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1-Euro-Job-Abbau: Dresdner Sozialvereine unter Druck

1-Euro-Job-Abbau: Dresdner Sozialvereine unter Druck

Der Abbau staatlich subventionierter Jobs wird wohl nach der QAD noch andere Dresdner Sozialvereine demnächst in existenzielle Nöte bringen. "Das wird für die großen Träger in der Stadt noch große Probleme aufwerfen", fürchtet Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos), der in diesem Zuge auch die am 1. Juli bevorstehende Liquidierung der Stadttochter QAD verteidigte: "Im Nachhinein kann ich nur drei Kreuze machen, dass wir so entschieden haben.

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Die QAD muss das Herbergsschiff "Die Koje" abstoßen, doch ein teurer Schiffs-TÜV ist fällig. Ein Ende unter dem Schneidbrenner ist nicht mehr ausgeschlossen.

Quelle: Fritzsche

Von Heiko Weckbrodt

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Nur 2000 statt 5000 Jobber

Denn das Grundproblem dahinter hatte schon die QAD ins Straucheln gebracht. So hatte die Bundesarbeitsagentur in den vergangenen Jahren bereits die "Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen" (ABM), die noch in den 1990er massenhaft verteilt wurden, immer mehr zurückgefahren. Zahlreiche Projekte von Sozialvereinen bauten jedoch auf diese Helfer auf. Und Trägervereine wie die QAD, die die ABMs in der Praxis koordinierten, finanzierten aus den zugehörigen Verwaltungspauschalen einen Teil ihres Personals.

Im Zuge des anspringenden Arbeitsmarktes fuhr das Dresdner Jobcenters nach der Wirtschaftskrise zudem die so genannten Ein-Euro-Jobs und andere subventionierte Beschäftigungen zurück, von denen ebenfalls viele Vereinsprojekte - und Finanzierungsquellen der Trägervereine - abhängen. Gab es in Dresden früher um die 5000 Ein-Euro-Jobber im Jahr, so werden es in diesem Jahr nur noch zirka 2000 sein. Standen 2010 etwa 27 Millionen Euro für solche und andere Beschäftigungen zur Verfügung, sind es in diesem Jahr lediglich 6,7 Millionen Euro. "Das wird auch durch die Bürgerarbeit nur teilweise ausgeglichen", betonte Seidel.

Der Grund der Kürzungen ist nachvollziehbar: Wenn neue, privat finanzierte Arbeitsplätze in der Wirtschaft entstehen, will das Jobcenter lieber sein Geld ausgeben, um Arbeitslose zu schulen und letztlich in echte Jobs zu vermitteln.

Auf all diese Entwicklungen hatte die städtische Tochtergesellschaft QAD allerdings nicht rechtzeitig reagiert. Sie verzettelte sich in immer mehr Projekten, behielt aber die steigenden Eigenkosten nicht im Auge. Im Sommer stand die gGmbh kurz vor der Pleite und musste durch einen städtischen Sonderzuschuss gerettet werden. Die Stadt setzte darauf den Chef der kommunalen Seniorenheimgesellschaft "Cultus", Matthias Beine, als Sanierer ein und beschloss nach einem Gutachten, die QAD abzuwickeln. Damals hatte die Gesellschaft noch 90 Festangestellte, die sich um 400 Arbeitslose und Jugendliche sowie etwa 40 Zeitarbeiter kümmerten.

Seitdem hat Beine einen Großteil der QAD-Projekte beendet oder an andere Vereine übergeben und die Belegschaft drastisch reduziert. Mittlerweile hat die gGmbH nur noch 34 Mitarbeiter und etwa zehn Projekte übrig. Die Sozialwerkstätten mit der "Humanitären Hilfe" sollen am 1. März an das "Sächsische Umschulungs und Fortbildungswerk" (SUFW) übergeben werden, auch das Jugend-Catering-Projekt "Mc Mampf" steht vor der Übergabe. "Zum Sozialkaufhaus Radebeul steht die Gesellschaft in Verhandlungen", berichtete Seidels Referent Marco Fiedler. Die Koordinierung der "Bürgerarbeit" verbleibe "bis zur Einstellung der Geschäftstätigkeit in der Gesellschaft

100 000 Euro für Schiffs-TÜV

Auch das Jugendherbergsschiff "Die Koje" - einst ein Prestigeprojekt der QAD - ist nun zur Übernahme ausgeschrieben worden. Zwar will die QAD noch im März ein neues Projekt auf der schwimmenden Herberge starten, um den Betrieb am Laufen zu halten. Aber ein Ende in der Schrottpresse ist inzwischen nicht mehr ausgeschlossen.

Denn laut einem neuen Gutachten ist für die "Koje" ein etwa 100 000 Euro teurer Schiffs-TÜV fällig, den die Stadt nicht bezahlen will. Tragen soll diese Kosten der Käufer. Unter diesen Umständen ist jetzt auch die Idee vom Tisch, einen Käufer zu einer ebenfalls sozialen beziehungsweise jugendhilflichen Nachnutzung zu verpflichten. Seidel würde inzwischen auch eine "Verwertung als Altmetall" akzeptieren - ein bitteres Ende für die ehemalige "Daniel Pöppelmann", in die Stadt und Arbeitsagentur über die Jahre hinweg mehrere Millionen Euro an Steuergeldern investiert hatten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.02.2012

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