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Busmannkapelle im Stadtrat: Streit um Namensnennung von 19000 Toten

Busmannkapelle im Stadtrat: Streit um Namensnennung von 19000 Toten

Die Dresdner Fraktionen CDU und FDP wollen gegenüber dem Zwinger am Postplatz ein Mahnmal für die Opfer der Bombenangriffe auf Dresden vom 13. bis 15. Februar 1945 in der Gedenkstätte Busmannkapelle errichten.

Von Ralf REDEMUND

Alle 19 000 von der Historikerkommission belegten Namen der Toten sollen dort genannt werden. Das stößt auf Widerstand bei Grünen, SPD und Linke. Sie befürchten, dass damit eine Wallfahrtsstätte für Nazis geschaffen werden könnte, weil unter den Toten auch braune Parteigänger seien. Heute entscheidet der Stadtrat auf seiner öffentlichen Sitzung ab 16 Uhr im Kulturrathaus über den CDU/FDP-Antrag.

1945 wurde die Sophienkirche während der Bombardierung schwer beschädigt, die Ruine schließlich 1963 trotz internationaler Proteste von der SED-Führung endgültig abgerissen. Seit 2009 entsteht an gleicher Stelle die Gedenkstätte Busmannkapelle - in Erinnerung an die Sophienkirche. Nach dem Willen von CDU und FDP soll die Gedenkstätte nun durch ein Mahnmal an die Kriegstoten mit namentlicher Nennung ergänzt werden. Das sei eine angemessene Form, in Stille und an einem würdigen Ort der Toten zu gedenken, sagt Mitinitiator und CDU-Stadtrat Sebastian Kieslich.

Grünen-Stadträtin Gerit Thomas ist gegen die namentliche Aufführung der Todesopfer. Dann gedenke man auch "Menschen, die diesen Krieg befördert haben. Das überfrachtet die Gedenkstätte und man läuft Gefahr, dass die Busmannkapelle zur Pilgerstätte für Nazis wird, die dort Kränze ablegen", hält Thomas dagegen. Die Stätte dürfe nicht auf ein Mahnmal für Todesopfer verkürzt werden.

Das sei archaisches Freund-Feind-Denken, wirft CDU-Fraktionschef Georg Böhme-Korn den Grünen vor. Ob Täter, Schuldige, Mitläufer, Abducker, Opfer oder aktive Widerständler - das seien alles Menschen, die getötet worden seien, so Böhme-Korn. "Die Grünen haben sich verrannt", glaubt CDU-Sprecher Stefan Zinkler. Es handele sich hier um keinen Ehrenhain.

"Das ist sehr wohltuend, so eine Unterstützung zu haben", lobt indes Britta Zumpe vom Vorstand des Fördervereins Sophienkirche den Vorstoß von CDU und FDP. Sie selbst habe als Dreijährige den Bombenangriff überlebt, kenne Menschen, die auf das Mahnmal warten, um die Namen ihrer Verstorbenen lesen und ihrer gedenken zu können, sagt Zumpe.

CDU und FDP haben sogar einen Finanzierungsvorschlag: Dresdens Stadträte verzichten auf eine Erhöhung ihrer Aufwandsentschädigung für ihre ehrenamtliche Arbeit aus den Jahren 2011 und 2012. Das sind insgesamt rund 800 000 Euro. Daraus sollen 340 000 Euro für die Toten-Gedenkstätte entnommen werden.

Im Vorfeld begrüßte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge die CDU/FDP-Initiative zur Errichtung des Mahnmals. Mit dieser Initiative werde endlich dem Wunsch vieler Dresdner nach einem würdigen Gedenkort für die Luftkriegstoten im Zentrum der Stadt Rechnung getragen. Die bisherige Gedenkstätte auf dem Dresdner Altmarkt würden vor allem Überlebende des verheerenden Bombenangriffes als unangemessen empfinden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.10.2012

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