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Ausschuss für Erinnerungskultur in Dresden: Erinnern ja, aber wie?

Ausschuss für Erinnerungskultur in Dresden: Erinnern ja, aber wie?

Wenn in Dresden an ein historisches Ereignis erinnert wird, zerfleischen sich entweder wie am 13. Februar diverse politische Lager gegenseitig oder aber die Stadt wird von einem Jubiläum überrascht, so dass am Ende keine Zeit mehr bleibt, um ein angemessenes Rahmenprogramm auf die Beine zu stellen.

Das soll sich künftig ändern. Denn erklärtes Ziel des neu gebildeten Ausschusses für Erinnerungskultur ist es, die wichtigsten Dresdner Gedenktage langfristig zu planen und dafür alle demokratischen Parteien in ein Boot zu holen.

Das 16-köpfige Gremium, dem Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos) vorsteht und das in dieser Form als deutschlandweit einmalig gilt, tagte gestern zum zweiten Mal. "Die zentralen Fragen für den Ausschuss sind: Was ist bewahrenswert? Was sollte erneuert werden? An welche Ereignisse, an welche historischen Tage soll erinnert werden? Warum wollen wir das? Welche Orte, also Plätze, Straßen und Gebäude, sollen davon erzählen", fasst der CDU-Politiker Sebastian Kieslich zusammen.

Er sieht zum einen die Gefahr, dass sich Gedenktage zu sehr auf das20. Jahrhundert beschränken und zum anderen, dass sie sich dabei hauptsächlich bedrückenden Themen widmen. "Krieg, Zerstörung und Unterdrückung sind wichtig und dürfen nie vergessen werden, aber sie können den Diskurs nicht einzig und allein bestimmen. Stattdessen sollten wir uns an eine insgesamt positiv besetzte Erinnerungskultur heranwagen, die Gedenktage etabliert, an denen in Dresden fördernde Impulse für außen gesetzt wurden", betont Kieslich. Das gelte etwa für den 4. September 1831, als das Königreich Sachsen erstmals eine Verfassung erhielt. Der damit beschrittene Weg zur konstitutionellen Monarchie sei ein wahrhaft historischer Einschnitt, der derzeit allerdings in Vergessenheit zu geraten drohe. Im Ausschuss für Erinnerungskultur wird zudem ganz konkret das Gedenkprogramm für die nächsten Jahre diskutiert und nach Möglichkeit festgezurrt, welche Veranstaltungen die Stadt selbst organisiert und wo sie lediglich Vereine und Stiftungen wie die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung finanziell unterstützt.

Fakt ist, an Anlässen mangelt es in nächster Zeit nicht: 2014 steht zum Beispiel am 20. Juli der 70. Jahrestag des Stauffenberg-Attentats an. Dabei könnte in Dresden der hiesige Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime thematisiert werden. Im Herbst des gleichen Jahres jährt sich die Wende zum 25. Mal. Für Dresden sind dabei vor allem der 8. Oktober (wegen der ersten großen Montagsdemonstration) und der 19. Dezember (Helmut Kohl spricht vor der Ruine der Frauenkirche) von Interesse. Am 13. Februar 2015 jährt sich dann die Zerstörung der Elbestadt zum 70. Mal, ein Jahr später finden die zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden statt und 2017 steht ganz im Zeichen des Reformationsjubiläums. Die damalige Residenz Dresden war im 16. Jahrhundert Hauptstadt des wichtigsten protestantischen Landes innerhalb des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.03.2013

Christoph Stephan

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