Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Google+
DNN-Sommerinterview mit Kulturbürgermeister Ralf Lunau: „Um die Kultur mache ich mir keine Sorgen“

DNN-Sommerinterview mit Kulturbürgermeister Ralf Lunau: „Um die Kultur mache ich mir keine Sorgen“

Kulturpalast und Kraftwerk Mitte – Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos) hat die beiden größten Investitionen in die kulturelle Infrastruktur der Stadt begleitet.

Voriger Artikel
Elbpolitico.com: Dresdner Studenten gründen Politik-Magazin
Nächster Artikel
Heftiger Streit um Dresdens Kita-Millionen - Gipfeltreffen am 6. August

Ralf Lunau (parteilos)

Quelle: Dietrich Flechtner

Im DNN-Sommerinterview erklärt er, ob sich kleinere kulturelle Einrichtungen wegen der Großinvestitionen Sorgen machen müssen.

Frage: Hat sich die Landeshauptstadt Dresden mit den beiden Kulturgroßbaustellen übernommen?

Ralf Lunau: Die beiden Projekte, verbunden mit dem Investitionsprogramm für Kindertagesstätten und Schulen, bringen die Stadt an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Übernommen hat sich die Stadt nicht. Aber wir spüren, dass bei der Umsetzung der Projekte hohe Erwartungen an die Finanzdisziplin gestellt werden.

Beim Kulturpalast gab es schon den ersten Streit. Das von der Philharmonie erarbeitete Konzept war dem Stadtrat zu teuer. Wo sehen Sie den Kulturpalast?

Das von der Intendantin Frauke Roth erarbeitete Konzept bewegt sich im Rahmen der Parameter, die wir in der Debatte zum Umbau des Kulturpalastes immer wieder vorgetragen haben. Das zusätzliche Geld für die Bespielung des Saales entspricht in etwa dem Volumen, das früher an die damalige Betreibergesellschaft geflossen ist. Ich kann verstehen, dass der Stadtrat sehr genau hinschaut. Es handelt sich um Ausgaben, die jedes Jahr wiederkehren. Aber: Der neue Saal weckt auch Erwartungen an die Qualität der Inhalte. Da wird es notwendig sein, Veranstaltungen auch mit öffentlichen Mitteln zu finanzieren. Wir bleiben aber bei dem Versprechen, dass eine Reihe von Ensembles und Veranstaltern aus der Stadt in dem neuen Saal auftreten, zum Beispiel das Dixiland-Festival oder der Bergsteiger-Chor. Es ist aber auch vorgesehen, dass die Musikfestspiele außerhalb ihrer Festspielzeit Orchester von internationalem Rang einladen.

Ein Orchester von internationalem Rang sitzt fast neben dem Kulturpalast. Gibt es Gespräche mit der Staatskapelle über Konzerte im neuen Saal?

Philharmonie und Staatskapelle stehen ständig im Kontakt miteinander. Wenn etwas überzeugend sein kann, dann ist es der Saal selbst. Welche akustische Qualität hat er, welche Aufenthaltsqualität bietet er dem Publikum? Wenn die Antworten so ausfallen, wie wir uns das wünschen, dürfte es für die Staatskapelle sehr attraktiv sein, im Kulturpalast aufzutreten.

Droht bei den Betriebskosten für das Kraftwerk Mitte ein ähnlich böses Erwachen wie beim Kulturpalast?

Es gibt erste Entwürfe des Betreiberkonzepts. Ganz klar: Wir haben es zum Beispiel mit einem Theater zu tun, in dem die Spielstätten klimatisiert sind. Das hat es in Leuben nicht gegeben, das kostet natürlich Geld. Inwieweit Kosten gespart werden können, weil in einem neuen Haus Technologien ausgereifter sind, lässt sich nur abschätzen. Die Betriebskosten in einem solchen modernen Theater sind höher.

Mehr Geld für den Kulturpalast, mehr Geld für das Kraftwerk. Besteht die Gefahr, dass diese Ausgaben bei kleineren Kulturprojekten abgezogen werden?

