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Der Schlichter aus Schlema: Still und leise hat sich Rico Gebhardt zur Führungsfigur der sächsischen Linken gemausert

Der Schlichter aus Schlema: Still und leise hat sich Rico Gebhardt zur Führungsfigur der sächsischen Linken gemausert

Er ist kommunikativ und uneitel, erscheint aber auch immer irgendwie schräg: Wie kein Zweiter verkörpert Rico Gebhardt - der Landeschef der Linken im Freistaat Sachsen - die Sehnsucht der Basis nach Ausgleich und einem Ende des ewigen Streits.

Dresden .

Dresden (DNN). Er ist kommunikativ und uneitel, erscheint aber auch immer irgendwie schräg: Wie kein Zweiter verkörpert Rico Gebhardt - der Landeschef der Linken im Freistaat Sachsen - die Sehnsucht der Basis nach Ausgleich und einem Ende des ewigen Streits. Damit hat sich der Erzgebirger ganz nach oben gearbeitet.

Von Jürgen Kochinke

Der Mann, der Sachsens Linke aus der Krise führen soll, wirkt reichlich unscheinbar. Überall dort, wo Landeschef Rico Gebhardt bisher aufgetaucht ist, war der Eindruck ähnlich: Da steht einer, der ist halt so, wie er ist; einer aus dem erzgebirgischen Schlema - bodenständig, kommunikativ, aber auch ein wenig verhuscht. Und obwohl der 48-Jährige seit Jahren vorn mitmischt in der Partei, erscheint er doch meist nur als zweite Wahl: ein ewiger Interimskandidat.

Linke Instanz im Freistaat

Doch der Eindruck täuscht. Längst ist es Gebhardt mit seiner Mischung aus eigenwilligem Auftritt und Polit-Instinkt gelungen, sich als linke Instanz im Freistaat zu etablieren. Still und leise, fast unmerklich hat er sich zur Führungsfigur gemausert. "Rico Gebhardt ist entwicklungsfähig", sagt ein Linker, der alle Höhen und Tiefen der Partei durchgemacht hat. Das soll heißen: Der Schlemaer, den stets ein Hauch von Malimo Rundstrick umweht, habe beständig zugelegt und mittlerweile fast schon so etwas wie Format.

Das war erst kürzlich zu beobachten, im linken Führungsstreit zwischen Oskar Lafontaine und Dietmar Bartsch auf Bundesebene. Da wagte sich Gebhardt doch tatsächlich als einer der ersten Landeschefs aus der Deckung und gab eine fulminante Wortmeldungen zu Protokoll: "Das Recyceln von früheren Vorsitzenden trägt zur Problemlösung wenig bei", meinte er unzweideutig. Und: "Der Eindruck des kollektiven Wartens auf die Weisheit älterer Oligarchen ist verheerend." Das war beides auf den Saarländer Lafontaine gemünzt, der sich mit seinem Hang zur Selbstüberschätzung als Heilsbringer der gesamtdeutschen Linken versteht.

Hier wollte Rico Gebhardt nicht mitspielen. Nun stehen Sachsens Linke sowie nicht gerade in dem Ruf, ein Fanclub des Saarländers zu sein. Doch dass Gebhardt sich in Berlin so direkt einmischt, ist beachtlich. Denn der Landesverband leidet unter einem gravierenden Bedeutungsverlust. Obwohl er der mitgliederstärkste überhaupt ist, findet der Verband seit dem unrühmlichen Abgang des stasi-belasteten linken Integrators Peter Porsch nur noch selten Gehör auf bundesdeutschem Parkett.

Wenig Esprit

Das hat zum einen mit André Hahn zu tun. Der Porsch-Nachfolger an der Spitze der Fraktion verfügt nur über wenig Esprit und noch weniger Hinterland in Berlin. Zum anderen ist es Folge des miserablen Zustands der Partei. Seit Jahren stehen sich in Sach- sen zwei Lager unversöhnlich gegenüber. Auf der einen Seite befinden sich die Vertreter der Altvorderen um Klaus Bartl, Volker Külow und Dietmar Pellmann, auf der anderen steht die sogenannte Jugendbrigade.

