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Dresdens OB-Stellvertreter Dirk Hilbert: "Weg mit sinnlosen Prüfaufträgen"

Dresdens OB-Stellvertreter Dirk Hilbert: "Weg mit sinnlosen Prüfaufträgen"

Am 4. Februar 2011 schlug die vernichtende Diagnose ein: Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) hat Brustkrebs. Ihr Stellvertreter plante gerade seine Elternzeit, wollte sich zwei Monate intensiv um seinen Sohn Lucas kümmern und sein Amt als Wirtschafts- und Umweltbürgermeister ruhen lassen.

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Mahnt sachlich Konzentration auf Kernthemen an: Dirk Hilbert (FDP) zum Abschluss-Interview als Interims-OB in der DNN-Redaktion in der Hauptstraße 21.

Quelle: C. Fritzsche

Dresden . Plötzlich wird Dirk Hilbert (FDP) Stadtoberhaupt, versteht sich als OB aller Dresdner. Morgen tritt Hilbert wieder in die zweite Reihe zurück, übergibt um 15 Uhr symbolisch die Amtsgeschäfte an Orosz. Die DNN-Redakteure Dirk Birgel und Ralf Redemund schauten mit dem gebürtigen Dresdner zurück und nach vorn.

Fällt Ihnen eine Last von den Schultern?

In gewisser Weise ja. Ich habe vor diesem Amt hohen Respekt gewonnen. Was alles auf dem OB-Tisch landet und einer Entscheidung harrt, ist nicht ohne. Oft jagt eine Hiobsbotschaft die nächste, ohne dass die Öffentlichkeit gleich von allem Wind bekommt. Es gab aber auch wunderbare Termine wie der Kirchentag, der Dynamo-Aufstieg oder die Frauenfußball-WM. Auf der anderen Seite standen Thema wie das Kulturkraftwerk oder die Königsbrücker Straße, wo man sich gedacht hat: Warum geht dieser Kelch nicht an mir vorüber?

Vor welchen großen Aufgaben steht die Stadt in diesem Jahr?

Die beiden Projekte Kulturpalast-Umbau und Kulturkraftwerk Mitte sowie Schulen und Kitas haben Priorität. Ich bin überzeugt, dass wir das unter einen Hut kriegen. Aber nur, wenn wir dann alles andere zurückstellen. Wir müssen den Mut zur Prioritätensetzung aufbringen.

Das wird vom Stadtrat immer wieder eingefordert, aber selbst nicht praktiziert. Woran liegt's?

Das Lieblingsthema mancher Stadträte scheint zu sein: Wir beauftragen erst einmal die Verwaltung, ein Konzept zu erstellen. Das suggeriert, dass man dieses auch immer umsetzen könnte. Das Problem ist: Wir beschäftigen in diesem Rathaus Heerscharen von Personal für die Erstellung von Konzepten. Dabei ist von vornherein klar, dass wir nie und nimmer alles realisieren können. Es wird eine der härtesten Aufgaben in diesem Jahr sein, stärker zuzuspitzen und uns von "Beschäftigungstherapien" für die Verwaltung zu trennen. Wir müssen uns auf Kernaufgaben konzentrieren. Das erfordert eine hohe Disziplin des Rates und Akzeptanz in der Verwaltung.

Wie soll das praktisch aussehen?

Wir müssen den Mut haben, eine Vielzahl von Beschlüssen aufzuheben, weil wir sie schlicht nicht umsetzen können.

Ein Beispiel?

Der Verkehrsentwicklungsplan. Wir können viele schöne Szenarien aufstellen von einer autogerechteren oder mehr auf Busse und Bahnen setzenden Infrastruktur. Dahinter stecken jeweils Millionen Euro von Investitionen. Oder wir stecken das Geld lediglich in die Instandhaltung, um uns die anderen, oben genannten Projekte leisten zu können. Darüber müssen wir kritisch diskutieren.

Sie plädieren also für eine Art neues Konsolidierungskonzept?

Nicht für den Haushalt, aber im dem Sinne, dass wir alle Beschlusslagen auf den Prüfstand stellen und uns auf die Sachen konzentrieren, die wir auch schaffen können. Aufwand und Nutzen müssen stimmen. Wie sagt Kollege Vorjohann immer so schön? Wir wollen immer alles zur selben Zeit, sofort und am Schönsten. Das funktioniert nicht.

Sie sagen also: Wir verwirklichen die beiden Kulturprojekte, stecken den Rest in Kitas und Schulen, alles andere muss zurückstecken?

Im Wesentlichen ist das die große Botschaft.

Die Oberbürgermeisterin hatte bis zu ihrer Krankheit ja einen eher direktiven-autoritären Führungsstil. Jetzt haben sie kooperativ gezeigt, dass es auch anders geht. Denken Sie, dass sich am Stil von OB Orosz etwas ändern wird?

Sie selber sagt ja, sie möchte mehr delegieren. Für diesen Schritt habe ich höchsten Respekt und wünsche Ihr dafür alles Gute, gerade weil Sie als OB für städtische Entscheidungen am Ende immer gerade stehen muss.

Sie haben den OB-Geschäftsbereich intensiv von Innen kennengelernt. Was lässt sich verbessern?

Ich würde der OB abraten, einen starken fachlichen Bereich wie es Ingolf Roßberg getan hat aufzubauen. Was meines Erachtens fehlt, ist eine starke Steuerungs- und Strategie-Abteilung, wie es sie in Unternehmen gibt. Diese Abteilung muss systematisch darauf drängen, dass OB-Vorgaben eingehalten werden, dass Beschlusslagen umgesetzt und Termine erfüllt werden - ansonsten muss interveniert werden. Da schlumpert's noch zu oft.

Was ist bei Ihnen liegengeblieben?

Im Operativen lief das Geschäft weiter. Aber es fehlte die Zeit, um sich mit der strategischen Ausrichtung zu beschäftigen. Ich konnte kaum neue Impulse setzen. Ich hätte gerne mehr Präsenz in den ausländischen Märkten und auf Fachveranstaltungen gezeigt, denn der deutsche Standort hat nun nach Jahren wieder einen sehr guten Ruf.

Neue Großansiedlungen mit Geschäftszentralen in Dresden blieben auch 2011 aus. Warum?

Der weiße Ritter, der 3000 Arbeitsplätze bringt, ist bundesweit eher selten geritten. Wir müssen uns um den Mittelstand kümmern, die Wissenschaftskompetenz in Dresden nutzen, aus dem Bestand wachsen. Ich kann mich nicht erinnern, so viele Betriebserweiterungen wie im vergangenen Jahr erlebt zu haben. So geht es. Das ist ein Erfolg versprechender Weg für Dresden. Außerdem müssen wir die Technologiezentren ausbauen und die Biotechnologie weiter fördern.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.02.2012

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