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DNN-Analyse: Schönrechner tricksten auch beim Kulturpalast

DNN-Analyse: Schönrechner tricksten auch beim Kulturpalast

Rechnet man alles zusammen, kostet auch der Umbau des Kulturpalastes deutlich mehr als bislang immer dargestellt. Schuld daran ist die gleiche Crux wie beim Kulturkraftwerk - von Seiten der Stadt werden die reinen Baukosten und die Ausgaben für die Innenausstattung des Gebäudes getrennt abgerechnet.

DNN beantworten wichtige Fragen zum Thema.

Wie teuer ist denn nun der Umbau des Kulturpalastes tatsächlich?

Im Haushaltsplan, den der Stadtrat am vergangenen Donnerstag mehrheitlich beschlossen hat, wird ein Ge-samtinvestitionsvolumen von 87,9 Millionen Euro genannt. In dieser Summe enthalten sind die geschätzten Kosten für Einrichtungsgegenstände im Inneren des Kulturpalastes in Höhe von sechs Millionen Euro. Eigentlich hieß es, dass der "Kulti"-Umbau nicht mehr als 82 Millionen Euro kostet, doch diese Aussage bezog sich lediglich auf die reinen Bauarbeiten, sprich auf ein eigentlich unfertiges Gebäude.

Was erhält der Kulturpalast alles an Innenausstattung?

Zunächst wären da laut Stadtsprecher Kai Schulz knapp 2000 Sessel für den neuen Konzertsaal der Philharmonie. Pro Platz dürften zwischen 1200 und 1500 Euro zu Buche schlagen. Ein zweiter großer Posten sind die benötigten Regalsysteme für Zehntausende Bücher der Hauptbibliothek, die vom "World Trade Center" in den Kulturpalast umziehen soll. Last but not least muss auch an kleinere Dinge wie Künstlergarderoben, Bühnentechnik und ähnliches gedacht werden.

Beim Kulturkraftwerk kostet die Gestaltung des Umfeldes zusätzlich viel Geld. Beim "Kulti" auch?

Im alten Haushaltsplan der Stadt Dresden für 2011 und 2012 waren reichlich zwei Millionen Euro für Nebenflächen des Kulturpalastes eingestellt, um unter anderem das Areal in Richtung Neumarkt attraktiver zu gestalten. Im neuen Haushaltsplan taucht dieser Investitionsposten nach DNN-Informationen nicht mehr explizit auf. Die Hintergründe sind nicht bekannt, allerdings stellt Grünen-Fraktionschefin Christiane Filius-Jehne fest: "In puncto Außenanlagen ist der Fall gänzlich anders geartet als beim Heizkraftwerk. Der Kulturpalast bedarf keinesfalls einer so umfangreichen Umfeldaufwertung und durch den Bau der Tiefgarage Altmarkt, die seinerzeit ja genau zu diesem Zweck errichtet wurde, ist das Problem der Parkplätze bereits gelöst."

Ähnlich sieht es Christoph Hille von der Bürgerfraktion: "Die Außenanlagen fallen bei einem Bestandsgebäude nicht wesentlich finanziell ins Gewicht. Wir werden ja bei Erteilung der Baugenehmigung, die noch für den Januar avisiert ist, erleben, welche Auflagen es geben wird und ob die geplanten Kosten im Rahmen bleiben."

Wie bewertet die Philharmonie den Beschluss des Stadtrates?

Mit großer Erleichterung, wie das Orchester gestern mitteilte. "Der beschlossene Umbau ist keine Belohnung, sondern einerseits die logische Konsequenz aus der Entwicklung der Dresdner Philharmonie in den letzten Jahren und andererseits dem Bedürfnis von Dresdens Musikliebhabern nach einem hervorragend klingenden Saal und würdigen Ort der lebendigen kulturellen Begegnung", sagte Chefdirigent Michael Sanderling. Der Orchestervorstand lobte die "sehr schwierige Abwägung zwischen dem dringend Notwendigen und dem Machbaren" im Stadtrat. Die Gewerkschaft "Deutsche Orchestervereinigung" sprach von einem "guten Tag für Dresdens Kultur", verwies aber auch auf den finanziellen Verzicht der Operettenmitarbeiter beim Kulturkraftwerk.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.01.2013

Christoph Stephan

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