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Dresdens Wirtschaftsbürgermeister gehen langsam die Gewerbegebiete aus

Dresdens Wirtschaftsbürgermeister gehen langsam die Gewerbegebiete aus

Weil ein Großteil der Dresdner Industrie in naher Zukunft mit mehr Aufträgen rechnet, zudem viele Unternehmen nun internationaler agieren wollen, investiert der hiesige Mittelstand derzeit kräftig in den Ausbau seiner Fabriken und Büros.

Eine Folge: "Der Abverkauf von Grundstücken in unseren kommunalen Gewerbegebieten ist so stark wie seit Jahren nicht mehr", sagte Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert. Er will daher jetzt den schon lange geplanten "Wissenschaftspark Ost" zwischen Reicker Straße und Fraunhofer-Campus forcieren. Nach der Sommerpause werde er im Stadtrat beantragen, die dafür nötigen Grundstücke von der Gagfah anzukaufen - der Wohnungsgesellschaft gehört ein Großteil der Flächen des inzwischen größtenteils abgerissenen Plattenbauviertels nördlich der "Reicker".

Mit 37 Hektar Gesamtfläche und Erschließungskosten von über 30 Millionen Euro wird der neue Wissenschaftspark das bisher größte Gewerbegebiet-Projekt der Stadt sein - "noch vor Coschütz-Gittersee", so Hilbert. Die Wirtschaftsförderer wollen dort ab 2016/17 vor allem technologieorientierte Jung-Unternehmen sowie Firmen-Ausgründungen der benachbarten Fraunhofer-Institute ansiedeln. Voll erschlossen und besiedlungsbereit werde dieses jüngste Gewerbegebiet der Kommune aber erst Mitte der 2020er Jahre sein, schätzt der Bürgermeister. Im ersten Schritt soll daher zunächst ein neues Technologiezentrum nördlich der Gleise entstehen.

Hintergrund der langen Projektdauer: Zwar ist der Grundstücks-Deal mit der Gagfah - aus Hilberts Warte - bereits nahezu ausverhandelt. Doch kleinere Areale gehören der Deutschen Bahn und anderen Eignern. Auch werden zwar nicht gleich, aber auf längere Sicht einige Kleingärten dem Projekt weichen müssen - da ist Gegenwind zu erwarten. Das wohl größte bürokratische wie physische Hindernis ist aber der Bahndamm zwischen Reicker und Winterbergstraße: Nur wenn es gelingt, einen vor Jahren aufgegebenen Dammtunnel vom Fraunhofer-Campus aus zu reaktivieren, wäre der Wissenschaftspark auf der anderen Seite der Gleise für Institutsausgründungen - die in der Anfangsphase meist auf die Spezialtechnik in den Forschungseinrichtungen angewiesen sind - wirklich interessant. Da aber viele bundes- und bahnrechtliche Bestimmungen zu beachten sind, dürfte der Tunnel laut Schätzungen des Straßen- und Tiefbauamtes wohl erst in etwa zehn Jahren für Autos befahrbar sein. Übrigens halten sich die Stadtplaner die Option offen, diese Erschließungsstraße für den Wissenschaftspark später bis zur B 172 zu verlängern, was für neue Verkehrsströme im Dresdner Osten sorgen dürfte.

Dass Hilbert beim "Wissenschaftspark Ost" jetzt so auf die Tube drückt, hängt auch mit der wachsenden Auslastung der anderen kommunalen Gewerbegebiete und Technologieparks zusammen. In das Gewerbegebiet Reick beispielsweise will bald die Kunststofftechnik Dresden umziehen, dann ist das Areal nahezu vollständig ausgelastet - abzüglich einiger Reserveflächen für spätere Erweiterungen bereits ansässiger Firmen. Ebenso füllt sich der zweite Bauabschnitt des Gewerbegebiets Coschütz-Gittersee. Nach langen Geburtswehen findet inzwischen auch das Klotzscher Nanozentrum in den ehemaligen ZMD-Gebäuden mehr Interessenten - die Auslastung liege jetzt bei etwa 70 Prozent, so Hilbert. Einzig das Interkommunale Gewerbegebiet in Heidenau siecht noch leer vor sich hin. Aber die Wirtschaftsförderer können ansiedlungswillige Unternehmen nun mal nicht zwingen, so weit an den Stadtrand zu ziehen.

Unterm Strich drohen der Stadtverwaltung langsam geeignete Flächen für Investoren auszugehen - und damit neue Jobs durch die Lappen zu gehen. "Wir haben noch einen Grundstücks-Vorrat für vielleicht fünf bis sechs Jahre", sagt Hilbert. "Deshalb drängt der Wissenschaftspark Ost auch so."

Weckbrodt, Heiko

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