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Dresden will mehr Obdachlose in Wohnungen unterbringen

Dresden will mehr Obdachlose in Wohnungen unterbringen

Statt in Asylen will die Stadt Obdachlose künftig in Trainingswohnungen unterbringen, in denen sie an ein Leben unterm eigenen Dach wieder herangeführt werden sollen.

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Die Stadt hat das ehemalige Hostel "Die Boofe" zum Obdachlosenheim umgebaut. Am Freitag soll das Haus eingeweiht werden.

Quelle: Martin Förster

Sozialpädagogen sollen jeden Obdachlosen, der dies wünscht, auf diesem Weg begleiten. Das geht aus dem neuen "Konzept für Wohnungslosenhilfe" des Sozialamtes hervor.

Von Heiko Weckbrodt

Das Konzept sieht für die Reform der Obdachlosenhilfe rund eine Viertelmillion Euro Zusatzausgaben pro Jahr vor. Bisher bezuschusste das Rathaus die Obdachlosenheime mit etwa 2,2 Millionen Euro. Unter anderem will die Verwaltung ab kommendem Jahr 21 "Gewährleistungswohnungen" anmieten, in denen die Obdachlosen an eine eigene Haushaltsführung gewöhnt werden.

Auf Kritik der Opposition stieß allerdings der Behördenplan, renitente Obdachlose, die gar nicht von der Straße weg wollen, in speziellen Notunterkünften zu isolieren, um gewissermaßen eine mentale Ansteckung der änderungswilligen Obdachlosen zu vermeiden. "Da können wir diese Menschen ja gleich zum Schlafen unter die Brücke schicken", ärgerte sich beispielsweise Christiane Filius-Jehne von der Grünen-Fraktion. Auch Links-Stadtrat Hans-Jürgen Muskulus lehnte diesen Plan ab.

Obdachlosigkeit ist in Dresden zwar kein Massenphänomen, aber ein wachsendes Problem. In den vergangenen Jahren schwankte die Zahl der Obdachlosen in der Stadt um die 250 Menschen, Tendenz: steigend. "Wir gehen allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus", betonte Links-Stadtrat Muskulus und schätzte die Zahl der "Nichtregistrierten" auf bis zu 800. "Das sind Obdachlose, die sich nicht beim Amt melden, sondern versuchen, im Winter bei Freunden oder Verwandten unterzukommen."

Ein wachsendes Gefährdungspotenzial für Dresdner, auf der Straße zu landen, haben auch das Sozialamt und die freien Beratungsstellen ermittelt. So suchten im vergangenen Jahr insgesamt 1088 Dresdner beim Sozialamt Rat, weil Miet- und Energieschulden oder andere Probleme den Verlust der eigenen Wohnung in greifbare Nähe rücken ließen. Zum Vergleich: Im Jahr 2008 meldeten sich deshalb erst 946 Menschen beim Sozialamt. Seitdem ist die Beratungs-Nachfrage zwar nicht linear, aber über die Jahre betrachtet spürbar gewachsen. Auch müssen - langfristig gesehen - immer mehr Dresdner ihre Wohnungen wegen Mietschulden und ähnlichen Gründen zwangsräumen: 2011 meldete das Amtsgericht insgesamt 697 Zwangsräumungen - etwa weniger als im Vorjahr, aber etwa ein Viertel mehr als noch vor fünf Jahren. All dies deutet darauf hin, dass von Obdachlosigkeit auch künftig kaum mehr als ein bis zwei Promille der Dresdner betroffen sind, die Probleme aber wachsen.

Auch deshalb will das Sozialdezernat unter Bürgermeister Martin Seidel (parteilos) die Obdachlosen-Hilfe in Richtung "Hilfe zur Selbsthilfe" umbauen, ämterübergreifende "Frühwarnsysteme" für Zwangsräumungen einrichten und die Platzkapazitäten leicht erweitern. Statt 250 regulären Plätzen in sieben Obdachlosenheimen (plus fünf Notfallbetten und elf Wohnungsplätzen) soll es künftig 269 Schlafplätze für Obdachlose geben - mit einem wachsenden Schwerpunkt auf Trainingswohnungen.

Der federführende Sozialausschuss segnete auf seiner jüngsten Sitzung all dies mehrheitlich ab - allerdings gegen die Nachbesserungswünsche aus der Opposition. SPD und Linke forderten vor allem ein Präventionssystem gegen Obdachlosigkeit und klare Finanzierungszusagen für sozialpädagogische Hilfen. "Besser ist es doch, wenn die Leute gar nicht erst ihre Wohnung verlieren", unterstrich Muskulus.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.10.2012

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