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Die neue Linken-Bundeschefin Katja Kipping war zum Dialog in Dresden

Die neue Linken-Bundeschefin Katja Kipping war zum Dialog in Dresden

Draußen blitzte und donnerte ist, doch unter dem Dach des "Hauses der Gewerkschaften" am Dresdner Schützenplatz wurde es Tilo Kießling, Stadtchef der Dresdner Linken, warm ums Herz, wie er selbst sagte.

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Heimspiel vor 100 Genossen im Gewerkschaftshaus: die neue Bundeschefin der Linken Katja Kipping. Im September kommt sie mit Bernd Riexinger.

Quelle: R.U. Heinrich

Der Anlass: Die frisch gebackene neue Bundeschefin der Linken, eine gebürtige Dresdnerin, war erstmals nach ihrer Wahl in Göttingen offiziell in Dresden vor Publikum zu Gast, stellte sich den Fragen von rund 100 Genossen auf einer Basiskonferenz des Dresdner Stadtverbandes.

Zuvor gab es einen Pressetermin. In Berlin gehört der 34-jährige hübsche Rotschopf zu den Medienlieblingen, gehört sie bei fast allen TV-Sendern zu den Top ten der meist gefragten politischen Interview-Partner, hat sie sich in diversen Talkshows mit Bravour geschlagen, zuletzt in der Late-Night-Show des Schriftstellers und Talkshowmasters Benjamin von Stuckrad-Barre, dessen Show sie zwischendurch mit Tanzeinlagen auflockerte. In Dresden gehörte ihre ganze Aufmerksamkeit allein einem Reporter - dem der DNN.

Warum kein anderer Medienvertreter gekommen ist, bleibt das Geheimnis der Kollegen. Dabei gibt es nicht so viele gebürtige Dresdner, die solche politische Spitzenämter bekleiden. Und immerhin geht es um die Zukunft der Linken bundesweit, der vor kurzem noch eine Spaltung drohte. Katja Kipping - in schwarzer Stoffhose und rotem T-Shirt - gab allerdings Entwarnung. Die Gefahr der Spaltung sei gebannt, ist sie überzeugt.

"Die Linke nach Göttingen - Katja Kipping im Gespräch" lautete das Thema des launigen Abends im Gewerkschaftshaus. Dass sie mehr kann, als gut aussehen und Basis-Thesen wie die Forderung nach bedingungslosem Grundeinkommen wie eine Monstranz vor sich hertragen, wird sie noch beweisen müssen. Zusammen mit Bernd Riexinger (56), dem Linke-Landesvorsitzender in Baden-Württemberg und Mitgründer des Linke-Vorläufers Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG), soll sie die Partei aus ihrer bisher schwersten Krise führen. Die Talfahrt sei schon gestoppt, verbreitet Kipping Hoffnung. Es gebe bereits eine Umfrage, in der die Linke bundesweit wieder um ein Prozent gestiegen sei. Die Lage habe sich stabilisiert. Es seit keine Zeit für Höhenflüge. Auch in Dresden ruft sie die Genossen zu einem neuen Aufbruch auf. Die Partei brauche keine kämpferischen Reden mehr. Ob Reformer oder Fundamentalisten - alle hätten in Göttingen Erfolge und Niederlagen gehabt. Sie sei als Blockfreie angetreten, sie wolle eine neue Gesprächskultur etablieren, die Kunst des Zuhörens praktizieren und den Dialog in der Partei fördern.

Das macht Kipping auch in Dresden. Doch das bräuchte sie nicht. Es ist ein Heimspiel. Nach dem turbulenten Göttinger Parteitag genießt die "rote Katja" ihr vertrautes Terrain. Während sich die Linken auf Sachsen- und Bundesebene fetz(t)en, ist nach jahrelangem erbitterten Streit im Dresdner Verband Ruhe eingekehrt. Und es scheint keine trügerische Ruhe zu sein. Doch deshalb ist Kipping nicht in Dresden, die nach wie vor in Pieschen wohnt.

Die neue Bundeschefin wünscht sich für die nächsten drei Monate eine Kursdebatte, die in ein Wahlprogramm und eine Wahlstrategie für die Bundestagswahl münden soll: "Dazu laden wir alle Mitglieder der Partei ein." Partizipativer soll die Parteiarbeit werden, sagt Kipping und wirbt sogleich für die von Linken gegründete Genossenschaft "Fair Wohnen". Damit will die Linke 11 500 TLG-Wohnungen in Ostdeutschland erwerben und Hedgefonds aus dem Feld schlagen. Die Entscheidung über die Investitionen soll bis Jahresende fallen. Kampf gegen Armut, die Linke als Schutzfaktor gegen Prekarisierung und Eintreten gegen den EU-Fiskalpakt, der nur eine Zwangsjacke für die Demokratie sei, sind weitere Punkte der Kipping'schen Agenda.

Nach einem halbstündigen Interview mit Linken-Chefin Annekatrin Klepsch stellen gut ein Dutzend Genossen eine Stunde lang fragen. Kipping praktiziert die Kunst des geduldigen Zuhörens, des unaufgeregten Aufklärens, bezeichnet sich dabei als sanftmütig, leise, aber nachdrücklich. Wenige Junge mischen sich unter das sehr alte Publikum. Doch alle zollen ihrer Katja uneingeschränkt Lob und Beifall, ein bissel Dresdner Stolz schwingt mit.

Warum auch nicht? Sie praktiziere den dritten Weg, will keine Besiegten, will die Strömungen in ihrer Partei bei den Gemeinsamkeiten packen, möchte weg von dem Ost-West-Denken, liebt die Leidenschaft in Fraktion und Partei. Das sei allemal besser als Langeweile. Ja, da kann einem schon warm ums Herz werden. Ralf Redemund

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.07.2012

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