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Dresdner Gruppe "Selbsthilfe Aktiv mit Depression" mit Preis ausgezeichnet

Dresdner Gruppe "Selbsthilfe Aktiv mit Depression" mit Preis ausgezeichnet

Als Jörg Freiershausen das erste Mal mit immer wiederkehrenden Rückenschmerzen zum Arzt ging, konnte dieser keine körperlichen Ursachen feststellen. Erst viel später wurde die eigentliche Ursache seines Leidens diagnostiziert - Freiershausen hatte eine Depression.

Der studierte Elektrotechniker begab sich in Therapie und lernte, dass es wichtig ist zu akzeptieren, dass eine Depression kein Hirngespinst ist, nichts bei dem man sich "einfach mal zusammenreißen" kann, sondern eine handfeste Krankheit, die behandelt werden kann. Das ist über 15 Jahre her.

Während seiner Behandlung lernte Freiershausen andere Depressive kennen und gründete zusammen mit zwei Leidensgenossen 1997 die Selbsthilfegruppe "Selbsthilfe Aktiv mit Depression". Diese trägt die Abkürzung SAD, was im Englischen so viel wie traurig bedeutet.

Aufgrund ihres weitreichenden Engagements wurde die Selbsthilfegruppe mittlerweile mit dem Sächsischen Selbsthilfepreis der Ersatzkassen ausgezeichnet. Denn bei SAD spielt neben gegenseitiger Hilfe auch Aufklärung rund um das Thema Depression eine große Rolle. Freiershausen geht es darum, keine "Jammergruppe" zu sein. Zu den Gruppentreffen könnten sich die Mitglieder natürlich über ihre Erfahrungen mit der Krankheit austauschen.

Vor allem aber soll die Eigeninitiative der Erkrankten gefördert und Wege zurück in ein selbstbestimmtes Leben gezeigt werden. Darum sind Freiershausen gute Kontakte zu hiesigen Krankenhäusern und Therapiestellen wichtig. "Wir sind keine Alternative zu einer professionellen ärztlichen Behandlung. Wir wollen jedoch ein Netzwerk aufbauen, um Erkrankten die richtigen medizinischen Anlaufstellen empfehlen zu können." Außerdem sei es eines der Hauptanliegen der Gruppe, die Krankheit Depression aus der "Psychoecke" herauszuholen und durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit Berührungsängste zu minimieren.

"Für viele Arbeitnehmer und -geber ist Depression ein Tabuthema, was den Umgang mit den Beschwerden im Alltag zusätzlich erschwert. Depression ist eine Krankheit - genauso wie Bluthochdruck. Man darf sich nur nicht davor scheuen, zum Arzt zu gehen." Daher hält Freiershausen aufklärende Vorträge mit dem Titel "Depression aus der Sicht eines Betroffenen" oder gibt Workshops zum Thema "Depression am Arbeitsplatz".

Anfragen dazu kommen oft von Berufsausbildungszentren oder vom Arbeitsamt, die damit die Sensibilität der Schulungsteilnehmer für die Krankheit erhöhen möchten. Dieses Interesse freut Freiershausen, denn durch den persönlichen Austausch könne das Verständnis für die Krankheit viel besser gelingen. Zudem hat er den Aktionstag Depression in Dresden am 29. September, der mit einem Lauf gegen Depression durch die Dresdner Altstadt begangen wurde, mitorganisiert. Mit dem Lauf sollte der erfolgreichen Dresdner Läuferin Jana Bürgelt gedacht werden. Bürgelt war ebenfalls depressiv und nahm sich 2010 mit nur 22 Jahren das leben.

Depression ist eine Krankheit, die zu Kraftlosigkeit und irrationalen Ängsten führt. Betroffene leiden häufig an Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörungen und organisch nicht diagnostizierbaren Schmerzen. Zudem neigen Depressive dazu, ihr Leben als hoffnungslos zu betrachten und haben dadurch wenig Interesse an ihrer Umgebung, so die Selbsthilfegruppe. Allein in Deutschland leben schätzungsweise vier Millionen Betroffene.

Inzwischen haben über hundert Depressive Kontakt zur Selbsthilfegruppe gesucht. Einige bilden einen festen Stamm in der Gruppe, anderen half sie, den Weg in ein selbstständigeres Leben zurückzufinden. Mit den 1000 Euro Preisgeld des Sächsischen Selbsthilfepreises konnte ein Beamer angeschafft werden, um die Öffentlichkeitsarbeit noch effektiver zu gestalten. Das übrige Geld hat Jörg Freiershausen beiseite gelegt - für die anstehende Feier zum 15-jährigen Bestehen.

Ansprechpartner: Jörg Freiershausen

Tel.: 0351/45 90 256

www.sad-dresden.de

Treffpunkt jeweils am ersten und zweiten Donnerstag des Monats, 17:30 - 19:15 Uhr in den Räumen der GESOP auf der Michelangelostr. 11 in Dresden-Zschertnitz.

Christina Heiduck

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.12.2012

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