht vor allem die Verwaltung in der Verantwortung. "Der Antrag ging durch viele Hände und niemand ist stutzig geworden", sagte Wirtz. In anderen Städten sei es üblich, die Biografien potenzieller Namensgeber gründlich zu überprüfen. Er selbst habe per Mail unkompliziert beim Bundesarchiv nachgefragt und in zwei Wochen Antwort erhalten. Christian Hartmann (CDU), Landtagsabgeordneter und Langebrücker Ortsvorsteher, erklärte: "Meine Ortschaft bemüht sich um Weltoffenheit und Integration, wir haben viele multikulturelle Projekte", sagte Hartmann.

Wirtz hat nach eigenen Angaben bereits 2009 auf eine Namensverfehlung hingewiesen. Damals sollte eine Straße nach Felix Graf von Luckner benannt werden. Der Offizier war jedoch nicht nur Hitler-Befürworter, sondern hatte zudem ein Kind missbraucht. Die Bürgermeisterin zog den Antrag damals zurück.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.09.2013

kt

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