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„Die Kunst in die Stadt tragen“: Wie Annekatrin Klepsch als Kulturbürgermeisterin die Kulturpolitik gestalten will

„Die Kunst in die Stadt tragen“: Wie Annekatrin Klepsch als Kulturbürgermeisterin die Kulturpolitik gestalten will

Annekatrin Klepsch will für die Linke Kulturbürgermeisterin werden. Im DNN-Interview erläutert sie die Grundzüge ihrer kulturpolitischen Vorstellungen.

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Annekatrin Klepsch, Stadtrat Linke

Quelle: PR

Kultur soll in die Stadtgesellschaft hinein wirken, ist ihre Kernaussage.

Sie wurden in den Landtag gewählt. Was hat Sie dazu veranlasst, sich um den Posten der Kulturbürgermeisterin zu bewerben?

Annekatrin Klepsch: Es reizt mich, gemeinsam mit der rot-grün-rot-orangenen Kooperation im Stadtrat gestalten zu können. Also nicht nur aus der Opposition heraus Politik zu machen, wie das im Landtag der Fall ist. Dresden ist außerdem meine Heimatstadt. Das Bevölkerungswachstum schließlich stellt ganz neue Herausforderungen an die Stadtgesellschaft. Wir müssen auch die kulturellen Einrichtungen dementsprechend ausrichten.

Wieviel kann eine Kulturbürgermeisterin gestalten?

Das ist eine Frage des Zusammenspiels von Stadtrat und Verwaltung. Ein Anliegen wird sein, den Kulturentwicklungsplan fortzuschreiben. Das ist zuletzt 2007 geschehen, aber inzwischen hat sich vieles verändert. Die Museumskonzeption ist auch nicht zu Ende gedacht worden. Ich lege großen Wert auf kulturelle Bildung. Das ist ein ämterübergreifendes Thema. Gemeinsam mit dem städtischen Kindertagesstätten-Eigenbetrieb, freien Trägern und den Kultureinrichtungen sollten die bestehenden Projekte weiter ausgebaut werden. Außerdem ist mir eine gute Zusammenarbeit mit den anderen Beigeordneten und Geschäftsbereichen wichtig.

Befürchten Sie, dass wegen der beiden großen Kulturbaustellen das Geld für andere Projekte fehlt?

Die Fertigstellung von Kulturpalast und Kraftwerk Mitte sind ein Kraftakt. Beim Kraftwerk gibt es noch einen großen finanziellen Bedarf für die Innenausstattung, aber auch für die kindgerechte Gestaltung und für die Außenanlagen. Beim Kulturpalast geht es um die Frage, wie der Saal für ganz unterschiedliche Genres genutzt werden kann und sich finanziell trotzdem so gut wie möglich trägt. Mit dem Blick auf die ganze Stadt ist mir wichtig, kulturelle Teilhabe auch in den Stadtteilen zu ermöglichen, die große soziale Probleme haben. Der Spagat besteht darin, Gerechtigkeit zwischen den großen städtischen Ensembles, der Freien Szene und auch kleineren städtischen Einrichtungen herzustellen.

Heißt das: Weniger Geld für die Hochkultur?

Entscheidend ist für mich die Frage: Wen erreiche ich mit welchen Angeboten? Das Schöne an Dresden ist doch die Vielfalt der Einrichtungen und Sparten. Ich möchte, dass wir Kunst und Kultur in Dresden ermöglichen. Das ist mir wichtiger als die reine Vermarktung Dresdens als Kunst- und Kulturstadt. Mit Sorge sehe ich das Einkommensgefälle innerhalb des Kulturbereiches.

Stehen Sie als Linke Eliten skeptisch gegenüber?

Überhaupt nicht. Aber auch eine Philharmonie, eine Staatsoperette oder ein Kreuzchor sollten daran interessiert sein, Reflektionsebene für gesellschaftliche Entwicklungen zu sein und die nachwachsende Generation für ihre Kunst zu gewinnen.

Wollen Sie die Schülerkonzerte ausbauen?

