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Zu Besuch beim Zoll: Endstation für Schmuggelgut

Zu Besuch beim Zoll: Endstation für Schmuggelgut

Ein schwerer, süßlicher Geruch drängt sich in die Nase. Eine Mischung aus Kräuterteeladen und Heuboden. Es ist der Geruch von Marihuana, der sich in dem weißen Kellergang festgesetzt hat.

Von madeleine arndt

Es ist aber nicht der Keller einer zwielichtigen Drogenhöhle, sondern des Dresdner Hauptzollamtes. Er rieche das schon lange nicht mehr, "nicht einmal nach drei Wochen Urlaub", sagt der Zollbeamte, der die Tür zur Asservatenkammer aufschließt. Der Raum wirkt unspektakulär. Man kann kaum glauben, dass sich hier Rauschgift aller erdenklichen Sorten stapelt. In Tüten und Beuteln verpackt und nummeriert lagert es auf grauen Regalen. In einer Ecke steht sogar ein ganzer Müllbeutel voll Marihuana.

Doch nicht nur Drogen werden in den Lagern des Hauptzollamtes verwahrt. Sämtliche verbotene Waren und Gegenstände, die bei den Zollkontrollen im Dresdner und Leipziger Raum beschlagnahmt werden, landen zunächst in den Asservatenkammern. Es sind Zigtausende Beweismittel, zu denen jeden Tag weitere hinzukommen. In den Lagern sammeln sich gefälschte Arzneimittel, nachgemachte Markenprodukte, Waffen, verbotenen Urlaubssouvenirs und nicht zuletzt Unmengen an Zigaretten. Allein etwa sechs Millionen Zigaretten werden jährlich sichergestellt. "Wir haben die ganze Bandbreite an Schmuggelgut zu bieten", kommentiert Zollsprecherin Heike Wilsdorf die ungewöhnlichen Bestände. "Wir bewahren die Beweismittel auf, bis das jeweilige Strafverfahren abgeschlossen ist." Bis dahin können allerdings einige Jahre ins Land gehen.

Neben dem Erheben von Steuern und Abgaben sowie der Bekämpfung von Schwarzarbeit ist der Zoll für die Überwachung des grenzüberschreitenden Warenverkehrs zuständig. Kontrolliert werden sowohl der Postweg, als auch der Flugverkehr und der Transport auf den Straßen. "Seit dem Wegfall der Grenzkontrollen arbeiten wir mit mobilen Kontrolleinheiten, die bundesweit befugt sind, Fahrzeuge und Fußgänger anzuhalten", erklärt Wilsdorf. Das Dresdner Hauptzollamt verfügt über fünf mobile Gruppen in Görlitz, Zittau, Pirna, Leipzig und Dresden. Hinzu kommen die Zollämter in Dresden, Löbau und Taucha sowie die beiden Dienststellen am Dresdner und Leipziger Flughafen.

Die rund 1000 Beschäftigten überwachen unter anderem, ob die Einfuhrbestimmungen für bestimmte Waren eingehalten werden. So müssen auf Alkohol, Kraftstoff und Zigaretten Verbrauchssteuern gezahlt werden. Außerdem hat die Institution die Aufgabe, Drogen- und Waffenschmugglern das Handwerk zu legen. Auch die Einfuhr von gefälschten Marken gilt es zu verhindern.

Ein trauriges Thema sind die illegalen Urlaubsmitbringsel, die allein eine ganze Asservatenkammer füllen. Da liegt die präparierte Kobra neben einem Paar Stiefeln aus Krokodilleder, aufgespießte Käfer teilen sich das Regal mit einem exotischen Vogel. "Schmuggel ist kein Kavaliersdelikt", betont die Zollbeamtin. Wer sich ein Souvenir aus dem Urlaub mitbringen will, ist verpflichtet, sich zu informieren, ob das Andenken unbedenklich ist - hier beispielsweise nicht Tiere oder Pflanzen verarbeitet wurden, die unter das Artenschutzgesetz fallen.

Oft ist den Touristen nur zu bewusst, dass ihr Souvenir nicht koscher ist, viele versuchen es per Post einzuschleusen. "Aber die Post kontrollieren wir auch", warnt Wilsdorf. Ein sehr unappetitliches Souvenir hatte der Zoll im vergangenen Jahr in einem Paket entdeckt. "Es wurden zwei skelettierte Makakenschädel gefunden", berichtet die Sprecherin des Amtes. Die Affenschädel können nächstes Jahr am letzten Januarwochenende auf dem Dresdner Reisemarkt am Messestand des Zolls bestaunt werden.

Im Endeffekt ist aber mit exotischen Andenken meist keinem gedient. Nur zu oft würden die Pflanzen und Tiere nur um des schnellen Geldes willen schlecht präpariert. Beschlagnahmte Präparate beginnen in der Asservatenkammer oft zu verfallen und müssten vorzeitig vernichtet werden, so Wilsdorf. Während gut erhaltene Tierpräparate in Museen oder Archiven einen Platz finden, bedeuten die Asservatenkammern für die anderen beschlagnahmten Waren die Endstation. Mit Ende der Gerichtsverfahren werden die Beweismittel vernichtet. Gefälschte Waren werden geschreddert, die Drogen entsorgt und - auch wenn es einem Raucher in der Seele wehtut - die Zigaretten allesamt verbrannt.

Heute öffnen wieder Millionen Kinder und vermutlich fast ebenso viele Erwachsene ein weiteres Türchen ihres Adventskalenders. Und auch die Dresdner Neueste Nachrichten öffnen für Sie, liebe Leser, bis zum 24. Dezember jeden Tag ein ganz besonderes Türchen. Wir blicken hinter Fassaden, in sonst nicht zugängliche Räume und hinter geheime Türen. Heute nehmen wir Sie mit in die Lager des Zolls, wo beschlagnahmtes Schmuggelgut gehortet ist.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.12.2011

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