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17.000 Menschen zeigen in Dresden ihr Gesicht gegen Rechts

17.000 Menschen zeigen in Dresden ihr Gesicht gegen Rechts

Mehr als drei Kilometer lang ist die Reihe der Menschen, die dicht an dicht im Dresdner Stadtzentrum stehen. Unter dem Geläut der Kirchenglocken fassen sie sich punkt 14 Uhr an den Händen - Alte und Junge, Leute in feinem Zwirn genau so wie leger gekleidet Jugendliche, Touristen, Familien mit kleinen Kindern.

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Quelle: Anne-Kathrin Sturm

Sie gedenken in diesen Minuten der etwa 25.000 Toten, die die Luftangriffe auf Dresden vor 66 Jahren forderten. Nach zehn Minuten belohnen sie sich selbst mit Beifall.  

Dresden hat es am Sonntag wieder geschafft, die Bürgerschaft zu mobilisieren. Angesichts eines Aufmarsches Rechtsextremer am Jahrestag des Gedenkens formieren sie eine beeindruckende Menschenkette - als symbolischen Schutzwall gegen alte und neue Nazis. „Wir lassen uns unser stilles Gedenken nicht nehmen“, sagt Bürgermeister Detlef Sittel (CDU) angesichts der Massen. Er ist froh, dass so viele Menschen - deutlich mehr als zu ersten Menschenkette vor einem Jahr - gekommen sind. „Wenn es darauf ankommt, halten die Dresdnerinnen und Dresdner zusammen.“ Nazis, die die deutsche Kriegsschuld leugnen, haben für ihn wie für die Teilnehmer der Menschenkette in Dresden nichts zu suchen.  

Schon eine Stunde vor Beginn der Aktion ist die Stadt voller Menschen, viele mit einer kleinen weißen Rose als Symbol an Mantel oder Jacke. Fremde kommen trotz Nässe und Kälte ins Gespräch, erzählen sich, weshalb sie gekommen sind. „Ich wäre fast nicht hier, denn meine Mutter ist den Bombenangriffen nur um ein Haar entkommen“, berichtet eine Frau mit leiser Stimme. „Wir können die Stadt doch nicht den Ewiggestrigen überlassen“, sagt ein älterer Herr. Unweit stehen Medizinstudenten mit einem Transparent: „Rechtsextremismus gefährdet die Gesundheit.“  

„Dresden ist auf gutem Wege, sich sein stilles Gedenken zurückzuerobern“, ist sich Bundesinnenminister Thomas des Maizière (CDU) sicher. Er hat sich wie andere Politiker unweit der Hofkirche in die Menschenkette eingereiht. „Das ist ein gute Gefühl“, sagt Sachsens Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) angesichts der gelungenen Aktion. „Die Dresdner haben damit erneut deutlich gemacht, dass die Stadt ihnen gehört und kein Platz für Rechtsextreme ist.“ Für Karin Göring-Eckardt ist die Menschenkette ein starkes Zeichen der Dresdner. „Genau so wichtig ist es aber, dass junge Menschen versuchen, den Nazi-Aufmarsch zu blockieren“, meint die Grünen-Polikerin und Präsidentin des Evangelischen Kirchtages.   

Alle hoffen, dass es um den angekündigten Marsch der Rechten möglichst ruhig bleibt. Die sammeln sich zur gleichen Zeit in der Nähe des Hauptbahnhofes, abgeschirmt von der Polizei und offenkundig deutlich weniger als vor einem Jahr. Damals hatten Blockaden verhindert, dass rund 6400 Neonazis auch nur einen Schritt durch die Stadt laufen konnten. Die Strecke, auf der die Rechten in diesem Jahr marschieren wollten, ist diesmal weiträumig abgesperrt. Gepanzerte Fahrzeuge und Wasserwerfer sind aufgefahren. Beamte aus mehreren Bundesländern sollen verhindern, dass es ein Zusammentreffen mit Gegendemonstranten gibt. Der Wermutstropfen: Schon am kommenden Wochenende wollen die Nazis wiederkommen, um in Dresden zur marschieren.

Petra Strutz, dpa

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