Ich bin dem Kulturamt und dem Heinrich-Schütz-Konservatorium sehr dankbar, dass sie die Schülerkonzerte gerettet haben, obwohl sich die Bildungsagentur aus der Finanzierung zurückgezogen hat. Wir haben eine Vielfalt an Kultureinrichtungen und sollten uns konzeptionell überlegen, wie wir Projekte weiterentwickeln. Schülerkonzerte sind da ein Baustein, aber es gibt viel mehr Möglichkeiten für die Einrichtungen, mit Schulen zu kooperieren, wenn wir als Stadt das notwendige Personal dafür finanzieren. Ich denke an die Tanzprojekte der Musikfestspiele und der Operette für Jugendliche, aber auch die Angebote der städtischen Museen. Das ist der richtige Ansatz, sich neues Publikum zu erschließen.

Hellerau gilt vielen Stadträten als Synonym für Geldverschwendung. Werden Sie dem Europäischen Zentrum den Geldhahn zudrehen?

Nein, warum? Intendant Dieter Jaenicke ist es gelungen, das Haus gut aufzustellen und für ein deutlich größeres Publikum zu sorgen. Es kommen sehr viele junge Menschen aus der Stadt dorthin. Wir brauchen Hellerau als Kunstzentrum für die Anbindung an die internationale Szene und als Ort des Tanzes. Ich wünsche mir, dass wir den Ostflügel instandsetzen, um die Probensituation verbessern und Hellerau für andere Einrichtungen öffnen zu können.

Der Freistaat hat das Bleiberecht für das Verkehrsmuseum im Johanneum bis 2025 verlängert. Werden Sie sich nach alternativen Standorten für das Museum umschauen?

Ich bekenne mich ganz klar zum Johanneum. Es ist notwendig und sinnvoll, im Stadtzentrum einen Museumsmix zu haben. Industriekultur und Verkehrsgeschichte ergänzen die Staatlichen Kunstsammlungen am Neumarkt sehr gut. Das Verkehrsmuseum ist auch das beste Familienmuseum an dieser Stelle.

Werden Sie es schaffen, dass die Staatskapelle Konzerte im Kulturpalast gibt?

Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass es für die Staatsoper eine wirtschaftliche Frage ist, wie oft die Staatskapelle in der Semperoper spielt. Wir müssen dafür werben, dass die Staatskapelle den Kulturpalast – auch in kleinerem Rahmen – nutzt. Der Kulturpalast ist ein emotionales Thema in der Stadtgesellschaft. Mit dem Komplettabriss des Saales wurde ein Stück Stadtgeschichte und Architekturgeschichte vernichtet. Ich möchte dazu beitragen, dass Dresden und die Familie von Architekt Wolfgang Hänsch wieder ein positives Verhältnis finden können.

Sie sind recht jung für eine Bürgermeisterin. Wie wollen Sie sich durchsetzen?

Kompetenz lässt sich nicht am Alter festmachen und ich bringe Erfahrungen aus dem Theater, dem Vereinswesen und der Politik mit. Ich sehe meine Rolle darin, Interessen auszugleichen, Konflikte zu moderieren, Kunst und Kultur als Ganzes zu vertreten und mich für die Interessen der Kultureinrichtungen stark zu machen. Das ist etwas, das ich in der Opposition gelernt habe: Sich für die Interessen der weniger Starken einzusetzen. Mit vielen der Akteure habe ich bisher sehr gut zusammengearbeitet. Das hat mich ermutigt, mich für dieses Amt zu bewerben.

Welchen Beitrag kann Kultur leisten, die Spaltung der Stadt aufzuheben?

Kunst spitzt Fragen zu und eine sachliche Kontroverse kann uns voranbringen. Wie gehen wir mit dem Anderen um? Kultur kann uns lehren, das Anderssein als Bereicherung anzunehmen. Dresden hat über Jahrhunderte davon profitiert, dass andere Menschen zu uns gekommen sind und sich eingebracht haben. Das ist auch ein Kritikpunkt an der Kulturpolitik von Helma Orosz: Kultur ist von der Oberbürgermeisterin mehr als ein Schaufenster nach außen gefördert worden. Mir liegt Kulturpolitik nach innen, in die Stadtgesellschaft hinein, am Herzen.

Thomas Baumann-Hartwig

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