Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -7 ° Schneeregen

Navigation:
Google+
„Die Diskussionsbereitschaft ist ein Potenzial“: Der Grünen-Kommunalpolitiker Raoul Schmidt-Lamontain will Baubürgermeister werden

„Die Diskussionsbereitschaft ist ein Potenzial“: Der Grünen-Kommunalpolitiker Raoul Schmidt-Lamontain will Baubürgermeister werden

Er ist der einzige Bewerber für ein Bürgermeisteramt, der nicht in Dresden wohnt oder arbeitet: Raoul Schmidt-Lamontain, 39-jähriger Grünen-Kommunalpolitiker aus Hannover, will heute vom Stadtrat zum Baubürgermeister gewählt werden.

Voriger Artikel
Segnet Hilbert die Fachbürgermeister ab? : Dresdner Stadtrat entscheidet am Donnerstag über neue Verwaltungsspitze
Nächster Artikel
Innenausschuss im Landtag berät Asylpolitik - SPD fordert Schließung der Zeltlager

Raoul Schmidt-Lamontain

Quelle: Archiv

Im DNN-Interview äußert er seine Visionen für die Stadt, erklärt aber auch, warum er noch nicht Mitglied der Architektenkammer geworden ist.

Was reizt Sie an der Aufgabe, für die Sie kandidieren?

Raoul Schmidt-Lamontain: Die Kombination aus dem Fachlichen und dem Politischen. Mich reizt auch, dass Dresden eine schöne Stadt ist. Wenn man aus einer Großstadt mit den entsprechenden Angeboten kommt, will man bei der Lebensqualität auf dem gleichen Standard bleiben.

In Dresden wird fast jedes Bauvorhaben endlos diskutiert. Haben Sie sich darüber informiert, was Sie sich antun wollen?

Mich reizt diese große Diskussionsbereitschaft der Dresdnerinnen und Dresdner. Das kann eine Stadt voranbringen. Das ist ein beeindruckendes Potenzial, das es zu nutzen gilt.

Meist hat der Streit dazu geführt, dass die Stadtgesellschaft gespalten wurde. Wie wollen Sie die Gräben überwinden?

Die Frage ist doch, ob Gräben sein müssen. In Hannover wird auch viel gestritten. Aber je frühzeitiger die Bürger in so einen Prozess eingebunden werden, um so besser gelingen Kompromisse. Es geht mir darum, eine wertschätzende Diskussionskultur zu etablieren. Gräben tun sich dann auf, wenn ein Dialog nur auf Streit ausgerichtet wird.

Was wird der größte Streitpunkt in Ihrer Amtszeit, wenn Sie gewählt werden?

Das lässt sich noch nicht sagen. Es gibt einige Baustellen, wo dringend etwas getan werden muss, zum Beispiel die Hafencity.

Am Neumarkt droht im Quartier III wieder Streit. Wie wollen Sie schlichten?

Da muss ich mich erst einarbeiten. Bevor ich mich zu Fachthemen äußere, will ich die Motivation aller Seiten kennenlernen. Bisher kenne ich nur die Pressemitteilung der Gesellschaft Historischer Neumarkt.

Bevor die Grünen Sie als Kandidat aufgestellt haben, wurden Zweifel an Ihrer Qualifikation laut. Sind Sie nun ein „richtiger“ Architekt oder nicht?

Ich habe Architektur studiert und bin somit Diplom-Ingenieur. Aber ich bin nicht Mitglied der Architektenkammer geworden. Nach dem Studium habe ich mit einem Kommilitonen ein Planungsbüro gegründet. Erst haben wir Partner für Projekte gesucht, später ist mein Kollege Mitglied in der Kammer geworden. Als mein Kompagnon nach Hamburg umgezogen ist, bekam ich das Stellenangebot aus der Stadtverwaltung Hannover. Da gab es keine Notwendigkeit mehr, in die Kammer einzutreten. Vielleicht ist das jetzt ein guter Anlass, es endlich zu tun.

Es gibt Stimmen, die sich an Ihrem Karrieresprung stören. Vom Teamleiter zum Bürgermeister – wieso trauen Sie sich diesen Schritt zu?

Ich bin in Hannover Teamleiter für Stadtkoordinierung und Vorgesetzter von sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das ist eine fachlich anspruchsvolle Führungsaufgabe. Das Berufliche ist aber nur das eine. Ich habe 20 Jahre Erfahrung in der Kommunalpolitik und eine 16 Mitglieder starke Regionsfraktion geleitet. Dort war ich nicht unkündbar, dort musste ich meine Qualität unter Beweis stellen. Da muss man über Führungserfahrung und Durchsetzungsfähigkeit verfügen.

Vor welchen Herausforderungen steht Dresden bei der Stadtentwicklung?

Die wichtigste Frage ist aus meiner Sicht: Wie schaffen wir es, im nennenswerten Maß Wohnungsbau zu betreiben? Die Mieten und Kaufpreise steigen sehr stark. Es wird ein Einwohnerplus von 30 000 in den nächsten zehn Jahren vorhergesagt. Da müssen mindestens 1500 Wohnungen pro Jahr entstehen. Dresden braucht ein Gesamtkonzept für den Wohnungsbau. Es müssen Wohnungen für alle Einkommensgruppen entstehen. Für diese soziale Durchmischung bei der Stadtentwicklung zu sorgen, wird eine spannende, aber auch sehr schwere Aufgabe.

Welche Erfahrungen bringen Sie aus Hannover mit?

Die Kooperation zwischen Großstadt und Umland, die in der Region Hannover funktioniert. Regionale Zusammenarbeit darf bei der Verkehrspolitik nicht aufhören. Da geht es auch um Wohnungs- und Gewerbeflächenpolitik. In der Region Hannover gibt es auch eine abgestimmte Sozialpolitik. Beide Seiten können voneinander profitieren – die Stadt vom Umland mit seiner Vielfalt, das Umland von der Infrastruktur der Stadt. Bei der Zusammenarbeit muss man sich auf Augenhöhe begegnen. Die Menschen leben den Zusammenhalt ja ohnehin schon: Die Bewohner des Umlands arbeiten in Dresden, kaufen ein, besuchen Veranstaltungen. Die Dresdner erholen sich im Umland. Das sollte in Politik und Verwaltung fortgesetzt werden.

Haben Sie sich schon Wohnungen in Dresden angeschaut?

Wenn ich gewählt werde, beginnt ab dem 9. August die Suche. Einfach wird es nicht, etwas zu finden.

Thomas Baumann-Hartwig

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Stadtpolitik
  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.