Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Dresdens Sportvereine werden immer mehr aus Schulsporthallen verdrängt

Dresdens Sportvereine werden immer mehr aus Schulsporthallen verdrängt

Dresdner Sportvereine beklagen vielfach schlechte Trainingsbedingungen und dass vor allem der Kinder- und Jugendsport immer mehr aus den Schulsporthallen verdrängt würde.

Von Katrin Richter

"Die Situation ist unbefriedigend", konstatiert Robert Baumgarten, Geschäftsführer des Kreissportbundes (KSB), der etwa 70 000 Freizeit- und Spitzensportler vertritt. DNN beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

■ Wie viele Vereine nutzen die Schulsporthallen?

375 Sportvereine mit den unterschiedlichsten Sportarten gibt es in Dresden. "Bis auf wenige Ausnahmen nutzen die Vereine ständig oder unregelmäßig die Schulsporthallen", sagt Sven Mania, Leiter des Sportstätten- und Bäderbetriebes, auf DNN-Anfrage. Beispielsweise würden die Schwimmer und Eishockeyspieler zum Ausgleichs- und Athletiktraining in die Hallen gehen. Und im Winter seien auch die Fußballer, vor allem Kinder und Jugendliche, in den insgesamt 188 kommunalen Sporthallen zugange. Zum Vergleich: Im vergangenen Schuljahr gab es nach Informationen der Stadt 175 Hallen.

■ Bekommen die Sportvereine ausreichend Gelegenheit zum Training in der Schule?

"Die Situation ist nach wie vor unbefriedigend", sagt KSB-Geschäftsführer Robert Baumgarten. Die Schulleiter könnten praktisch uneingeschränkt Eigenbedarf geltend machen - beispielsweise, um den Schülern mehr Ganztagsangebote zu unterbreiten. "Wir haben bislang vergeblich eine feste Zeitgrenze angeregt. Unser Vorschlag ist nach wie vor: Schulsport in den Grundschulen bis 16 Uhr, in den Mittelschulen bzw. Gymnasien bis 17 Uhr" Das Problem sei, dass durch den Eigenbedarf vor allem die frühen Hallenzeiten verschwinden, die vom Kinder- und Jugendsport genutzt werden. "Hier beißt sich die Katze in den Schwanz", moniert Baumgarten.

■ Was sagt die Stadt dazu?

Grundsätzlich laufe die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Vereinen sehr gut, schätzt Mania ein. Doch er räumt ein, dass "sehr viele Randbedingungen in die Stundenplanung einfließen, die doch zu einigen Verschiebungen der Hallenzeiten führen können". Änderungen ergäben sich auch aus wachsenden Schülerzahlen. Beachtet werden müsse zudem, dass immer wieder Hallen wegfielen, neu eröffnet oder wegen Bauarbeiten gesperrt würden. "Wir haben bislang jedem Verein Alternativen angeboten, die jedoch teilweise nicht angenommen werden konnten."

■ Wie ist die Nutzung der Sporthallen durch Vereine vertraglich geregelt?

Die Sportvereine müssen ihre Trainings- und Wettkampfzeiten für die kommunalen Hallen und Plätze jedes Jahr neu einreichen. "Grundsätzlich erfolgt die Vergabe von Sportanlagen befristet für eine Saison, das heißt für ein Schuljahr", erklärt Mania. Vorrang habe immer der Eigenbedarf der jeweiligen Schule. Seit 2006 hat der Sportstätten- und Bäderbetrieb eine Zentrale Servicestelle eingerichtet, die die Vergabe für Trainings- und Wettkampfzeiten aller kommunalen Sportanlagen koordiniert.

■ Wieviel müssen die Vereine jeweils zahlen?

Die Nutzungsgebühren liegen je nach Größe und Baujahr der Halle zwischen 18 Euro (12 mal 24 Meter, Altbau) und 80 Euro pro Stunde (20 mal 40 Meter, Neubau bzw. Sanierung ab 2000). Gemäß der Sportförderrichtlinie zahlen die Vereine je nach ihrem Anteil an Kindern und Jugendlichen einen Selbstkostenbeitrag, der zwischen 8 und 40 Prozent der Gebühren beträgt.

■ Unter welchen Bedingungen trainieren die Vereinssportler in Dresden?

Das ist ganz unterschiedlich. Unter misslichen Bedingungen trainieren beispielsweise die Sportler des FV Dresden Süd-West. Obwohl mit 350 Mitgliedern einer der größten und auch sehr erfolgreichen Dresdner Fußballvereine, haben sie nach Informationen von Steffen Thiele, Trainer der A-Jugend, nur einen heruntergewirtschafteten Kunstrasenplatz zur Verfügung, bei dem selbst der Elf-Meter-Punkt fehlt. "Täglich müssen drei Mannschaften, darunter zahlreiche Kinder, gleichzeitig auf diesem Platz spielen", berichtet Thiele. Nur die kleinen Fußballer (die Vier- bis Elfjährigen) könnten einmal pro Woche in zwei alten Hallen an der Kohlenstraße trainieren. Alle Sportler, die älter als zwölf Jahre sind, müssten auch im Winter draußen Fußball spielen.

Doch auch manch Schulleiter ist alles andere als glücklich. "Unsere Außenstelle wird im kommenden Schuljahr geschlossen, doch der Platz in der alten Tonnenhalle reicht nicht für alle Schüler", sagt Frank Haubitz, Leiter des Gymnasiums Klotzsche und Vorsitzender des Philologenverbandes Sachsen. Die jüngeren Schüler müssten daher zum Sportunterricht in eine andere Klotzscher Halle fahren. Erst 2014 komme die neue Sporthalle. "Von den 187 Leuchtstoffröhren in unserer alten Halle sind etwa 50 noch in Ordnung", so Haubitz. Weil der Ersatz zu teuer sei, treibe man nun auch noch halb im Dunkeln Sport.

■ Verlassen die Vereinssportler die Schulsporthallen so, wie sie sie vorgefunden haben?

In der Regel ja, meint Mania. Natürlich gibt es auch schwarze Schafe. Beispiel BSZ für Bau und Technik am Güntzplatz: "Es kommt vor, dass die Fuß- und Volleyballer die Bänke nicht wieder ordentlich hinstellen, die Duschen laufen lassen oder die Fenster offen stehen bleiben, so dass schon eingebrochen wurde", berichtet Thiele, selbst Lehrer am BSZ. Auch Baumgarten sind vereinzelte Fälle bekannt: "Bierflaschen und Zigarettenkippen haben vor der Sporthalle nichts zu suchen", sagt er.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.11.2024

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Stadtpolitik
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.