Nein, das sehe ich nicht. Wir haben uns sehr genau überlegt, dass wir den Kulturpalast sanieren und kein neues Konzerthaus bauen. Wir haben auch keine Spielstätte im Kraftwerk größer gebaut, als sie heute ist. Bei allen Entscheidungen wurden die Folgekosten mit bedacht. Wir errichten etwas, das der Größe und Leistungsfähigkeit der Stadt entspricht. Parallel dazu ist die Kultur in dieser Stadt solide finanziell ausgestattet: Der Etat wurde von 2008 bis jetzt um rund zehn Prozent erhöht.

Die Solidarpaktmittel laufen 2019 aus. Welche Konsequenzen hat das für die Kulturförderung?

Ich glaube, dass es in Dresden einen breiten Konsens gibt: Die Kultur ist für die Selbstwahrnehmung und den Außenauftritt von zentraler Bedeutung. Es wird ein Ringen um Konzepte und Akzente geben. Aber um die Kultur an sich mache ich mir keine Sorgen.

Sehen Sie mittelfristig eine städtische Einrichtung, der die Schließung droht?

Nein. Wie kommen Sie denn auf diese Frage? Wir haben in die meisten mehr oder minder große Beträge investiert. Selbst kleinere Einrichtungen wurden saniert. Wir gehen vom Fortbestand und der Existenzberechtigung aller städtischen Einrichtungen aus.

Ist das Heinrich-Schütz-Konservatorium in kommunaler Trägerschaft besser aufgehoben als in freier?

Vereinsstrukturen wie jetzt sind für ein Wirtschaftsunternehmen dieser Größenordnung mit mehreren Millionen Euro in der Bilanz nicht ideal. Dabei sollte man aber von den Inhalten her denken. Die Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeigt ja, dass Qualität nicht von der Trägerschaft abhängig ist. Es gibt keine Trägerschaft, die nur Vorteile hat. Ich erinnere nur an das vergangene Jahr, als wir ab Oktober eine Haushaltssperre hatten. Da war ich heilfroh, dass das Konservatorium kein städtischer Betrieb ist, sondern einen Fördermittelbescheid mit nicht zu kürzenden Mitteln besaß. Wir haben versucht, die Nachteile der jetzigen Struktur auszugleichen.

Dresden ist ein Standort für Hochkultur. In der Unterhaltungsbranche liegt die Stadt dagegen im toten Winkel. Die wirklich großen Konzerte finden in Leipzig oder Prag statt. Lässt sich das ändern?

Daran wird bereits gearbeitet. Es hat sich einiges getan. Elton John, AC/DC, Roxette, Xavier Naidoo oder Helene Fischer kamen oder kommen in diesem Jahr, Herbert Grönemeyer nächstes. Es hat sich etwas entwickelt, was dem Einsatz verschiedener Akteure zu verdanken ist. Aber: Dresden hat ein Problem mit der Verkehrsanbindung für die Konzertbesucher. Das ist ein handfester Standortnachteil. Übrigens auch in der Hochkultur, wenn beispielsweise kurzfristig eine Nachbesetzung organisiert werden muss. Da sind die Verbindungen nach Dresden auch ein Problem.

Sie scheiden aus dem Amt. Gibt es etwas, das Sie noch gerne auf den Weg gebracht hätten?

Das kann ich so nicht sagen. Alle Prozesse haben in meiner Amtszeit nicht bei Null begonnen und sind auch nicht am Ziel angekommen. Es gehört zu einer professionellen Herangehensweise dazu, dass man davon ausgeht, bei der Einweihung bestimmter Neubauten nicht mehr im Amt zu sein.

Haben Sie schon einen neuen Job?

Mir war von vornherein klar, dass es sich um ein Amt handelt, das endlich ist. Ich habe immer auch berufliche Alternativen im Auge behalten für den Fall, dass ich aus dem Amt scheiden sollte.

Thomas Baumann-Hartwig

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Stadtpolitik
  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.