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Die Rente steht vor der Tür: Gottfried Ecke verlässt im April das Ortsamt Pieschen

Die Rente steht vor der Tür: Gottfried Ecke verlässt im April das Ortsamt Pieschen

Es ist Sonne, noch kein Sommer, aber gute Stimmung. Die roten Backsteine des Ortsamtes Pieschen strahlen freudig ihre Farbe in das Stadtviertel hinaus, die herrschaftlich-braune Holztür liegt erhaben in seinen Angeln.

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Gottfried Ecke verlässt nach acht Jahren das Ortsamt Pieschen. Wer genau in Zukunft die Geschicke des aufstrebenden Stadtteils leitet, ist noch unklar. Fest steht allerdings, dass Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) zur Landtagswahl für den 7. Wahlkreis antritt, der das Ortsamt Pieschen umfasst.

Quelle: D. Flechtner

Vor dem Gebäude steht Gottfried Ecke (CDU) und posiert für den Fotografen. Fast schüchtern entschuldigt er sich bei Besuchern, dass er den Eingang versperrt. Sechs Wochen noch wird er hier sein. Dann ist Schluss, dann ist Rente, dann ist seine Zeit als Ortsamtleiter von Pieschen und Klotzsche vorbei. Ecke nimmt einen Schluck von seinem Kaffee und sagt in einem Anflug von Wehmut: "Ich hätte es schon gern weitergemacht." Ortsamtleiter in Dresden zu sein, sei nicht immer mit Stress verbunden, im Gegenteil. "Es hat mir richtig Spaß gemacht."

Seit acht Jahren leitet der 65-Jährige das Stadtviertel Pieschen, in dem gerade überall ganz viel passiert. Kitas werden gebaut und neue riesige Schulen, die geplante Hafencity sorgt bundesweit für Schlagzeilen, Künstler und Kreative kämpfen um Freiräume. Gewerbetreibende zittern, ob der Globus-Großmarkt-Bedrohung und Eltern schaukeln ihre Kinder an der Elbe. Pieschen ist längst nicht mehr nur Fick-Pieschen, wie im Volksmund genannt. Die Zeiten des dunklen Arbeiter- und Prostituiertenviertels sind vorbei, wenngleich letzteres nicht ganz verschwunden ist.

Doch wie sieht die Bilanz des Amtsleiters aus? "Das werde ich oft gefragt", sagt Ecke. Die Antwort sei jedoch schwierig, da Ortsämter kein eigenes Budget haben, die Gestaltungsfreiheit also begrenzt ist. "Wichtigste Priorität hatten Schulen und Kitas, hier haben wir eine Menge geschafft", sagt Ecke. "Trotz aller Anstrengungen wird es jedoch erst nächstes Jahr gelingen, den Bedarf zu decken." Dann würden die neuen Kitas fertig sein.

Ein bisschen stolz ist Ecke auch über die neue Hochwasserschutzanlage am Ballhaus Watzke. Dort wurde eine Mauer gebaut, auf die man mobile Elemente aufstecken kann. "Zur Flut im vergangenen Jahr hat sie sich bewährt", sagt Ecke. "Hier ist eine gelungene Lösung gefunden worden." Nun stehe nur noch das letzte Stück Schutzanlage um die Lindenschänke aus. "Die Planungen laufen", erklärt er. Natürlich könne er verstehen, dass eine Gastwirtschaft keine riesige Mauer vor der Tür haben will. Allerdings seien die mobilen Varianten immer teurer. Ecke hofft auf "eine stadtbildverträgliche Lösung".

Bauchschmerzen bereitet dem erfahrenen Lokalpolitiker, der zugleich ehrenamtlicher Ortsvorsteher in seiner Heimat Weixdorf ist, das Sachsenbad. Das alte Gebäude gammelt seit Jahren verlassen vor sich hin. "Es ist eine traurige Geschichte, die wehtut", sagte Ecke. Leider sei bislang keine Grundsatzentscheidung der Stadt gefallen. "Es ist wichtig, das historische Bad zum Leben zu erwecken, egal welche Nutzung diesem zugrunde liegt", erklärt er. Viele Pläne habe es schon gegeben, von der Sanierung bis zum Bau einer Schule. Derzeit kursiert die Idee, dort Wohnungen zu errichten. In den 90ern sei sogar das Geld für die Erneuerung im Haushalt gewesen. "Das ist besonders bitter", sagt Ecke. Bis jetzt stehe das Haus leer. Ist verschlossen und kämpft mit dem tragischen Tod eines Kindes in seinen Ruinen. Vielleicht hilft es den Blick gen Leipzig zu werfen. Eine Förderstiftung hat sich die Sanierung des dortigen Stadtbades zur Herzensangelegenheit gemacht.

Die Diskussionen um die Hafencity kann Ecke nicht verstehen. "Pieschen würde wirklich profitieren", ist sich der Ortsamtsleiter sicher. Man dürfe die Luxuswohnungen nicht so negativ besetzen. "Es ist doch von Vorteil, wenn gut verdienende Bürger in das Viertel ziehen." Pieschen hat trotz seines Aufstiegs noch immer eine Arbeitslosigkeit von zehn Prozent, viele Menschen sind auf Leistungen vom Staat angewiesen. Gleichsam ziehen besonders junge Leute in das Viertel. Für Ecke hat Pieschen ein "ganz besonderes Flair", gerade weil es so bunt gemischt ist, "Ja, natürlich, ich werde es vermissen", sagt er und nimmt seinen letzten Schluck Kaffee.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.03.2014

Katrin Tominski

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