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Der Verleger und das Volk: Kopf der „Neuen Rechten“ Kubitschek spricht auf Pegida-Kundgebung

Der Verleger und das Volk: Kopf der „Neuen Rechten“ Kubitschek spricht auf Pegida-Kundgebung

Driftet Pegida nach der Spaltung noch weiter nach rechts? Es sieht ganz danach aus. Die Demonstration am Montag hat wieder einmal gezeigt, dass sich auch die „Identitäre Bewegung“ in der „Neuen Rechten“ unter den Patriotischen Europäern wohlfühlt.

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Götz Kubitschek am 9. Februar bei Pegida in Dresden

Quelle: dpa

Ein gepflegter Mann mittleren Alters mit schwarzer Wollmütze und Kinnbart griff nach dem Mikrofon. In der anderen Hand hielt er einen Stoß Papier. Rund 15 A4-Seiten dicht beschrieben mit den Gedanken eines Menschen, der weiß, wie man kompliziert formuliert. Wie schon bei Legida in Leipzig hat er sie alle vorgelesen. Er forderte: „Schluss mit der Suche nach dem neuen Menschen. Die kommunistischen, sozialistischen und nationalsozialistischen Experimente sind schief gegangen. Sie endeten in einem Blutbad und einer Knochenmühle“ und schob ein Mantra des politischen Konservatismus nach: „Gute Politik darf nicht überfordern. Unsere Politiker haben unser Land nicht mehr im Griff.“ Der Mann heißt Götz Kubitschek und ist kein Unbekannter. Von seinem Rittergut in Albertsroda in Sachsen-Anhalt aus versucht er, intellektuelle Rechtsextreme innerhalb einer intellektuellenfeindlichen Strömung zu etablieren.

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Eindrücke der Pegida-Kundgebung am 9. Februar.

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Für Kubitschek führen dabei viele Wege nach Rom. Er ist Herausgeber der rechten Zeitschrift „Sezession“ und verlegt in seinem Verlag „Antaios“ vom Gesangsbuch „Die Lieder der Deutschen“ über Karlheinz Weißmanns „Das konservative Minimum“ bis hin zu den Kriegstagebüchern von Ernst Jünger alles, was das Herz des rechten Bücherwurms erfreut. Kubitschek selber publiziert unter anderem in der rechtskonservativen Wochenzeitschrift Junge Freiheit.

Soweit, so unspektakulär. Doch den Vater von sieben Kindern auf einen verschrobenen Papiertiger mit Druckerschwärze an den Fingern zu reduzieren, wäre ein großer Fehler. Er gehört zu den Vordenkern. Ist einer, der begriffen hat, dass eine Bewegung auch immer eine Ideologie und somit Bildung braucht. Der Oberstleutnant der Reserve ist Mitbegründer des Instituts für Staatspolitik (IfS), das vor allem Vorträge anbietet, an denen sich vordergründig ein junges Publikum aus der rechten Szene beteiligt.

Der Politikwissenschaftler Wolfgang Gessenharter und der Sozialwissenschaftler Thomas Pfeiffer beschreiben das IfS in ihrer Schrift „Die Neue Rechte – eine Gefahr für die Demokratie?“ als eine Institution, die versuche, auf die politische Kultur im Sinne ihrer ideologischen Orientierung einzuwirken, um auf diese Weise die politische Hegemonie zu erringen. Auch die Sicherheitsbehörden sind bereits auf das IfS aufmerksam geworden: „In Broschüren wurde auf antidemokratische Ideologen, insbesondere solche der Konservativen Revolution, rekurriert und versucht, deren staatsphilosophische Erklärungsmuster weiterzuentwickeln“, heißt es in einer Einordnung des Verfassungsschutzes Nordrhein-Westfalens von 2002.

Doch Kubitschek ist nicht nur ein Mann des Wortes. Er bedient sich bewusst bei den traditionellen Protestformen der Linken und hat das Konzept der „Konservativ-Subversiven Aktion“ (KSA) entwickelt. Der Name ist Programm. 2010 wurde von Kubitschek und seinen Kumpanen ein 68er Kongress an der Humboldt-Uni in Berlin und ein Auftritt von Günter Grass im Hamburger Thalia-Theater gestört. Auch das Eindringen von Mitgliedern der „Identitären Bewegung“ in den Sächsischen Landtag am 5. Januar (DNN berichteten) wurde im Geiste der KSA verübt.

Da stellt sich nur noch die Frage: Passen Rechtsintellektuelle und Pegida zusammen? „Die Verachtung des Eigenen muss ein Ende habe“, rief der Redner am Montag und weckte damit die zunächst von ihm ordentlich eingeschläferte Menge auf. Es folgte: Applaus. Kubitschek wird die Zustimmung genauestens zur Kenntnis genommen haben.

Hauke Heuer

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