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Baubürgermeister Marx im Sommer-Interview: In Dresden entstehen 50 neue Wohngebiete

Baubürgermeister Marx im Sommer-Interview: In Dresden entstehen 50 neue Wohngebiete

Mitten im Kassensturz und im Vorfeld der Beratungen zum Doppelhaushalt 2013/2014 muss sich Dresdens Baubürgermeister Jörn Marx (CDU) gegen Kultur-, Schul- und Kita-Lobby behaupten.

Im DNN-Sommerinterview befragten Christoph Springer und Ralf Redemund den Bürgermeister zu aktuellen Stadtentwicklungen in Dresden.

Frage: Der Stadtrat hat gegen die Empfehlung aller Fachämter und der Dresdner Einzelhandelslobby das Globus-Projekt durchgedrückt. Wie sehr wurmt Sie das? Und wie sehr schadet Globus dem Hafencity-Projekt?

Jörn Marx: Gar nicht. Globus ist mehr als nur Einzelhandel, bedeutet für uns die Arrondierung einer alten Brache, die wir selbst nicht entwickeln könnten. Wir können das Denkmal erhalten, bekommen eine Kita dazu und wollen den Bereich auch als Schulstandort dazugewinnen. Es ist also eine Initialzündung für das Ge-biet. Außerdem werden noch Bürogebäude hingebaut. Wir sind am Anfang der Planung, im Aufstellungsbeschluss. Ich wehre mich dagegen, dass man nicht mal mehr mit einem Investor nachdenken und Möglichkeiten ausloten darf. Der kleine Spezialistenla den wird keine Probleme haben. Dass es im Einzelhandel Konkurrenz gibt, finde ich in Ordnung. Und: Wir sind eine wachsende Stadt, haben binnen eines Jahrzehnts rund 40 000 Einwohner mehr als erwartet, und wir wachsen weiter. Da haben wir also neuen Bedarf. Der wird hier auch mit gedeckt.

In dem Zusammenhang: Hat Edeka zum Ex-DVB-Hochhaus geliefert?

Wir haben erste Umplanungen bekommen, die ich der OB vorgestellt habe. Hier muss eine qualitäts- und anspruchsvolle Architektur gemacht werden. Wir legen größten Wert darauf, dass das Kulturdenkmal erhalten wird. Es ist jedoch schwierig, das Gebäude optimal zu nutzen. Die Lage ist schön zentriert für Büroräume, für Wohnen ist der Lautstärkepegel am Albertplatz problematisch. Über die Edeka-Pläne müssen wir aber noch einmal reden. Wir sind in Abstimmung mit dem Investor. Es geht nicht mehr vordergründig um den Einzelhandel, sondern um eine denkmalgerechte Bebauung.

Um die Straßen Dresdens in Ordnung zu halten, werden jährlich Millionen gebraucht, es fehlt aber Geld. Zu wessen Lasten geht die Differenz?

Wenn wir die Mittel nicht bekommen, die wir brauchen, geht das zu Lasten der Qualität der Straßen und Brücken. Ingenieurbauwerke werden eingestuft in die Klassen I bis IV. Wir haben viele Brücken, die haben schon die Stufe III. Da muss eindeutig was geschehen. Jeder weiß um diese Probleme, aber im Moment ist eine andere Fokussierung da. Beim Unterhalt von Straßen und Brücken reden wir im Moment von knapp 70 Millionen Euro, die wir jedes Jahr haben müssen.

Gehen Sie davon aus, dass Sie diesen Posten in den bevorstehenden Haushaltsgesprächen durchsetzen können?

Ich gehe das mal sportlich an, wir werfen den Hut in den Ring.

Wir haben schon gelernt, dass Sie den ZOB nicht zu Ihren vordringlichen Projekten zählen. Welche Pläne haben bei Ihnen höchste Priorität?

Der ZOB gehört da schon dazu, ich kann es nur im Moment nicht bezahlen. Ein anderer Punkt ist die Fläche des Güterbahnhofs Dresden-Friedrichstadt. Da wissen wir, dass die in nächster Zeit freigegeben wird von der Deutschen Bahn AG. Das ist ein Entwicklungspotenzial für die Stadt Dresden, wie es nur alle 100 Jahre mal vorkommt. Da würde ich einen Fokus drauf legen, zumindest was die Sicherung der Grundstücke betrifft. Man kann dort Wohnungen unterbringen, Grünflächen und Gewerbe. Ein weiteres Thema ist die Nachverdichtung südlich des Elbeparks. Dazu kommen klassische Maßnahmen wie zum Beispiel die Hafencity. In der gesamten Stadt haben wir im Moment rund 50 Baugebiete, die wir für Wohnbebauung entwickeln. Das ist im Moment eine unserer großen Aufgaben, dass wir Bauflächen zur Verfügung stellen. Vieles davon sind private Maßnahmen.

Wie wollen Bau und Soziales künftig besser zusammenarbeiten, um Kitas und Schulen bauen zu können?

Ich tendiere bei Kitas zu der Lösung, alte Bauten vernünftig aufzuwerten und nicht gleich an Neubau zu denken. Dann wird eine Brandwand reingezogen und ein separates richtiges Treppenhaus gebaut. Das kostet natürlich auch Geld, aber es ist manchmal ungleich günstiger als immer nur neue Kitas zu bauen. Wir haben auf diesem Gebiet noch viele Altlasten, weil der Brandschutz in manchen Bereichen nicht so sauber sortiert ist. Das ist nicht so einfach.

Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann hat angekündigt, dass sich die Stadt nicht alles leisten kann, was der Stadtrat "bestellt" hat. Wo würden Sie zuerst sparen?

Das ist schwierig. Ich würde den Fokus auf die Dinge legen, bei denen die Stadt mehr gewinnt als nur die simple Summe des großen Ganzen ergibt. Und da geht es nicht sofort unmittelbar um Geld. Man muss Adressen schaffen, so etwas braucht aber Zeit. Ein Beispiel ist die Ostrale, eine Stadt wie Dresden braucht so etwas, eine solche Darbietungsform. Aber den Effekt kann man nicht gleich in Heller und Pfennig ausrechnen. Stadt ist auch mehr als nur Straße oder nur Schule. In meinem Bereich haben wir schon Prioritäten gesetzt. Wir haben die Prioritäten A, B und C geschaffen beim Straßenbau und können nur "A" machen.

Welche Straßen gehören zur Kategorie C?

Dazu gehören zum Beispiel die Tauernstraße in Striesen und der obere Teil der Staffelsteinstraße. Dass uns das nicht wirklich gut gefällt, ist klar. Auch bei den Kulturbauten haben Einschnitte stattgefunden. Ich hatte die St.-Pauli-Kirche zu betreuen. Da haben wir massiv gespart durch das einfachere Dach. So haben wir das Projekt für 2,6 Millionen Euro hinbekommen. Aber da haben wir uns auch jeden Monat die Abrechnungen vorlegen lassen.

Gibt es mittlerweile einen Eröffnungstermin für die Waldschlößchenbrücke?

Nein, wir können zum definitiven Fertigstellungstermin nichts sagen, das lasse ich ganz bewusst offen. Uns fehlen zum Beispiel Bauzeitenpläne, die wir vor zwei Wochen bekommen sollten. Das ist ein Problem. Wir bezahlen anständig, aber das funktioniert nicht, das ist ein großes Dilemma.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.08.2012

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