Lager auf der Lauer

Deren Aushängeschilder sind die Bundesvize Katja Kipping sowie der smarte Finanzer Sebastian Scheel. Beide Lager belauern sich mit Inbrunst und sind sich auch persönlich fremd. Zu verschiedenen sind Politikstil, und Milieu, und im Gegensatz zu Peter

Porsch fehlt Hahn die politische Geschmeidigkeit, um den Zwist ausgleichen oder überdecken zu können.

Gebhardt aber hat genau hier seine Stärken. Uneitel und kommunikativ wie er nun mal ist, kommt er mit beiden Flügeln klar, wird zumindest links wie rechts der Gräben toleriert. "Der Koch", wie ihn interne Neider abfällig bezeichnen, weil er nicht studiert hat, bietet sich als Mittler an. Das macht ihn zu einer Art virtuellem Gesamt-Linken, von dem sich die Partei eine Erlösung aus der Angststarre erhofft.

Dabei ist Gebhardt alles in einem: Organisator und Basisarbeiter, Integrator und Schlichter. Wie kein Zweiter in der Partei verkörpert er die Sehnsucht der Basis nach Ausgleich und einem Ende der schon fast schmerzhaften Sprachlosigkeit. Dass es dazu kommen konnte, hat viel mit seinen Talenten zu tun. Gebhardt ist in der Lage, nicht nur zu reden, sondern auch zuzuhören. Deshalb kann er Stimmungslagen schneller und präziser erahnen als andere - Hahn zum Beispiel.

Doch sein größter Trumpf ist sein verhuscht-unscheinbarer Auftritt. Weil er etwas schräg rüberkommt, wird Gebhardt regelmäßig unterschätzt, auch von seinen internen Gegenspielern.

Kann er auch die Attacke?

Das könnte sich in Kürze ändern. Denn wenn die linken Planspiele aufgehen, wird Gebhardt schon im Juni neben dem Parteivorsitz auch die Führung der Fraktion von André Hahn übernehmen. Der wiederum soll im nächsten Jahr sanft in den Bundestag abgeschoben werden. Damit allerdings würde es endgültig ernst für Gebhardt. Denn die doppelte Frage lautet: Kann er nicht nur zuhören und vermitteln, sondern auch attackieren? Und gibt er nicht bloß den Statthalter, bis die linke Jungtruppe das Zepter übernimmt?

Chance 2014

Sollte Gebhardt sich hier weiter profilieren, könnte er 2014 sogar Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Sachsen werden, und nicht Scheel, der stets gehandelt wird. Denn eins ist klar: Bisher hat sich der Erzgebirger immer still und leise durchgesetzt - frei nach Walter Ulbrichts alter Losung: "Überholen ohne einzuholen". Damit hat er seine Neider hinter sich gelassen, auch jene, die in ihm immer bloß "den Koch" sehen.

Autofahrerin drängt

Reisebus ab

Könnern/Hohenwarsleben (dpa). Ein Bus hat in der Nacht zu gestern auf der Autobahn 14 bei Könnern (Salzlandkreis) eine Leitplanke durchbrochen und ist eine Böschung heruntergestürzt. Der Fahrer wurde leicht verletzt. Weitere Menschen waren nicht in dem Fahrzeug. Der Bus war zuvor von einem Auto touchiert worden, teilte die Autobahnpolizei Hohenwarsleben mit. Gegen die 31 Jahre alte Autofahrerin wurde ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet. Sie blieb bei dem Unfall unverletzt. Nähere Angaben zum Unfallhergang lagen zunächst nicht vor.

Der Reisebus sollte bis zum Nachmittag mit Lastkränen geborgen werden. Der Verkehr auf der A14 war davon den Angaben zufolge nicht beeinträchtigt, weil die Bergungsfirma mit ihrem Schwerlastkran abseits der Autobahn agieren sollte.

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