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Dresden und der 13. Februar – welchen Weg nimmt die Gedenkkultur?

Dresden und der 13. Februar – welchen Weg nimmt die Gedenkkultur?

Dresden. Nach den Gedenkfeierlichkeiten zum 13. Februar an den vergangenen Tagen ist in Dresden langsam wieder Ruhe eingekehrt.

Weithin wird der friedliche Verlauf als Erfolg gefeiert, das Bündnis Dresden-Nazifrei sieht sogar bereits Veränderungen in der Dresdner Gedenkkultur. Die Dresdner Bevölkerung ist sich allerdings uneinig, ob das Jahr 2012 als Erfolg bewertet werden kann.

André trägt die nächste Generation bereits friedlich schlummernd auf dem Rücken durch das militärhistorische Museum in der Dresdner Albertstadt. „Man kann froh sein, dass sich in Dresden ein solch breites Protestbündnis gegen Nazis formiert hat. Die Stadt muss weg von diesem Opferkult", sagt der junge Vater. Allerdings müsse alles im Rahmen bleiben. Für Betroffene müsse es die Möglichkeit geben, ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen. „Insgesamt denke ich aber, dass wir mit den Protestaktionen auf dem richtigen Weg sind."

Klaus Tembrich hat im April 1945 als Junge die Bombardierung seiner Heimatstadt Potsdam überlebt. „Man dürfe nicht vergessen, wer den Krieg begonnen hat, sagt er. Am 13. Februar werde an die schreckliche Zerstörungswut des Krieges erinnert. Dass die NPD dies für sich vereinnahme, sei bitter. Am besten solle man die verbieten. „In den 60er-Jahren wurde still der Opfer gedacht. Auch damals läuteten schon kurz vor 22 Uhr alle Kirchenglocken - da kommen mir noch heute die Tränen. So sollte es wieder werden."

Wie Tembrich geht es vielen, gerade älteren Dresdnern. Das heutige Gedenken an die Geschehnisse des 13. Februar 1945 sei so nicht in Ordnung, kommentiert ein älteres Ehepaar, das anonym bleiben will. Jeder instrumentalisiere das Datum wie es ihm gerade passe - Rechte, Linke und die Stadt gleichermaßen. Und trotzdem sei es für viele ein rotes Tuch, über das nicht ernsthaft gesprochen wird.

Hellfried Buck, der mit Sohn Johann (10) unterwegs ist, sieht vor allem die Stadtoberen in der Pflicht. „Dass sich den Nazis in Dresden in den Weg gestellt wird: richtig so! Die Stadt hat hier schmählich versagt. Wenn es nach mir ginge, dürften Extremisten und Störenfriede auf rechter wie auf linker Seite am 13. Februar in Dresden nicht mehr auftreten." Jeder habe ein Recht auf Trauer, findet Buck. Störaktionen und Gewaltakte dürfe man nicht tolerieren. „Das ist ja teilweise wie im Krieg. Nur weil es in diesem Jahr mal ruhiger geblieben ist, heißt das nicht, dass es künftig so weitergeht." Hier sei die Stadt gefragt, doch die schicke stattdessen das Fußvolk vor.

Ähnlich sieht es auch Felix Wolf. „Ich habe in diesem Jahr selbst mitblockiert und finde, dass es super gelaufen ist. Besonders, weil es so friedlich blieb und die Nazis trotzdem kaum laufen konnten." Chaoten brauche niemand, findet der junge Mann: „Die kommen doch eh nicht wegen des Gedenkens, sondern um zu randalieren. In diesem Jahr hat klar die Polizei gewonnen, weil die es geschafft hat, beide Lager erfolgreich voneinander zu trennen, ohne dass es eskalierte."

Gerhard und Irmela Bonitz leben in Pirna, haben das Gedenken zum 13. Februar in der Nachbarstadt aber seit vielen Jahren im Blick. Ruhiger müsse es endlich wieder werden, finden beide. Früher sei darum nie so ein Rummel gemacht worden. „Das war alles viel privater damals", sagt Irmela Bonitz. Man bekomme das Gefühl, dass es so eine Art Modeerscheinung geworden sei, an diesem Tag nach Dresden zu kommen und Radau zu machen, egal aus welcher politischen Ecke, ergänzt ihr Mann: „Wie bei einem Fußballspiel." Die Vereinnahmung durch die NPD sei schlimm genug, die solle man endlich verbieten, sind sich die Senioren einig. Andere Städte seien schließlich auch zerstört worden, auch von Deutschen. „Das Gedenken ist völlig irrational geworden: Auf der Straße bekriegen sich meist die, die es eigentlich gar nicht betrifft, während die tatsächlich Betroffenen oft im stillen Kämmerlein sitzen."

Jane Jannke

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