Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Google+
Altersarmut in Dresden steigt an - Stadt bleibt noch unter Bundesdurchschnitt

Altersarmut in Dresden steigt an - Stadt bleibt noch unter Bundesdurchschnitt

In Dresden ist Alters- und Invaliden-Armut kein so ausgeprägtes Problem wie in vielen anderen deutschen Städten - aber doch ein wachsendes. Das geht aus Angaben des hiesigen Sozialamtes und des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden hervor.

Demnach sind derzeit 3051 Dresdner - 5,3 Prozent mehr als vor einem Jahr - auf die sogenannte "Grundsicherung" angewiesen. Dies ist eine Stütze, die Staat und Stadt zahlen, wenn ein Rentner oder Erwerbsunfähiger nicht genug Rente oder andere Einkünfte bezieht, um den eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Von Heiko Weckbrodt

Auch in absehbarer Zukunft wird sich dieser Trend wohl fortsetzen. Denn nach der Wende 1989 wurden immer mehr Menschen arbeitslos - und dies teils auf Jahre. Sie waren dann auf Hartz-IV-Stütze oder andere Transferleistungen angewiesen und konnten sich dadurch keine oder nur sehr geringe Rentenansprüche erarbeiten. "Dies wird dazu führen, dass Betroffene mit den ihnen zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln nicht in der Lage sein werden, den notwendigen Bedarf zur Sicherung des Lebensunterhaltes zu decken", schätzt Sozialamts-Leiterin Petra Zschöckner ein. Zudem sorgen auch steigende Heizungs-, Strom- und Lebenshaltungskosten zusehends dafür, dass viele Senioren mit ihrer Rente nicht zu Rande kommen.

Auch der Wandel der Arbeitswelt und der Lebensentwürfe spielt eine Rolle: Viele, die einst ihre Festanstellung verloren, versuchen ihr Glück inzwischen als Selbstständige - mit oft zunächst nur sehr geringen Einkünften, die kaum Spielraum für eine Altersvorsorge lassen. Ähnlich geht es vielen Singles, insbesondere alleinerziehenden Müttern. Und nicht zuletzt steigt schlicht der Anteil der Senioren an der Bürgerschaft - und damit die Zahl armer Rentner.

Über die Jahre hinweg betrachtet, ist die Zahl der armen Rentner und Berufsunfähigen in Dresden stetig gewachsen: 2009 gab es erst 2703 Grundsicherungs-Empfänger in Dresden, inzwischen sind es, wie erwähnt, bereits 3051. Darunter sind 1665 arme Rentner, 1125 Invaliden und 261 Dresdner, die aus verschiedenen Gründen in Heimen leben.

Die Entwicklung dramatisch zu nennen, wäre indes verfehlt: Sowohl mit seinen Zuwächsen wie auch mit seiner Armendichte liegt Dresden unter dem Bundesschnitt. In der sächsischen Landeshauptstadt kommen rund 5,75 Grundsicherungs-Empfänger auf 1000 Einwohner, anders ausgedrückt: weniger als ein Prozent der Bürgerschaft. Sachsenweit liegt dieser Wert dagegen bei sieben, bundesweit bei etwa zehn armen Rentnern und Invaliden je 1000 Einwohner.

Stärker als die "Fallzahlen" sind in Dresden indes die Ausgaben für diese Stütze gestiegen: Von 11,3 Millionen Euro im Jahr 2009 auf voraussichtlich 13,5 Millionen Euro in diesem Jahr. Allein von 2010 zu 2011 sind die Ausgaben um acht Prozent gestiegen - stärker also als der Kreis der Stütze-Empfänger.

Laut der Analyse des Sozialamtes legen die Stütze-Kosten vor allem deshalb überproportional zu, weil nun mehr Menschen unterstützt werden müssen, die sich überhaupt keine Rentenansprüche erarbeitet haben und damit mehr Geld vom Staat brauchen. "Hinzu kommt, dass zunehmend ein Personenkreis leistungsberechtigt ist, dem aufgrund von Krankheit und Behinderung höhere Kosten der Unterbringung zu gewähren sind", erklärt Zschöckner.

Immerhin bleibt die Stadt auf diesen wachsenden Stütze-Kosten nicht allein sitzen. Mittlerweile übernimmt der Bund 45 Prozent der Nettoausgaben - ab 2014 wird Berlin die Kosten sogar ganz aus der Bundeskasse bestreiten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.10.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Stadtpolitik
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.